Drowning: The silent danger

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Nach den anstrengenden und kräftezehrenden Wochen und Monaten der Pandemie und den aktuellen Temperaturen, können die meisten von uns es kaum erwarten, endlich an den nahegelegenen See, das Freibad oder an den Strand zu fahren und die Abkühlung im Wasser zu genießen.

Doch so schön die Vorstellung eines unbeschwerten Tages am Wasser auch sein mag:

 

In diesem Jahr müssen wir ganz besonders achtsam sein!

 

Denn durch den fehlenden Schwimmunterricht in den Schulen und Schwimmbädern, haben wir in der diesjährigen Badesaison unverhältnismäßig viele Nicht-Schwimmer.

Und genau über diesen Punkt müssen wir dringend sprechen/schreiben!

Ich freue mich sehr, dass mir Franzi erneut ihre Reichweite für dieses wichtige Thema zur Verfügung gestellt hat. Danke dafür! Franzi @thefabulousfranzi ist nicht nur DIE Stimme der Pflege und macht u.a. als Gesicht der Pflegepetition des Stern, als Teil der Jury des Queen Silvia Nursing Awards und mit ihrem Buch I`m a nurse auf die Situation der Pflege aufmerksam, sondern unterstützt mich auch immer wieder bei wichtigen Themen, wie z.B. hier beim Thema „PIMS im Kindesalter“. Ich bin so froh, dass es Menschen gibt, wie sie <3

Und auch Elena @dr.med_muellner wird das Thema auf ihrem Account aufgreifen. Auch sie ist eine dieser besonderen Powerfrauen, die das Herz am rechten Fleck hat. Danke auch Dir <3

 

Ertrinken:

Ertrinkungsunfälle sind nicht nur unfassbar dramatisch und enden oftmals tödlich, sondern sie ereignen sich in der Regel still und lautlos. Warum das so ist und was ihr beachten solltet, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

 

Ertrinken, die Fakten:

Ganz ohne Frage: es ist ein schweres und beängstigendes Thema, allerdings kann man aus meiner Sicht nicht oft genug darüber sprechen. Denn die Zahlen machen deutlich, dass wir -immer noch und in diesem Jahr ganz besonders- einen Aufklärungsbedarf haben!

  • Ertrinken ist bei Kleinkindern die häufigste nicht-natürliche Todesursache!
  • Bei Schulkindern sind Ertrinkungsunfälle die zweithäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen!
  • In 50% der Fälle ertrinkt ein Kind, während die Eltern in der Nähe sind
  • in 10% sieht sogar ein Erwachsener hin, erkennt jedoch den Ernst der Lage nicht!
  • Im Jahr 2019 (vor Beginn der Pandemie) ertranken in Deutschland 417 Menschen!
  • Das sind 417 Tote zu viel!
  • 2019 war bei Kindern in ca. ¼ der Unfälle mit Todesfolge Ertrinken die Ursache

 

Ertrinkungsunfälle: Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit reicht aus

In den meisten Fällen ereignen sich Ertrinkungsunfälle in einem kurzen Moment der Ablenkung. Fatal an ihnen ist außerdem, dass diese tragischen Unfälle lautlos passieren: die Kinder gehen „einfach unter“, d.h. man hört es nicht, sondern bekommt diesen Moment nur dann mit, wenn man sein Kind wirklich im Auge hat.

 

Drowning: The silent danger

Denn Kinder (auch Erwachsene) ertrinken in der Regel nicht laut. Sie strampeln nicht, sie rufen nicht um Hilfe, sie gehen meist einfach unter. Und wenn man diesen Moment nicht mitbekommt, kann es sehr schnell zu spät sein. Ich möchte mit diesem Beitrag keine Angst machen. Ich möchte informieren und dadurch eure Antennen für diese lautlose Gefahr sensibilisieren.

Denn gerade in diesem Jahr sollten wir ein ganz besonderes Augenmerk auf alle kleinen und großen Mitmenschen im und am Wasser haben.

 

In diesem Jahr besonders viele Nicht-Schwimmer:

Gut (wirklich gut) schwimmen zu können, ist natürlich eine Grundvoraussetzung, um die Gefahren eines eventuellen Ertrinkungstodes zu minimieren. Daher ist ein regelmäßiger Schwimmunterricht, z.B. in den Schulen auch so wichtig. Pandemie-bedingt fiel er über ein Jahr sowohl in den Schulen als auch in den Schwimmbädern aus, so dass wir in dieser Saison sehr viele Nicht-Schwimmer haben werden.

 

 

Und leider gibt es schon jetzt die ersten Zeitungsartikel über tödliche Badeunfälle.

Erst vor einer Woche erschütterte mich z.B. diese Schlagzeile aus unserer unmittelbaren Umgebung:

Travemünde: Mädchen ertrinkt in der Ostsee

Ein zehnjähriges Mädchen ist am Sonnabend bei einem Badeunfall in Travemünde ums Leben gekommen. Ein Großaufgebot von Rettungskräften fand das Kind nach einer einstündigen Suche (Quelle ln-online).

Ich fürchte, dass dies leider kein Einzelfall bleiben wird.

Und hoffe daher sehr, dass wir mit diesem Beitrag für das Thema sensibilisieren können.

 

Ertrinken: auch gute Schwimmer können in Gefahr geraten

Und auch wenn (Klein-)Kinder besonders gefährdet sind, können auch Erwachsene, nicht selten sogar „gute Schwimmer“, in Gefahr geraten, wenn sie z.B. das Meer falsch einschätzen und evtl. Strömungen nicht kennen bzw. nicht beachten.

Noch ein Grund mehr also, über dieses Thema zu schreiben und möglichst viele Menschen damit zu erreichen.

 

Ertrinken: Potenzielle Helfer, die das Drama nicht erkennen

Das Fatale an den eh schon fatalen Ertrinkungsunfällen ist unter anderem auch die Tatsache, dass oft sogar Menschen in der Nähe sind, die helfen könnten, die jedoch die Gefahr der Situation nicht erkennen bzw. falsch einschätzen. Infolgedessen gehen oft genug wertvolle und lebensrettende Minuten verloren. Die Fehleinschätzung ist tatsächlich ein recht häufiges Phänomen, das daher kommt, dass das Ertrinken (auch bei Erwachsenen) meist leise und „unscheinbar“ abläuft. Warum das so ist, möchte ich euch im Folgenden erklären:

 

Ertrinken: Der Grund für die Stille eines Ertrinkenden

Der Grund für die Stille bei Ertrinkungsunfällen sind die Überlebensinstinkte des menschlichen Körpers, die in einer solchen Notfallsituation ablaufen. Taucht ein Mensch unfreiwillig in kaltes Wasser ein (und dabei bedeutet kalt: alles, was unterhalb der Körpertemperatur von 37 °C liegt), so kommt es in der Folge zu mehreren, parallel ablaufenden Reaktionen im Körper.

Diese Reaktionen betreffen nicht nur die Atmung, sondern auch das Kreislaufsystem, die Muskulatur und das Nervensystem. Je höher der Temperaturunterschied zwischen Körper- und Wassertemperatur ist und je mehr Hautfläche in Kontakt mit dem kalten Wasser gekommen ist, umso ausgeprägter ist die Körperreaktion. In der Folge dieser Reaktionen kommt es letztendlich zu einer Bewusstlosigkeit mit Herzstillstand, zum Einatmen von Wasser (=Aspiration) und infolge des Sauerstoffmangels zum Tode. Mehr dazu erfahrt ihr auch in diesem Beitrag (siehe hier).

 

Ertrinken: Keine Kraft für Hilferufe!

Während eines Ertrinkungsunfalles ist der Mensch nicht mehr in der Lage den gleichzeitigen Ablauf von Schwimm- und Atembewegungen zu steuern. Der Körper erzwingt ein Schwimmversagen, in dem es nur noch darum geht, Luft zu holen und eingeatmetes Wasser abzuhusten. Ertrinkenden fehlt in einer solchen Situation schlichtweg die Kraft für Hilferufe oder das Herbeiwinken von potenziellen Helfern.

 

 

Ertrinken: Was kann ich tun, wenn ich unsicher bin, ob ein Mensch im Wasser in Gefahr ist?

Sprecht den- oder diejenige an und fragt, ob alles in Ordnung ist. Kann die Person antworten, ist (zunächst) alles okay. Behaltet sie dennoch im Auge. Bekommt ihr keine Antwort, dann eilt zur Hilfe oder fordert schnellstmöglich Hilfe an. Einen Ertrinkenden erkennt ihr außerdem daran, dass er sehr tief im Wasser liegt bzw. aussieht, als würde er aufrecht im Wasser stehen und Wassertreten. Der Blick ist meist glasig und die Atmung beschleunigt. Wenn ihr eines der Anzeichen sehen solltet, dann handelt bitte schnell. Vergesst dabei aber auf keinen Fall, auf eure eigene Sicherheit zu achten. Denn nur ein sicherer / gesicherter Retter ist auch ein erfolgreicher Retter!

 

Besonderheiten zu Ertrinkungsunfällen bei (Klein-)Kindern:

Bei (Klein-)Kindern gibt es einige Besonderheiten, die dazu führen, dass sie besonders gefährdet sind. Durch den verhältnismäßig großen Kopf haben sie einen anderen Körperschwerpunkt. Geraten sie beim Hinfallen mit dem Gesicht ins Wasser, so sind sie nicht in der Lage, die Beine unter den Körper zu ziehen und aus eigener Kraft aufzustehen. Ertrinken ist bei ihnen somit auch in einer sehr geringen Wassertiefe möglich!

Außerdem führt der Kontakt des Gesichtes mit kaltem Wasser zum sog. Eintauchreflex (reflektorischer Atemstillstand mit Stimmritzenkrampf). Dies kann zum sog. „trockenen Ertrinken“ führen. Kinder ertrinken somit im eigentlichen Sinne nicht, sie ersticken vielmehr. Im Gegensatz dazu kommt es beim „feuchten Ertrinken“ zu einem Ersticken infolge der Einatmung von Wasser (= Aspiration); in diesem Fall wäre die Lunge (z.B. bei einer anschließenden Obduktion feucht; während sie es beim trockenen Ertrinken nicht wäre).

Jedes Jahr sterben auf diese Weise Kinder in Gartenteichen, kleinen Bächen und Regentonnen. In tieferen Gewässern gehen Kinder Erfahrungsberichten zufolge einfach unter. Sie versinken im wahrsten Sinne des Wortes, wie ein Stein im Wasser und kommen von alleine nicht wieder hoch.

 

Ertrinken: Vorbeugende Maßnahmen

Beachtet grundsätzlich die allgemeinen Baderegeln und auch die Hinweisschilder am Meer oder anderen Gewässern. Gerade bei starken Unterwasserströmungen im Meer kann eine Nichtbeachtung lebensgefährlich sein.

Sichert gerade mit Kleinkindern alle Wasserstellen (auch die unscheinbaren) in eurer Umgebung peinlich genau ab und behaltet eure Kinder stets im Auge! Stets bedeutet lückenlos.

Eure Kinder sollten frühzeitig schwimmen lernen. Sobald sie es können, sollte ihr zusammen mit ihnen auch das Schwimmen in bewegten Gewässern üben. Und zwar regelmäßig! Denn nur so können sie ihre Fähigkeiten im Wasser trainieren. Bitte beachtet, dass ein Seepferdchen-Abzeichen zwar ein Grund zum Feiern ist, es jedoch in keinster Weise bedeutet, dass ihr euer Kind unbeaufsichtigt im Wasser baden lassen könnt. In Fachkreisen bezeichnen erfahrene Schwimmlehrer das Seepferdchen-Abzeichen sogar als „Lizenz zum Ertrinken“, da es zu einer trügerischen Sicherheit führen kann. Das regelmäßige Schwimmen in unterschiedlichen Gewässern ist u.a. auch deshalb wichtig, weil die Verhältnisse an einem Fluss oder am Meer anders sind, als in einem überschaubareren und ruhigen Pool. Und auch wenn eure Kinder scheinbar schon gut und sicher schwimmen können: lasst sie auch dann nicht aus den Augen!

 

Wann gilt ein Kind als „wassersicher“?

Grundsätzlich gilt ein Kind erst dann als „wassersicher“, wenn es:

  • sich unter Wasser (ohne Schwimmbrille) genauso gut zurechtfinden kann, wie über Wasser
  • sich im Wasser in verschiedene Körperpositionen drehen kann
  • eine Viertelstunde ohne Anhalten oder Hilfestellung im tiefen Wasser schwimmen kann
  • auf dem Rücken genauso gut schwimmen kann, wie auf dem Bauch
  • sich auf dem Wasser treiben lassen kann
  • mehrere Arten von Sprüngen mit vollständigem Eintauchen ins Wasser beherrscht
  • nicht anhalten muss, wenn es Wasser geschluckt hat
  • seine Fähigkeiten gut einschätzen kann

Anhand dieser Angaben könnt ihr übrigens auch gut überprüfen, wie es um eure Rettungsfähigkeit steht. Solltet ihr bei einigen Punkten ins Überlegen kommen, dann sollte ihr nicht nur ganz besonders darauf achten, dass euer Kind in keine gefährliche Situation gerät, sondern auch eure eigene Schwimm- und Rettungsfähigkeit trainieren.

 

Stets in Sicht- und Reichweite bleiben

Wenn eure Kinder im Wasser sind, sollten sie stets in eurer Sicht- und Reichweite bleiben. Zum Ertrinken reicht schon ein kurzer Moment aus – diese wertvolle Zeit verschwendet ihr mit jedem Meter, den ihr zum Kind laufen oder schwimmen müsst. Auch die Badeaufsicht kann mit ihrer Aufmerksamkeit gerade woanders sein und bietet keinen sicheren Schutz. Die Verantwortung und Aufsicht sollte bei euch bleiben. Selbst dann, wenn eure Kinder gar nicht im Wasser sind. Denn viele Badeunfälle passieren beim unbeabsichtigten Hineinfallen der Kinder in ein Gewässer.

 

Verlasst euch nicht auf andere:

Die Verantwortung zur Beaufsichtigung liegt bei euch. Verlasst euch dabei bitte nicht auf andere. Auch wenn an bewachten Badestellen das Risiko für einen Ertrinkungsunfall geringer ist, so kann z.B. eine andere Mutter, die kurz die Aufsicht übernehmen soll und dann möglicherweise mehrere Kinder zu beaufsichtigen hat, die Verantwortung nicht übernehmen. Auch ein Bademeister oder die Rettungsschwimmer am Strand können durch ein anderes Ereignis abgelenkt sein oder in einem überfüllten Freibad oder Strandbereich den Überblick verlieren.

GANZ WICHTIG:

Überlasst einem (größeren) Geschwisterkind niemals die Aufsicht. Zum einen ist ein Kind idR nicht in der Lage, ein ertrinkendes Kind zu retten, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen. Darüber hinaus würde auch das Leben dieses Kindes im Falle eines tragischen Unfalls lebenslang durch schwere Schuldgefühle geprägt sein. Ein Kind kann daher niemals die Verantwortung für die Sicherheit eines anderen Kindes tragen. Dafür sind wir Erwachsenen verantwortlich!

 

Verlasst euch nicht auf Schwimmhilfen und Co.

Schwimmhilfen bergen Gefahren, indem sie eine miunter trügerische Sicherheit vermitteln. Kinder, die sich z.B. mit Schwimmhilfen in tieferes Wasser begeben oder mit den Schwimmhilfen vom Beckenrand ins Wasser springen, lernen nicht, wie sich ihr Körper ohne die Schwimmhilfe im Wasser verhält. Sie gehen davon aus, dass ihr Körper nicht untergeht, weil sie es nicht anders kennen.

Darüber hinaus können Kinder mit einer Schwimmhilfe, z.B. bei plötzlich auftretendem Wind oder einer Windböe, schnell in tiefe Gewässer abreiben. Bitte bedenkt, dass Schwimmhilfen ausschließlich zur Unterstützung dienen können, niemals aber zur alleinigen Sicherheit.

Gerade Kleinkinder haben aufgrund des oben erwähnten verlagerten Körperschwerpunktes Probleme, die Balance zu halten und kippen nicht selten mitsamt der Schwimmhilfe um. Einmal unter Wasser geraten, schaffen sie es nicht, sich aus eigener Kraft wieder umzudrehen. Auch Schwimmsitze bergen Gefahren und sind im eigentlichen Sinne keine Schwimmhilfe, sondern lediglich ein Wasserspielzeug. Dieses Spielzeug dürfen Kinder im Wasser wirklich nur dann benutzen, wenn Eltern direkt daneben stehen!

 

 

(Kopf-)Sprünge vom Beckenrand oder in unbekannte Gewässer sind gefährlich:

Verletzung am Kopf:

Sprünge vom Beckenrand eines Pools oder in unbekannte Gewässer sind insofern gefährlich, als dass man sich dabei den Kopf stoßen und durch die anschließende Benommenheit in Gefahr geraten kann.

Desorientierung unter Wasser:

Außerdem kann es -gerade bei Kindern- zu einer Desorientierung unter Wasser kommen, so dass „oben und unten“ nicht mehr unterschieden werden kann und das Wasser zur Gefahr wird.

Strömungen, die die Wassertiefe schnell verändern können

Aus meiner persönlichen Erfahrung an der Ostsee weiß ich, dass durch die Strömungen der Sand am Meeresboden kontinuierlich bewegt wird. Dort, wo gestern noch eine ausreichende Tiefe für einen Sprung ins Wasser war, kann am nächsten Tag durch eine Sandbank die Wassertiefe deutlich geringer und somit lebensgefährlich sein!

Auch Bauchklatscher können gefährlich werden:

Auch ein sog. „Bauchklatscher“ kann über einen Druck auf den Solarplexus (Nervengeflecht im Bauchraum) zur Bewusstlosigkeit führen.

Vorsicht auch beim Brandungssog:

Der Brandungssog in Ufernähe des Meeres ist ebenfalls gefährlich und kann durch ein Wegziehen der Beine und ein Überschlagen unter Wasser ebenfalls zu einer erschwerten Orientierung führen.

 

Was tun, wenn man bei einem Kind nach einem Ertrinkungsunfall erste Hilfe leisten muss?

Habt ihr (oder ein anderer Helfer) ein Kind nach einem Ertrinkungsunfall aus dem Wasser gerettet, dann solltet ihr umgehend Folgendes tun:

Ist das Kind bewusstlos und atmet: kontrolliert, ob die Atemwege frei sind und bringt das Kind in die stabile Seitenlage. Es ist wichtig, dass z.B. Erbrochenes abfließen kann.

Ist das Kind bewusstlos und atmet nicht mehr: kontrolliert, ob die Atemwege frei sind und beginnt anschließend sofort mit der Beatmung und einer Herzdruckmassage (siehe unten). Ihr solltet dabei keine Zeit damit verschwenden, das Kind auf den Bauch zu drehen oder zu schütteln, um das Wasser aus der Lunge zu entfernen. Es funktioniert nicht, kann im Zweifel sogar schaden und vergeudet kostbare Zeit.

 

Nicht aufhören, bis der Notarzt übernimmt! Das „lohnt“ sich immer, auch wenn es aussichtslos erscheint.

 

Außerdem solltet ihr versuchen, ein weiteres Auskühlen des Körpers zu verhindern, indem ihr die nassen Badesachen entfernt und das Kind in eine Decke o.ä. wickelt. Die Unterkühlung ist auch nach der Rettung eine ernste Gefahr. Allerdings sollte die Temperatur auf keinen Fall eigenmächtig und zu schnell ausgeglichen werden.

 

 

Begrifflichkeiten rund um das Thema Ertrinken und was es mit dem Begriff des „sekundären oder zweiten Ertrinkens“ auf sich hat:

Im Zusammenhang mit dem Begriff Ertrinken gibt es viele verschiedene Begrifflichkeiten. Unter anderem taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auch der Begriff des „sekundären oder zweiten Ertrinkens“ auf. Der Begriff beschreibt das Phänomen, dass ein Mensch im Nachgang an einen Bade- oder Ertrinkungsunfall infolge des Wasseratmens verstirbt.

Warum der Begriff per Definition falsch ist, beschreibe ich euch gleich.

Wichtig ist mir jedoch grundsätzlich eins; und zwar, egal, wie die Definitionen sind:

Auch wenn ein Kind nach einem ungewollten Untertauchen im Wasser nicht bewusstlos war, vermeintlich „nur ein bisschen Wasser geschluckt hat“ und anschließend auffällige Symptome zeigt, solltet ihr einen Arzt aufsuchen bzw. ins Krankenhaus fahren.

 

Doch was hat es mit dem Begriff auf sich?

Auch wenn es das „sekundäre“ Ertrinken laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fachlich gar nicht gibt, ist es mir wichtig, auch darüber zu sprechen.

 

Definition „Ertrinken“:

Die WHO bezeichnet das Ertrinken als einen Prozess, bei dem es durch das Eintauchen des Kopfes bzw. Gesichtes in eine Flüssigkeit (meist Wasser), zu einem Sauerstoffmangel kommt. Hält der Sauerstoffmangel über einen gewissen Zeitraum an, so endet er tödlich und wird als „Ertrinken mit Todesfolge“ bezeichnet. Wird die ertrinkende Person gerettet und überlebt, so wird es als „Ertrinken ohne Todesfolge“ bezeichnet.

Nun gibt es beim Ertrinken jedoch einige Besonderheiten, die in der Vergangenheit zu unterschiedlichen Bezeichnung geführt haben. Sie gelten z.T. zwar als veraltet, werden im Alltag jedoch noch häufig verwendet, so dass ich sie euch kurz erklären möchte:

 

Begrifflichkeiten:

Beinahe-Ertrinken (= Ertrinken ohne Todesfolge):

Beschreibt die Situation, wenn ein Betroffener aus dem Wasser geborgen und erfolgreich reanimiert werden konnte.

Feuchtes Ertrinken:

Taucht ein Mensch unfreiwillig in Wasser ein, laufen im Körper zahlreiche Reaktionen ab. Diese führen zum einen dazu, dass ein Ertrinkender meist keine Kraft mehr hat, um Hilfe zu rufen oder Hilfe herbeizuwinken, da ihm dafür im Überlebenskampf schlichtweg die Kraft fehlt. Zum anderen führt dieser Vorgang bei ausbleibender Rettung zum Einatmen von Wasser (=Aspiration). Durch die Flüssigkeit wird der Gasaustausch in der Lunge behindert, was in der Folge zum Sauerstoffmangel und letztlich zum Tode führt. Da in einem solchen Fall Wasser in der Lunge nachweisbar ist, bezeichnet man diese Form des Ertrinkens auch als „feuchtes Ertrinken“.

Trockenes Ertrinken:

Bei (Klein-)Kindern ist es meist anders. Bei ihnen kommt es durch das Untertauchen des Gesichtes in Wasser (auch bei geringer Wassertiefe, z.B. in der Badewanne) zum sog. Eintauchreflex, der zu einem Stimmritzenkrampf führen kann. Als Folge dessen ist die Sauerstoffversorgung unterbunden und es resultiert ein tödlicher Sauerstoffmangel (=Ersticken). Da in diesen Fällen idR kein Wasser in die Lunge gerät, spricht man auch vom „trockenen“ Ertrinken. In einer solchen Situation schaffen es Kinder nicht, die Beine unter den Körper zu ziehen und sich aus eigener Kraft aus der Gefahrensituation zu retten.

Primäres Ertrinken:

In beiden Fällen kommt es, quasi als direkte Folge des Kontaktes von Wasser und Atemwegen, zu einem tödlichen Sauerstoffmangel. Daher werden diese Formen auch als „primäres Ertrinken“ oder eben als „Ertrinken mit Todesfolge“ bezeichnet. Am häufigsten betroffen sind dabei Personen, die nicht schwimmen können (z.B. Kinder), oder die durch Erschöpfung oder Bewusstlosigkeit im Wasser untergehen.

Wird eine ertrinkende Person nach einem Bade- oder Ertrinkungsunfall gerettet, so wird dies, wie oben erwähnt, als „Ertrinken ohne Todesfolge“ bezeichnet.

Sekundäres oder verzögertes Ertrinken:

Allerdings kann es (selten) auch nach einer erfolgreichen Rettung -als Spätfolge einer Aspiration- zu massiven Atemproblemen und letztlich auch zum Tode kommen. Weil in solchen Fällen der Tod verzögert eintritt, wurde der Begriff des „sekundären=verzögerten Ertrinkens“ geprägt.

Gelegentlich wird der Begriff des „sekundären Ertrinkens“ auch in dem Zusammenhang verwendet, dass das Ertrinken als Folge eines anderen akuten Geschehens erfolgt, z.B. als Folge eines Herzinfarktes, Schlaganfalles oder Krampfanfalles.

Ertrinken ist nicht gleich Ertrinken:

Ihr seht, es ist schon ein ganz schönes Begriffs-Wirrwarr, das einem beim Thema Ertrinken „entgegenschwappt“. Daher hat sich die WHO bei ihrer Definition auf lediglich zwei Arten des Ertrinkens festgelegt. Ertrinken mit oder ohne Todesfolge.

Weil es jedoch, wenn auch selten, Fälle gibt, in denen es nach einem Badeunfall auch noch nach einer zeitlichen Verzögerung zu Atemproblemen kommen kann, möchte ich mit diesem Beitrag auch darauf aufmerksam machen. Denn egal, wie die Definitionen sind: wir sollten jeden Badeunfall –vor/während/und danach- sehr ernst nehmen!

Schutzmechanismen des Körpers:

Wenn man sich mit Wasser „verschluckt“ und auf diesem Wege unfreiwillig Wasser einatmet, so gelangt in den meisten Fällen glücklicherweise nicht sehr viel Wasser in die Lunge. Für diese Fälle hat der Körper nämlich einen ganz wunderbaren Schutzmechanismus, den wir alle kennen und der idR sehr effektiv ist: den Hustenreiz. Wenn jedoch eine größere Menge Wasser eingeatmet wird, so ist dieser Hustenreiz gelegentlich nicht ausreichend und kann, auch wenn sie selten ist, weitreichende Folgen haben.

Was passiert, wenn Wasser in die Lunge gerät?

Gelangt (eine „größere Menge“ an) Wasser in die Lunge führt es dort zu einer Entzündungsreaktion, die den Gasaustausch und somit die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff beeinträchtigt. Die Folge ist ein Sauerstoffmangel, der sich, auch noch Stunden später, durch folgende Symptome bemerkbar machen kann:

Mögliche Symptome nach einer Aspiration von Wasser:

  • starker Hustenreiz
  • apathischer Allgemeinzustand
  • auffällig schnelle Atmung
  • bläulich verfärbte Lippen

Was tun?

Wenn ihr nach einem Badetag und vor allem nach einem Untertauchen des Kopfes unter Wasser, diese Symptome beobachtet, dann ruft bitte sofort den Notarzt. Eine Situation, in der ein Kind oder auch ein Erwachsener, keine Luft mehr bekommt, ist immer ein Notfall!

 

Grundsätzlich gilt: Besser einmal zu viel nachgefragt und beim Arzt vorgestellt, als einmal zu wenig!

 

Neben diesem Grundsatz habe ich in meinem medizinischen Alltag jedoch auch Folgendes gelernt:

Häufiges ist häufig und Seltenes ist selten!

Daher: keine Panik, wenn euer Kind sich „mal verschluckt“; egal, ob in der Badewanne, im Schwimmbad oder beim Trinken. Meist ist mit einem kurzen und ggf. heftigen Hustenreiz die Gefahr gebannt. Außerdem kommt es nach einem feucht-fröhlichen Tag im Wasser, sehr viel häufiger zu harmlosen (wenn auch unangenehmen) „Nebenwirkungen“. Nämlich dann, wenn die Kinder versehentlich oder gewollt Meer- oder Pool-Wasser runterschlucken. Dies ist meist harmlos, da das Wasser dabei nicht in die Atemwege, sondern in den Magen-Darm-Trakt gelangt und dort zu Übelkeit und ggf. Erbrechen oder Durchfall führen kann. Den betroffenen Kindern geht es nach dem Erbrechen bzw. einem Gang zur Toilette meist wieder besser. Sie wirken allenfalls etwas „angeschlagen“, jedoch nicht vital bedroht.

Wenn euer Kind ähnliche Symptome nach einem Badetag aufweist und ihr euch nicht sicher seid bzw. Angst habt, dass es sich in der Nacht verschlechtern könnte, dann lasst es z.B. nachts in eurer Nähe schlafen und beobachtet auch in den folgenden Tagen den Allgemeinzustand eures Kindes.

Solltet ihr unsicher sein, oder Atembeschwerden auftreten, dann lasst euer Kind umgehend medizinisch untersuchen!

 

Zum Schluss noch eine kleine Auffrischung in Sachen Erste-Hilfe nach dem ABC-Schema bei Kindern:

  • Kind auf den Rücken legen (auf einem harten Untergrund)
  • ABC-Schema:
  • A=Atmung überprüfen und Atemwege freimachen
    Die Atemwege freimachen und freihalten. Dann den Kopf des Kindes vorsichtig nach hinten strecken (nicht zu weit, da sich ansonsten die Atemwege verengen), das Kinn mit zwei Fingern festhalten.
  • B=Beatmung
    -Säugling: hierbei umschließt man sowohl den Mund als auch die Nase des Kindes mit dem eigenen Mund und beginnt anschließend mit der Beatmung.                                                                                                                                                            -Beim älteren Kind erfolgt eine Mund-zu-Mund oder eine Mund-zu-Nase Beatmung. Bei einer Mund-zu-Mund Beatmung wird die Nase des Kindes mit Daumen- und Zeigefinger zugehalten. Bei der Mund-zu-Nase Beatmung hält man den Mund des Kindes verschlossen. Der Brustkorb des Kindes sollte sich bei der Beatmung leicht heben, d.h. ihr solltet bei der Atemspende so viel Luft spenden, bis sich der Brustkorb des Kindes leicht hebt. Bei Säuglingen oder Kleinkindern kann das u.U. weniger sein, als ihr selbst einatmet.
  • Ihr beginnt mit 5 Atemspenden
  • C=Circulation (Kreislauf)
    Anschließend erfolgt 30 x die Herzdruckmassage:
  • Bei Babys wird diese durch leichten Druck (2-3 cm Tiefe) auf das Brustbein (höhe der Brustwarzen) mit zwei Fingern gemacht, beim älteren Kind durch Druck des Handballens auf das untere Brustbein.
  • Auf 30 Herzdruckmassagen sollten jeweils zwei Beatmungen folgen. Dieser Rhythmus (30:2) wird bis zum Eintreffen des Notarztes fortgeführt. Falls das Kind zwischenzeitlich wieder atmen sollte, jedoch weiterhin bewusstlos ist, bringt es in die stabile Seitenlage. An der Halsschlagader sollte durch eine Hilfsperson kontrolliert werden, ob die Herzdruckmassage zu einem tastbaren Puls führt.

 

Die Kenntnis über Erste Hilfe Maßnahme ist wichtig und kann Leben retten:

Da das Thema Erste Hilfe beim Kind immer noch mit sehr vielen Unsicherheiten verbunden ist, möchte ich euch dringend raten, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen oder eure Kenntnisse in dem Bereich aufzufrischen. Im Netz gibt es dazu viele Anbieter. Einige von euch wissen vielleicht, dass ich seit Kurzem Teil des Teams von „Erste-Hilfe-rettet-Leben“ bin. Wenn ihr euch einen solchen Kurs in Ruhe zu Hause anschauen möchtet und Wert darauf legt, nicht nur im Falles eines lebensbedrohlichen Notfalls die Reanimation zu beherrschen, sondern auch über verschiedenste Unfallschwerpunkte im Kindesalter (Verbrennungen, Verbrühungen, Vergiftungen, oder auch Sonnenbrand und Co.) Bescheid zu wissen, dann kann ich euch den online-Kurs „Erste-Hilfe-rettet-Leben“ empfehlen (auch wenn es „Werbung in eigener Sache“ist, ist das gewünschte Ziel dahinter Folgendes): Im Notfall zu wissen, was zu tun ist.

Denn das Einzige, das man in einem Notfall falsch machen kann, ist nichts zu tun! Mit dem Gutschein KINDERHERZTIN30 bekommt ihr 30% Preisnachlass und habt damit lebenslangen Zugriff auf den Kurs. Darüber hinaus werdet ihr regelmäßig an wichtige Kursinhalte erinnert, um das Wissen dauerhaft zu vertiefen. Und wenn ihr lieber einen anderen Kurs kaufen oder besuchen möchtet: wunderbar! Denn ganz egal, wo ihr es lernt; wichtig ist, dass ihr es lernt und im Notfall anwenden könnt.

 

Ich freue mich, dass ihr den langen, aus meiner Sicht jedoch wichtigen, Beitrag bis hierher durchgelesen habt und wünsche euch eine sonnige und v.a. unfallfreie Badesaison.

 

Anmerkung: Alle medizinischen Beiträge auf meinem Blog dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden.

 

Alles Gute

eure

Snježi

 

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