Pünktlich zu Halloween geistert der Quäl-Geist Husten herum

Husten Kranker Frosch

Husten – ein nervtötender Quäl-Geist oder ein wirksames Reinigungssystem des Körpers?

Gerade in den Wintermonaten ist Husten ein lästiges und nervtötendes Übel. Husten ist jedoch keine Erkrankung, sondern lediglich ein Symptom. Ausserdem ist er eine sehr effektive Schutzreaktion des Körpers, um Schleim oder Fremdkörper aus den Atemwegen zu entfernen.

Im Normalfall: effektives Reinigungsprinzip

Bei Gesunden:

Die Atemwege des menschlichen Körpers sind, wie viele andere Dinge darin auch, ein perfekt durchdachtes System. Und sobald ich darüber nachdenke, werde ich unweigerlich in die ersten Anatomiestunden meines Medizinstudiums zurückversetzt. Ich weiß noch, mit welcher Begeisterung uns die damalige, etwas schrullige Professorin, über das wogenden Zilienfeld (Zilien = Flimmerhärchen) unserer Atwemwege aufgeklärt hat. Sie verglich es mit einem wogenden Kornfeld und zeigte uns dazu zahlreiche Bilder und Filmchen. Ihre Vorlesung muss, rückblickend betrachtet, sehr gut gewesen sein, denn auch viele Jahre später, kann ich an keinem sommerlichen Kornfeld vorbeigehen, ohne an Frau Prof. Schr… zu denken. Und damit auch ihr eine Vorstellung davon habt:

 

Husten wogendes Kornfeld

 

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema. Unsere Atemwege sind mit einer ganz speziellen Schleimhaut ausgekleidet. Auf dieser sitzen Millionen von kleinsten Flimmerhärchen. Diese bewegen sich in der Tat wie ein wogendes Kornfeld und sind umgeben von einer Schleimschicht. Diese Schleimschicht wirkt wie ein grosses Fangnetz, in dem Krankheitserreger, Pollen und sonstige Mikroteilchen aus der Atemluft abgefangen werden. Durch die wogende Bewegung der Flimmerhärchen werden diese, zusammen mit dem Schleim, in Richtung Rachen transportiert. Dort werden sie dann entweder verschluckt oder abgehustet.

 

Im  Falle einer Infektion:

Husten – wie entsteht er?

Bei einer Infektion wird dieses ausgetüftelte Reinigungssystem behindert und ausgebremst. Durch die Krankheitserreger wird zum einen mehr Schleim produziert. Zum anderen ist dieser meist auch noch sehr zäh. Der Transport gelangt ins Stocken und der Schleim sammelt sich zunehmend auf der Schleimhaut an. Der Körper versucht den überschüssigen Schleim mit Hilfe des Hustens aus den Atemwegen zu befreien.

 

Husten – Häufigkeit:

Husten tritt meist im Rahmen eines sogenannten Atemwegsinfektes auf. Dies ist nichts weiter, als eine banale Erkältung. Diese Erkältungsinfekte sind, gerade im Winter, die häufigste Ursache für einen Arztbesuch. In über 90% der Fälle werden sie durch Viren hervorgerufen und führen zu den typischen Erkältungssysmptomen, wie Husten, Schnupfen, Fieber (mehr darüber erfahrt ihr hier), Hals-Ohren-und Gliederschmerzen. Atemwegsinfekte treten umso häufiger auf, je jünger das Kind ist und je mehr Kontakt es zu anderen Kindern hat (z.B. Eingewöhnungszeit in Gemeinschaftseinrichtungen).

Husten im Rahmen von Atemwegsinfekten:

Bei Kleinkindern können solche Infektionen sechs- bis zehmal jährlich auftreten. Und da diese meist in den Wintermonaten auftreten, ist es nicht untypisch, dass ein Kleinkind im Winter fast jeden Monat (evtl. sogar alle 2 Wochen) einen Erkältungsinfekt hat. Da das noch unreife Immunsystem des Kleinkindes mit jedem Infekt „trainiert“ wird und mit der Zeit „reift“, nimmt die Häufigkeit der Erkrankungen mit zunehmendem Alter des Kindes ab. Prinzipiell ist es also gut, dass das Immunsystem in jungen Jahren viele „Erreger-Bekanntschaften“ macht.

Erst im Schulkindalter ist das Immunsystem unter normalen Umständen so gut ausgebildet, dass es mit den meisten Krankheitserregern „gut klarkommt“ und diese abwehren kann bzw. die Symptome bei einem Infekt milder verlaufen, als noch im Kleinkindalter. Natürlich heißt das nicht, dass Schulkinder (genauso wenig, wie Erwachsene) keine Infekte mehr haben können. Das wäre zwar eine schöne Wunschvorstellung, wird sich jedoch aufgrund der schnellen Verwandlunsgfähigkeit der Viren so schnell nicht verwirklichen lassen.

 

Allgemeines zu Viren:

Viren sind infektiöse Partikel, deren Erbmaterial meist in einer Eiweißhülle verpackt ist. Viren können sich zwar ausserhalb von Zellen ausbreiten. Zur Vermehrung sind sie jedoch auf die Zellen eines sog. Wirtes angewiesen. Viele Viren können lange Zeit außerhalb des Körpers überleben. Grippeviren können z.B. in trockener Raumluft stundenlang infektiös bleiben. Daher ist es wichtig, dass ihr gerade in den Wintermonaten auf Frischluft setzt und die Räume und Atemwege bei Bedarf anfeuchtet. Wichtig zu wissen: auf glatten Oberflächen können Viren über 24 Stunden und auf Geldscheinen sogar mehrere Tage überleben. Die Oberflächenmoleküle in der Eiweißhülle der Viren sind auch der Grund dafür, dass eine Impfung gegen die Grippe so schwierig ist. Das Virus ist nämlich ein hervorragender Verwandlungskünstler.

Übertragung von Viren:

Die Übertragung der Viren, die für die meisten Atemwegsinfekte verantwortlich sind, erfolgt auf verschiedenen Wegen. Bei der sog. Tröpfcheninfektion werden die Viren durch winzige Tröpfchen vom Erkrankten auf den Gesunden übertragen (Husten oder Niesen). Eine weitere Übertragungsmöglichkeit ist infiziertes Nasen-Sekret, das über Hände und Gegenstände übertragen wird (gemeinsames Besteck, Becher, Schnullertausch, Händedruck). Die Ansteckungsgefahr ist meist zwei bis vier Tage nach Ausbruch der Krankheit am größten.

 

Husten – Symptome:

Der Husten beginnt meist als trockener Reizhusten und geht oft mit einem Brennen in der Brust und einem allgemeinen Krankheitsgefühl einher. Im weiteren Verlauf wird der Husten meist lockerer, was zum Abhusten von Schleim führt. Der abgehustete Schleim wird von den Kindern in den meisten Fällen verschluckt.

Allerdings ist Husten nicht gleich Husten.

Einteilung und mögliche Ursachen:

Der Husten hat vielfältige Erscheinungsformen und reicht von a wie akut über bellend, trocken, schmerzhaft, mit oder ohne Auswurf, ganztägig auftretend oder nur zu bestimmten Tageszeiten, nur nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel bis hin zu z wie zermürbend.

Die Unterscheidung erfolgt entweder:

Nach der Dauer des Hustens (in akut oder chronisch)

  • Akuter Husten: dauert bis zu acht Wochen (unglaublich lange, oder?). Verursacht wird er meist durch Atemwegsinfektionen (Erkältung, Bronchitis etc). Er kann aber auch infolge einer Allergie, nach Verschlucken oder Einatmen eines Fremdkörpers (bei Säuglingen und Kleinkindern nicht selten) oder bei akuten Schadstoffvergiftungen (z.B. Hausbrand) auftreten.
  • Chronischer Husten: hält länger als acht Wochen an. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel Asthma bronchiale, eine chronische Bronchitis, die sog. Mukoviszidose und allen voran: Zigarettenrauch!!!
  • Eine Zwischenform stellt der sog. postinfektiöse Husten dar, der nach einem Infekt anhält und bedingt ist durch eine erhöhte Anfälligkeit der Atemwege gegenüber Anstrengung, kalter Umgebungsluft und anderen Reizen. Meist klingt dieser nach einigen Wochen ab.

Oder

Nach der Menge des abgehusteten Sekretes/Auswurfes (in trocken (= ohne Auswurf ) oder feucht (= mit Auswurf)

  • Trockener Husten: tritt meist zu Beginn eines Infektes oder einer akuten Bronchitis, beim Einatmen von Reizgasen, Staub und anderen Fremdkörpern auf. Auch der Pseudokrupp-Husten ist meist trocken, jedoch charakteristischerweise bellend (dazu gibt es bald einen gesonderten Beitrag). Zu den Hauptursachen von chronischem trockenem Husten gehören: chronischer Schnupfen bzw. chronische Nasennebenhöhlenentzündung (diese tritt eher bei älteren Kindern auf), die sog. Refluxkrankheit (häufig bei Säuglingen) und Asthma bronchiale.
  • Feuchter Husten: tritt z.B. im Rahmen einer Lungenentzündung oder chronischen Bronchitis auf. Ist der Auswurf aus den unteren Atemwegen gelblich-grün kann dies ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion sein.
  • Es gibt auch den sog. Bluthusten; dieser ist im Kindesalter jedoch zum Glück sehr selten.

 

Wie ihr sehen könnt, gibt es eine ganze Reihe von Erkrankungen, die mit Husten einhergehen können. Neben den bereits erwähnten Ursachen, möchte ich noch hinzufügen, dass bei nicht (oder nicht vollständig) geimpften Kindern auch die eigentlich selten gewordenen Kinderkrankheiten, wie z.B. Diphtherie oder Keuchhusten in Frage kommen können. Auch können bestimmte Medikamente als Nebenwirkung Husten verursachen. Wie bei den meisten Dingen in der Medizin gilt jedoch auch beim Thema Husten der Satz: „Häufiges ist häufig und Seltenes ist selten“. Das heißt, in den allermeisten Fällen ist die Ursache von Husten bei Kindern ein banaler Erkältungsinfekt.

 

Husten Kranker Frosch

 

Husten – Diagnose:

Um diese Diagnose stellen zu können, muß man wahrlich nicht Medizin studiert haben. Warum sollte man also zum Arzt gehen? Damit dieser das Kind abhören kann! Im besten Fall wird er ein normales Atemgeräusch hören und ein Kind in gutem Allgemeinzustand sehen. In diesem Fall wird er euch vermutlich mit den Worten: „Machen Sie sich keine Sorgen, das wird schon wieder. Sonst kommen sie in drei Tagen wieder“, verabschieden. Meist ist dies also ein gutes Zeichen!

Die Aussicht auf einen erneuten Kinderarztbesuch (wo man sich das Wartezimmer mit anderen schniefend-hustenden und womöglich windpockenden Kindern teilt) versetzt nur wenige Eltern in Jubelstimmung. Das weiß Euer Kinderarzt. Er weiß auch, dass in den meisten Fällen keine weitere Konsultation notwendig sein wird. Ihm geht es vor allem darum, die wirklich schwerwiegenden und bedrohlichen Erkrankungen, die bei Kindern mit Husten einhergehen können, auszuschließen. Wenn kein Anlass zur Sorge besteht, wird er euch lediglich (wenn überhaupt) ein Medikament mitgeben, das die Symptome des Erkältungsinfektes lindert.

Warum das Abhören so wichtig ist:

Sollten beim Abhören auffällige Atemgeräusche zu hören sein, wird er dabei meist schon eine Unterscheidung zwischen trockenem und feuchten Husten stellen können. Abhängig von diesem Befund und der Frage, ob es sich um einen akuten oder chronische Husten handelt, wird er ggf. eine weiterführende Diagnostik veranlassen (z.B. Röntgen der Lunge, Allergietest etc). Auch ist bei der Untersuchung das Vorhandensein von weiteren Begleitsymptomen, wie z.B. Hautausschlag, Schmerzen, Aussehen und Menge des Auswurfs, nächtliche Mundatmung uvm. eine wichtige Information für die Diagnosestellung.

 

Husten – Therapie:

Husten ist ein Schutzmechanismus des Körpers und sollte deswegen (möglichst) nicht medikamentös unterdrückt werden.

Hustenblocker / Antitussiva:

In Ausnahmefällen, wenn der Husten trocken und quälend ist oder den nächtlichen Schlaf über einen längeren Zeitraum behindert, können nach Absprache mit dem Kinder- und Jugendarzt Medikamente gegeben werden, die den Husten unterdrücken (Hustenblocker = Antitussiva). Diese Medikamente enthalten jedoch Inhaltsstoffe, die zur Gruppe der Opiate gehören. Diese sollten bei Kindern unter 6 Monaten und bei Husten mit Auswurf (hier würden sie kontraproduktiv wirken und zu einem Sekretstau führen) nicht angewendet werden. Wendet diese Mittel also nicht ohne Rücksprache mit dem Kinderarzt an.

Inhalationen mit speziellen Medikamenten:

Sollte euer Kind an einer obstruktiven Bronchitis oder Asthma leiden, wird es vermutlich mit verschiedenen (antiobstruktiven und evtl. entzündungshemmenden) Medikamenten inhalieren müssen. Keine Angst davor! In der richtigen Dosis sind sie ein hilfreiches Muss.

Nasentropfen:

Bei einer verstopften Nase sollten abschwellende Nasentropfen gegeben werden, damit das Kind nicht durch den Mund einatmen muss. Die Mundatmung würde ansonsten zu einer Austrocknung der Mundschleimhaut und damit zu einer Verstärkung des Hustenreizes führen.

Bestes Hustenmittel:

Viel trinken!!! So simpel, aber tatsächlich sehr wirksam. Auf diese Weise kann der zähe Schleim verflüssigt und besser abgehustet werden. Ausserdem ist der Flüssigkeitsbedarf des Körpers bei Infekten, die mit Husten und Fieber einhergehen, erhöht. Dafür bietet ihr eurem Kind am besten warme Getränke, wie z.B. Tee an. Gut geeignet sind dabei Tees aus Heilpflanzen, z.B. Kamille, Spitzwegerich, Eibischwurzel oder Thymiankraut. Ihr selbst macht euch vielleicht einen starken Kaffee, denn wer weiß, wie die Nacht wird 😉

Anfeuchten der Atemluft:

Auch das Anfeuchten der Raumluft (feuchte Tücher oder eine Schale mit Kochsalz-Lösung auf der Heizung) kann hilfreich sein, da Viren trockene Luft bevorzugen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Temperatur im Schlafzimmer des Kindes nachts nicht zu hoch eingestellt sein sollte (idealerweise: 18°C). Spaziergänge an der frischen Luft können ebenfalls hilfreich sein.

Inhalationen mit Kochsalz / Sole:

Natürlich können auch feuchte Inhalationen die Atemwege anfeuchten und damit das Andocken und die Vermehrung der Viren an der Schleimhaut erschweren. Einen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirksamkeit gibt es allerdings (wie bei vielen anderen Mitteln (s.u.) leider nicht. Von Inhalationen über einem heissen Dampfbad würde ich persönlich wegen der hohen Verbrühungsgefahr abraten.

Gegen Kochsalz-oder Meerwasser-Inhalationen über einen Druckluftvernebler (dessen Kammern regelmässig gereinigt und desinfiziert werden) gibt es aus meiner Sicht jedoch keine „echten“ Einwände. Sie sind allerdings zeitintensiv (ca 10-15 Minuten pro Inhalation) und kosten Geld. Natürlich kann man auch den Arzt bitten, sie zu verschreiben oder eine Leihgerät in der Apotheke bestellen. Da die Wirksamkeit der Feuchtinhalationen, wie bereits erwähnt, nicht erwiesen ist, wird sich der Kinderarzt mit der Verschreibung evtl. schwertun. Mittlerweile gibt es jedoch auch gute Geräte, die unter 60,-€ kosten und deren Investition sich spätestens beim zweiten oder dritten Kind bezahlt macht. Zumindest finde ich persönlich diese Variante „lohnender“ als teure Hustensäfte, die ausser eventuellen Durchfall keinen Effekt haben. Ich persönlich habe uns vor einigen Jahren dieses Gerät hier Anzeige gekauft und bisher gute Erfahrungen damit gemacht.

bewährte und günstige Hausmittel:

  • Brustwickel:

Warme Brustwickel, z.B. mit Quark, können hilfreich und hustenlindernd sein. Wenn das Kind älter ist und zusätzlich fiebert, sollte man evtl. eher auf Wadenwickel setzen.

  • Zwiebelsäckchen:

Die Zwiebel ist ein wahres allround-Talent und wirkt nicht nur entzündungshemmend und antibakteriell, sondern auch noch krampf- und schleimlösend. Dazu könnt ihr ein angefeuchtetes Küchenhandtuch in der Mitte mit kleingeschnittenen Zwiebelstückchen füllen, zusammenbinden und im Kinderzimmer aufstellen oder aufhängen (nicht zu nah am Kind). Die ätherischen Öle der Zwiebel riecht man jedoch noch Tage später.  🙂

  • Hustensäfte, selbst gemacht:

Auch ein selbst angesetzter Hustensaft aus Zwiebeln und Zucker o.ä. kann helfen. Wichtig jedoch: bei Babys bitte keinen Honig benutzen (siehe auch weiter unten). Ausser der vielleicht hohen Zuckerkonzentration wird man damit, zumindest bei älteren Kindern, nichts falsch machen können.

  • Honig: nicht bei Babys! Bei Kleinkindern über einem Jahr durchaus wirksam:

Ein Teelöffel Honig kann bei älteren Kindern hustenlindernd wirken. Achtet jedoch auf eine entsprechende Zahnhygiene, vor allem bei wiederholtem nächtlichen Gebrauch.

Ganz viele Liebe und Zuwendung sind, wie immer, sehr gute und hilfreiche therapeutische Mittel.

Vorsorge:

Gesunde Abwehrkräfte, die ihr durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und genügend Bewegung an der frischen Luft erreichen könnt, sind die beste Vorsorge gegen Husten im Speziellen und Infekte im Allgemeinen. Ein ausreichender und kompletter Impfschutz ist als Vorsorge ebenso wichtig. Ob eine vorbeugende Grippeschutzimpfung für Euer Kind sinnvoll ist, kann der behandelnde Kinder- und Jugendarzt beurteilen.

 

Alternative Therapiemöglichkeiten

Zur Anwendung von pflanzlichen Mitteln bei Husten habe ich unter den Therapieoptionen geschrieben. Mit weiteren alternativen Therapien und homöopathischen Mitteln kenne ich mich nicht gut aus, daher überlasse ich die Empfehlungen auf diesem Gebiet lieber Anderen.

Was mir in diesem Zusammenhang, wie immer, sehr wichtig ist: hinterfragt als Eltern bitte immer auch die Qualifikation des behandelnden Therapeuten. Denn es geht nicht primär darum, ein Mittel gegen den Husten oder das Fieber zu bekommen, sondern vielmehr darum, schwerwiegende Erkrankungen, die dahinter stecken könnten, zu erkennen und auszuschließen. Wenn dies gewährleistet ist, dann können sich Schulmedizin und Naturheilverfahren im Optimalfall gut ergänzen.

 

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Gerade der kindliche Körper ist ein ganz besonderes Wunderwerk der Natur. Es ist nicht nur jedes Kind ein Wunder an sich. Kinder sind im Allgemeinen und im Speziellen etwas ganz Besonderes. Sie sind eben nicht „kleine Erwachsene“, sondern sie können eine Vielzahl von spezifischen Krankheitsbildern haben, die nur im Kindesalter vorkommen und eine spezielle Diagnostik und Therapie erfordern.

Die Behandlung Eurer Kinder solltet ihr daher immer in gut ausgebildetet und erfahrene Hände legen.

 

Mittel, die ihr NICHT geben solltet:

Zur Linderung des Hustens „geistern“ (nicht nur zu Halloween) im Netz und auf diversen Foren zahlreiche Tipps und Ratschläge rum. Nicht alle davon werden auch von Medizinern empfohlen! Und von einigen raten Mediziner sogar ausdrücklich ab. So z.B.:

  • Säuglinge und Kleinkinder dürfen keine Medikamente bekommen, die Pfefferminzöl, Eukalyptusöl, Menthol oder Kampfer enthalten. Weder innerlich noch äußerlich. Bei Kindern unter drei Jahren können Erkältungsmittel mit ätherischen Ölen zu starken Atembeschwerden und sogar Erstickungsanfällen führen. Das heißt, diese Erkältungsmittel können bei Kindern mit Husten nicht nur zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen, sondern unter Umständen sogar lebensbedrohlich sein!
  • Säuglinge dürfen keine Getränke mit Honig bekommen! Honig kann bei Kindern unter einem Jahr zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung (Säuglingsbotulismus) führen!

 

Generell gilt bei Husten:

  • bei Husten mit akuter Atemnot solltet ihr sofort den Notarzt rufen!
  • Husten, der mit anhaltend hohem Fieber einhergeht und zu einer Abgeschlagenheit des Kindes führt, sollte frühzeitig abgeklärt werden.
  • Husten, der mehr als eine Wochen dauert und bei dem es keine hustenfreien Tage gibt, sollte vom Kinder- und Jugendarzt abgeklärt werden.
  • Tritt bei Kleinkindern plötzlich und unvermittelt ein starker Hustenreiz auf, muss an das „Verschlucken“ eines Fremdkörpers gedacht werden und das Kind sofort bei einem Kinder- und Jugendarzt oder in einer Kinderklinik vorgestellt werden.
  • Bei Kleinkindern und Kindern, die in einem Raucherhaushalt aufwachsen sowie bei abwehrgeschwächten Patienten (Frühgeborene, Patienten mit einer bösartigen oder chronischen Erkrankung) ist das Risiko für eine Lungenentzündung erhöht. Tritt Husten mit Fieber und ggf. einer Kurzatmigkeit auf, dann sollte an eine Lungenentzündung gedacht werden.
  • Bei Schulkindern, die zunächst eine harmlos erscheinende Erkältung mit Fieber hatten und anschliessend unter hartnäckigen Hustenattacken leiden, sollte eine sog. eine atypische Lungenentzündung beim Kinder- und Jugendarzt ausgeschlossen werden.
  • Eventuell angewendete Husten-oder Hausmittel müssen für Kinder geeignet sein (siehe oben) und entsprechend dosiert werden.
  • In den Hustenmitteln sollte kein Alkohol enthalten sein.
  • auf dem Markt gibt es zahlreiche Mittel, die die vom Husten gereizten Atemwege beruhigen sollen: Hustensäfte, Sirups, Lutschpastillen, Hustenbonbons, Gurgellösungen uvm. Die Wirksamkeit von diesen „Hilfsmitteln“ ist bisher wissenschaftlich nicht belegt.

 

Was ist grundsätzlich über die Therapie zu sagen:

Die Ursache des Hustens beseitigen die meisten Medikamente und Hustenmittel nicht, da es gegen die verursachenden Viren keine spezifische Therapie gibt. In der Regel bekommt der Körper den Infekt durch seine eigenen Abwehrmaßnahmen in den Griff. Dieser Vorgang braucht allerdings Zeit. Der lapidare (aber wie so oft wahre) Spruch: „Ohne einen Arzt dauert eine Erkältung 2 Wochen, mit Arzt 14 Tage“ zeigt, dass der Arzt auf diesen Prozess meist keinen wesentlichen Einfluss hat. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, die wirklich schweren und besorgniserregenden Erkrankungen zu erkennen oder ausschliessen bzw. falls erforderlich eine weiterführende Diagnostik und Therapie veranlassen. Das Schwierigste bei solchen Infekten ist es also, Geduld zu haben, um dem Körper die Zeit für eine vollständige Abheilung zu geben.

Wichtig ist es jedoch: bei anhaltendem Husten /Fieber / zu geringer Flüssigkeitsaufnahme /schlechtem Allgemeinzustand des Kindes, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen, damit dieser das Kind untersuchen kann! Dabei geht es vor allem um die Frage, ob es sich tatsächlich nur um einen banalen Virusinfekt, oder möglicherweise um eine bakterielle Infektion als Ursache des Infektes handelt. Diese Unterscheidung ist nicht immer leicht zu treffen und gehört unbedingt in die Hände von Fachleuten.

 

Wie sieht es bei Euch aus? Kennt ihr den Quäl-Geist Husten auch und wie behandelt ihr ihn?

Über Eure Rückmeldungen oder eigenen Erfahrungen freue ich mich in den Kommentaren.

 

Bleibt gesund und munter und kommt gut durch die Infektzeit,

Eure

Snježi

 

* Fotos © LoggaWiggler /steinchen-pixabay.comHusten die-kinderherztin berät

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8 Comments

  1. Cina
    1 Monat ago

    Hallo 😊
    ein toller Beitrag! Das meiste kannte ich schon und beim dritten glaubt man dann auch, das es wirklich kein Medikament gibt,das wirklich hilft 😉.

    Wir inhalieren in solchen Zeiten gerne mit Kochsalz. Ausserdem werden auch Zwiebeln in Ringe geschnitten und mit braunem Zucker überstreut. Der Saft,der daraus entsteht, wird wird dann dreimal täglich eingenommen. Scheint auch etwas zu bringen.
    Bei Hustenanfällen in der Nacht bekommt unser großer (6Jahre) ein Löffel Honig!

    Könntest du vielleicht die Quarkwickel nochmal genauer erklären?

    Liebe Grüße

    Reply
    1. die Kinderherztin
      1 Monat ago

      Liebe Cina,
      vielen lieben Dank für Deine Rückmeldung. Das Thema Hustensaft aus Zwiebeln ist, ebenso wie der Honig bei älteren Kindern, versehentlich aus meinem Beitrag „weg-gegeistert“. Nun habe ich es, Dank Deines Kommentars, entdeckt und wieder hinzugefügt. Das sind in der Tat zwei wichtige Tipps. In einer Studie hat sich Honig bei älteren Kindern tatsächlich als hilfreich erwiesen. Ach so: zum Thema Quarkwickel: Quark auf Körpertemperatur erwärmen (z.B. kurz auf der Heizung) und dann auf ein Küchenhandtuch auftragen (Menge: soviel, wie Du für die Brustfläche Deines Kindes brauchst). Das ganze mit einem Handtuch oder Baumwollhemd bedecken und auf die Brust des Kindes legen. Solange drauf lassen, wie es dem Kind gefällt oder bis der Quark trocken geworden ist. Manche benutzen dafür z.B. auch Schweineschmalz, weil es die Wärme länger hält. Ich persönlich finde Quark etwas „eleganter“.
      Liebe Grüße und bleib gesund.
      Snjezi

      Reply
  2. Lady Susan T.
    1 Monat ago

    Hallo liebe Snjezi!
    Das war ja mal ein sehr ausführlicher Exkurs! Und sehr informativ für mich. Denn ich bin so eine Bellhustengeplagte von Kindesbeinen an.
    Das mit der Luftfeuchtigkeit war mir neu, bestärkt mich allerdings darin uns ein oder zwei solcher Luftbefeuchter anzuschaffen. Besonders da seit 2 Jahren eine Erkältung immer auf meine Stimmbänder geht und ich somit meist 2-3 Wochen K bin….. obwohl ja alles andere schon weg ist.
    Danke für die vielenTipps!
    LG Sanne

    Reply
    1. die Kinderherztin
      1 Monat ago

      Liebe Sanne,
      vielen lieben Dank für Deine liebe Rückmeldung. Prinzipiell hätte ich diesen langen Text auch auf Husten – Viren – keine spezifische, nachgewiesene Therapie kürzen können. Aber mir persönlich ist es wichtig, dass Eltern und Patienten wissen, warum etwas ist, wie es ist und dass der Arzt, auch wenn er kein Allheilmittel verschreibt (was es in diesem Zusammenhang auch nicht gibt), viele Dinge bereits im Rahmen der körperlichen Untersuchung abklärt.
      Ein Tipp nur noch am Rande (leider auch eine „Spaßbremse“): Raumbefeuchter können ganz schöne Keimschleudern sein. Feuchte Tücher, die man regelmässig auswechselt oder eine Schale, finde ich persönlich besser (und günstiger sind sie auch).
      Viele liebe Grüße
      Snjezi

      Reply
  3. Lady Susan T.
    1 Monat ago

    Hallo liebe Snjezie!
    Da ich vor kurzem einen Bericht gesehen habe bei dem mit Tüchern und auch diesen Wassergefässen an den Heizkörpern keine Luftbefeuchtung erreicht werden konnte habe ich über solche Geräte nachgedacht, doch ne Keimschleuder will ich nicht….. Dann werde ich wohl mal wieder kurz vor dem schlafengehen die Gardine waschen und feucht aufhängen evtl. hilft das ja…..
    Nicht einfach, das mit der Luftfeuchtigkeit. Wir wohnen in so einer Niedrigenergiewohnung und hier ist tatsächlich sehr trockene Luft….. auch regelmässiges Lüften hilft nicht. Aber da ich nicht Frau Hygiene pur bin wird wohl die Gardine herhalten müssen, die für mich sauberste und einfachste Lösung…..
    LG Sanne
    PS und danke für die vielen Tipps.

    Reply
    1. die Kinderherztin
      1 Monat ago

      Hallo liebe Sanne,
      die Raumluft vernünftig und effektiv anzufeuchten, ist in der Tat nicht so einfach. Vor allem dann, wenn es, wie in Deinem Fall, über einen längeren Zeitraum notwendig ist. Die Variante mit den Gardinen ist zwar eine sehr gute Idee, aber sicherlich auch keine Dauerlösung. Ich drücke fest die Daumen, dass Du eine gute Lösung findest.
      Liebe Grüße
      Snjezie

      Reply
  4. Limage
    1 Monat ago

    Vielen Dank für die vielen Tipps! Meine Kinder stehen auch total auf den Zwiebeltee, ich mach richtig ordentlich Honig rein und Fülle dann mit dem Saft ihrer Wahl auf- das trinken die sehr gern!! Und es hilft beim Abhusten.
    Über Nacht ziehe ich ihnen auch gerne nen Bienenwachs-Wickel an. Der wärmt auf der Brust und kann die ganze Nacht drauf bleiben. Ich hatte den Eindruck, dass sie damit ruhiger schlafen können. Und Schlaf ist ja bekanntlich die beste Medizin bei Infekten. 😉

    Reply
    1. die Kinderherztin
      1 Monat ago

      Vielen lieben Dank für Deine nette Rückmeldung. Zwiebeltee mit Honig (ausser bei Säuglingen) finde ich auch eine tolle Idee. Und Bienenwachswickel auch, da sie die Wärme sicher gut speichern und angenehm beruhigend sind. Vielleicht könntest Du noch schreiben, wo Du gutes Bienewachs herbekommst? Nur für den Fall, dass einige der Leser keinen Imker des Vertrauens in der Nähe haben 😉 Und ja: Schlaf ist die beste Medizin!
      Viele liebe Grüße
      Snjezi

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