Brandverletzungen beim Kind

Brandverletzungen kommen im Kindesalter häufig vor.

Gerade im sog. „Entdeckungsalter“, wenn also Kinder zunehmend mobil werden und anfangen, ihre Umwelt eigenständig zu erkunden, stellen Brandverletzungen durch Kontakt der Haut mit heißen Gegenständen oder Flüssigkeiten einen typischen und häufigen Unfallschwerpunkt dar. Während sich im Kleinkindalter die Unfälle -meist Verbrühungen- im häuslichen Umfeld ereignen, sind es bei älteren Kindern/Jugendlichen oftmals Verbrennungen durch Unfälle im Freizeitbereich (Flamme, Feuerwerkskörper).

Auch wenn es in vielen Fällen glücklicherweise oberflächliche und somit leichtere Verletzungen der Haut sind, können Brandverletzungen auch zu schwersten Verletzungen führen, die mit langen Krankenhausaufenthalten und schmerzhaften Prozeduren einhergehen und die Lebensqualität der betroffenen Kinder und Familien meist lebenslang beeinträchtigen. Umso wichtiger ist daher die Prävention. Denn schon durch einfache Maßnahmen lässt sich das Unfallrisiko deutlich reduzieren.

Welches die typischen Gefahrenquellen sind und wie ihr das Verletzungsrisiko mit einfachen Maßnahmen reduzieren könnt, erfahrt ihr im heutigen Beitrag.

Verbrennung = Verletzung der Haut durch offene Flammen, UV-Strahlung, heiße Gegenstände

Verbrühung = Verletzung der Haut durch heiße Flüssigkeiten, Dämpfe oder Gase

Zusammen mit Erfrierungen gehören Verbrennungen und Verbrühungen zu den sog. thermischen Verletzungen, die aufgrund von Hitze- oder Kälteeinwirkung entstehen und zu Gewebeschäden der Haut führen. Bei allen Formen ist das Ausmaß der Verletzung abhängig von der Art und Dauer der thermischen Einwirkung. So kann bspw. die Temperatur einer offenen Flamme bis zu 1200° C betragen und in Abhängigkeit der Einwirkdauer zu schwer/sten Verletzungen führen.

 

Häufigkeit:

Brandverletzungen ereignen sich häufig im häuslichen / privaten Umfeld des Kindes und machen bei Kindern unter fünf Jahren etwa 3/4 aller Unfälle aus.

 

Verbrennung:

Typische Gefahrenquellen

Herd, Backofen, Kamin-/Ofen, Grill, Bügeleisen, Kerzen, Kochgeschirr

 

Verbrühung:

Typische Gefahrenquellen

Heißgetränke, Wasserkocher, heißes Fett / Flüssigkeiten in Pfannen und Töpfen, Wasserhahn, Badewanne.

Heiße Flüssigkeiten schädigen bereits ab 52° C die Haut.

 

Saisonale Unfallschwerpunkte:

Während im Haushalt, vor allem in der Küche, über das ganze Jahr hinweg diverse Gefahrenquellen für thermische Verletzungen „lauern“, gibt es auch solche, die saisonal gehäuft auftreten. So sind es im Sommer-/Winterurlaub vor allem Sonnenschäden der Haut, die nicht nur mit akuten Schmerzen für das Kind einhergehen, sondern langfristig auch das Hautkrebsrisiko erhöhen. Mehr zum Thema Sonnenschutz erfahrt ihr am Ende dieses Beitrages, siehe hier. Auch die offene Flamme beim Grillen oder der Feuerschale sind häufige Gefahrenquellen im Sommer.

In der Vor-/Weihnachtszeit stellen brennende Kerzen sowie Kamin-/Öfen und Heißgetränke typische Unfallgefahren dar. Und zu Silvester sind es vor allem Feuerwerkskörper, die zu schweren Verletzungen führen können.

 

Die Haut

Die Haut ist nicht nur unser größtes Organ, welches Außenreize wahrnimmt und unseren Körper gegenüber der Außenwelt abgrenzt. Sondern sie erfüllt außerdem auch eine Vielzahl unterschiedlicher Schutzfunktionen. So schützt sie unseren Körper zB gegenüber thermischen Einflüssen, wie zB Kälte, Hitze oder schädigender UV-Strahlung. Auch als Schutzbarriere gegenüber Infektionserregern hat sie eine wichtige Funktion. Sie reguliert außerdem unsere Körpertemperatur, speichert Wasser und wichtige Hautlipide, produziert Vitamin D und vor allem ist sie ein ganz wichtiges Sinnesorgan. Sie verfügt nämlich über eine Vielzahl verschiedener Rezeptoren und Nervenendigungen, mit denen sie Druck-, Berührungs-, Temperatur- und Schmerzreize aufnimmt.

Verbrennungsgrade

Üblicherweise werden Hautschäden durch thermische Verletzungen (Verbrennungen, Verbrühungen, Erfrierungen sowie Schäden durch Verätzungen mit Säuren und Laugen) in sog. Verbrennungsgrade eingeteilt:

Grad I: Oberflächliche Schädigung der Haut (Oberhaut) mit Rötung und Schmerzen, jedoch ohne Blasenbildung. Die Heilung erfolgt spontan und ohne Narbenbildung.

Grad II: Schädigung betrifft Oberhaut und Schichten der Lederhaut. Symptome: Rötung, Schmerzen UND Blasenbildung.

Diese Gruppe wird weiter unterteilt in Grad II a und b, die sich hinsichtlich der Tiefe der Verletzung und der operativen Behandlungsnotwendigkeit unterscheiden.

Grad III: Tiefreichende Wunde, die die gesamte Hautschicht betrifft und bei der zur Entfernung der verbrannten Hautschichten stets eine Operation erforderlich ist.

Da die Symptome einer Brandverletzung anfangs nicht immer eindeutig sind bzw sich langsam im Verlauf entwickeln können, ist die Einschätzung über das tatsächliche Ausmaß und die Einteilung in die entsprechenden Verbrennungsgrade nicht immer leicht. Im Zweifel sollte daher stets eine ärztliche Abklärung und bei schweren/großflächigen Verbrennungen die Behandlung in einer spezialisierte Fachklinik erfolgen.

Betroffene Hautfläche:

Neben der Tiefe der Gewebeschädigung spielt bei der Beurteilung einer thermischen Verletzung der prozentuale Anteil der geschädigten Hautfläche eine wichtige Rolle. Hierbei wird mit Hilfe der sog. „Neuner“-Regel nach Wallace das Ausmaß der Verbrennung/Verbrühung geschätzt und in Prozent der Körperoberfläche (KOF) angegeben.

Dabei gelten bei Erwachsenen zur orientierenden Beurteilung folgende Werte: Verbrennungen des Kopfes und des Halses 9%, der Arme je 9%, der Vorder- und Rückseite des Rumpfes je 2-mal 9%, des Genitale 1% und Beine mit je 2 mal 9%.

Bei Kindern gelten wegen der unterschiedlichen Körperproportionen andere Werte: Kopf und Hals 16%, Arme je 9%, Vorder- und Rückseite des Rumpfes je 16%, Beine je 17%. Mehr dazu findet ihr auch hier oder hier.

Merkhilfe: Die Handfläche des Betroffenen (mit den Fingern) entspricht 1% seiner Körperoberfläche.

Die Einschätzung der betroffenen Körperoberfläche ist wichtig, da bei Kleinkindern bereits Verbrennungen, die 8% der KOF betreffen, lebensgefährlich sein können.

Unfallprävention:

Mit oft schon wenigen und nicht sehr aufwändigen Maßnahmen lässt sich das Unfallrisiko für Brandverletzungen deutlich reduzieren.

  • Rauchmelder warnen euch und euer Kind im Falle eines Hausbrandes vor lebensgefährlichen Brandgasen
  • Sprecht möglichst frühzeitig mit eurem Kind über die Gefahren von Feuer und gebt klare Anweisungen, was sie im Falle eines Brandes tun sollten (Fluchtweg/Hilfe holen)
  • Lasst eure Kinder nie ohne Aufsicht in die Nähe eines Feuers oder einer offenen Flamme
  • Sichert den Herd, Kamin, Back-/Ofen mit einem entsprechenden Schutzgitter
  • Deponiert Streichhölzer und Feuerzeuge außerhalb der Reichweite eures Kindes
  • Eingeschaltete elektronische Geräte (Bügeleisen oä) sollten nicht in der Nähe des Kindes stehen; auch beim Abkühlen sollten sie sicher abgestellt/außerhalb der kindlichen Reichweite sein
  • Auch Kabel von Geräten, vor allem von Wasserkochern, sollten für das Kind nicht greifbar sein
  • Dreht beim Kochen / Braten die Griffe von Pfannen und Kochtöpfen nach hinten und/oder nutzt die hinteren Kochfelder (damit die Griffe nicht von unten greifbar sind)
  • Verzichtet bei Decken des Mittags- oder Kaffee-Tisches auf Tischdecken
  • Keine Heizdecken oder Wärmflaschen ins Bett des Kindes legen
  • Kontrolliert beim Waschen/Baden des Kindes die Temperatur am Wasserhahn; stellt die Armaturen, wenn möglich, so ein, dass Kinder sie nicht selbständig auf heiß drehen können

Stellt euer Heißgetränk sicher ab und trinkt es nicht, wenn ihr euer Kind auf dem Arm oder Schoß habt. Kinder greifen aus Neugier, meist sehr schnell und unkontrolliert, nach der Tasse und können sich dabei schwere Verletzungen zuziehen. Der Inhalt einer Tasse Kaffee oder Tee reicht aus!

 

Was tun im Falle einer thermischen Verletzung:

-Ruhe bewahren

-Ausmaß der Verletzung einschätzen

-Keine Brandsalben oder Hausmittel verwenden!

-Bei Verbrennungen: Mit der Haut verklebte/eingebrannte Kleidungsstücke nicht mit Gewalt entfernen

-Bei Verbrühungen: Nasse Kleidungsstücke sofort ausziehen / bei Kindern, die eine Windel tragen, auch diese entfernen bzw kontrollieren (heiße Flüssigkeit kann hier eingesogen worden sein und weiteren Schaden an der Haut verursachen)

  • Kühlung:
  • Bei Kind > 1 Jahr und kleinflächigen Verletzungen: Betroffenes Hautareal direkt nach dem Unfall für 15-20 Minuten mit handwarmem Wasser kühlen. Wunde anschließend mit sauberem Tuch/Wundauflage bedecken
  • Keine Kühlung:
  • Bei Kindern < 1 Jahr sowie großflächigen Verletzungen (betroffene Körperoberfläche > 15%); ansonsten Gefahr der Unterkühlung

-In Abhängigkeit von der Verletzungsschwere Transport im Rettungswagen in eine Kinderklinik oder eine auf die Behandlung von brandverletzten Kindern spezialisierte Klinik oder ein Schwerbrandverletztenzentrum für Kinder und Jugendliche (Quelle Kinderärzte im Netz, siehe hier)

 

Allgemeine Empfehlung zur Unfallprävention und Erste-Hilfe-Maßnahmen:

Besucht einen Erste-Hilfe-Kurs am Säugling und Kind und/oder frischt euer Wissen mit Hilfe eines Online-Kurses regelmäßig auf.

 

Fazit:

Brandverletzungen kommen bei Kindern häufig vor und gehen nicht nur mit Schmerzen, sondern oftmals auch mit schwerwiegende Verletzungsfolgen einher. Auch jetzt in den kalten Wintermonaten und der anstehenden Adventszeit gibt es viele Gefahrenquellen. Aber: Mit kleinen und nicht sehr aufwändigen Maßnahmen lässt sich das Unfallrisiko deutlich reduzieren.

Denn Vorsorge ist grundsätzlich und allgemein sehr viel besser, als (eine womöglich lebenslange) Nachsorge.

Viele hilfreiche Informationen findet ihr bei der Initiative für brandverletzte Kinder: Paulinchen eV (siehe hier), die auch eine tolle Broschüre dazu veröffentlicht haben hier.

Sämtliche Verlinkungen sind unbeauftragt und unbezahlt und dienen, ebenso wie der Beitrag, lediglich der allgemeinen Information.

Ich wünsche euch und euren Kindern eine magische und vor allem unfallfreie Vor-/Weihnachtszeit.

 

Alles Liebe

eure

Snjezi

 

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1 Comment

  1. Johann
    7 days ago

    Wir passen auch immer sehr auf und hoffen sehr, dass nichts passiert.

    Alles Gute

    Johann

    Reply

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