Hepatitis im Kindes- und Jugendalter

Seit Anfang April berichten medizinische Fachzeitschriften und die Presse über eine ungewöhnliche Häufung akuter Hepatitis-Formen im Kindesalter.

 

Hepatitis

Was eine Hepatitis ist, wodurch sie gewöhnlich ausgelöst wird, wie sie sich bemerkbar macht und warum die aktuelle Häufung ungewöhnlich ist, erfahrt ihr im folgenden Beitrag. Wie immer soll dieser Beitrag nicht dazu dienen, Eltern und Familien zu verunsichern, sondern er soll informieren und damit für das Thema sensibilisieren. Denn je früher eine entsprechende Diagnose gestellt werden kann, umso besser kann der Verlauf beobachtet und das Kind begleitet werden.

Aktuelle Situation

Anfang April wurde die WHO über zehn Fälle einer schwer verlaufenden akuten Hepatitis unbekannter Ursache bei zuvor gesunden Kindern unter zehn Jahren informiert (hier). Diese waren in Schottland aufgetreten und für den kurzen Zeitraum ungewöhnlich hoch (üblicherweise 7-8 Fälle pro Jahr!). Seitdem wurden über 100 Fälle in Großbritannien sowie vereinzelt auch in Ländern der EU und der USA gemeldet. Kürzlich meldete das RKI den ersten Fall einer Infektion in Deutschland, siehe hier

 

Definition

Bei einer Hepatitis handelt es sich um eine Entzündung der Leber. Diese wird meist durch eine virale Infektion verursacht und kann akut oder chronisch (> 6 Monate) verlaufen.

 

Funktion der Leber

Die Leber ist ein lebenswichtiges Organ, das rechts in unserem Mittel-/Oberbauch liegt. Sie übernimmt viele wichtige Stoffwechselfunktionen (zB Fett- und Glukose-Stoffwechsel) und hat darüber hinaus eine zentrale „Entgiftungsfunktion“ in unserem Körper. Sie baut zB Bestandteile von Medikamenten ab oder wandelt Giftstoffe aus Genussmitteln (wie zB Alkohol) in ungiftige Stoffe um und ermöglicht damit (bis zu einem gewissen Grad) die Ausscheidung über den Darm oder die Nieren.

Übrigens wandelt die Leber den Alkohol aus dem Blut in Fett um und führt damit bei übermäßigem Alkoholgenuss zu einer Fettleber und einem erhöhten Fettgehalt des Körpers („Bierbauch“). Dies könnte für die erwachsenen Leser:innen, die gesünder leben möchten oder für den Sommer eine „Bikini-Figur“ anstreben ggf von Bedeutung sein 😉

Außerdem wandelt die Leber wichtige Nährstoffe aus der Nahrung um, speichert sie und gibt sie bei Bedarf an die entsprechenden Zellen ab. Über die Produktion von Gallenflüssigkeit übernimmt sie wichtige Aufgaben bei der Verdauung. Auch bei der Blutgerinnung und dem Abwehrsystem spielt sie über die Produktion bestimmter Eiweiße eine wichtige Rolle.

Die Leber und ihre vielfältigen Funktionen sind somit lebenswichtig für unsere Gesundheit. Kommt es zu einer Infektion und somit zu einer Entzündung der Leber, kann dies gravierende Folgen haben und im schlimmsten Fall zum Tode führen.

 

Ursachen im Kindes- und Jugendalter

Die Ursachen für eine Hepatitis sind vielfältig. Am häufigsten ist sie durch Hepatitis Viren bedingt. Sie kann aber auch durch andere virale Infektionskrankheiten, wie zB das sog. Pfeiffer’sche Drüsenfieber ausgelöst werden. Auch verschiedene Bakterien und Parasiten (zB Leptospirose oder Malaria) können eine Leberentzündung verursachen. Daneben spielen Medikamente, wie bspw. Paracetamol in zu hoher Dosis eine wichtige Rolle. Daher solltet ihr bitte immer die Dosierangaben in der Packungsbeilage sowie die kinderärztlichen Empfehlungen beachten! Giftstoffe, wie zB Alkohol oder der Genuss bestimmter Pilze können ebenfalls zu einer Leberentzündung führen.

 

Hepatitis Viren

Es gibt verschiedene Viren, die zu einer Entzündung der Leber führen können. Sie werden alphabetisch benannt und führen zu einer Hepatitis A, B, C, D oder E. In Deutschland wird eine Hepatitis-Erkrankung in der Regel durch Hepatitis A, B oder C-Viren verursacht. Die unterschiedlichen Hepatitis-Virusarten unterscheiden sich sowohl bezüglich ihres Ansteckungsrisikos und Übertragungsweges als auch bezüglich der Verlaufsformen.

 

Übertragungswege und Verlaufsformen der Hepatitis-Viren

Hepatitis A

Die Hepatitis A verursacht eine akute Infektion, die keinen chronischen Verlauf nimmt. Sie wird durch Hepatitis A Viren verursacht, die weltweit verbreitet sind und u.a. durch verunreinigtes Wasser, Lebensmittel oder durch Schmierinfektionen übertragen werden. Dabei stellen schlechte hygienische Verhältnisse (zB bei Auslandsreisen) die Hauptgefahrenquelle dar. Leider wird das Risiko einer Infektion häufig unterschätzt und auf die Schutzimpfung, mit der einer Infektion vorgebeugt werden kann, verzichtet. Nach einer überstandenen Infektion besteht eine lebenslange Immunität gegen diesen Virustyp.

Hepatitis B

Die Hepatitis B zählt weltweit zu einer der häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt und kann sowohl akute als auch chronische Verläufe verursachen. Die Viren sind weltweit stark verbreitet und werden auf verschiedenen Wegen übertragen. Hierbei spielen vor allem sexuelle Kontakte sowie die Übertragung über Blut und Blutprodukte (Risikogruppen zB Beschäftigte im Gesundheitssystem, Personen mit injizierendem Drogengebrauch, gewisses Risiko auch bei unhygienischem Stechen von Tattoos, Piercings oder Ohrlöchern) eine wichtige Rolle. Das Hepatitis B Virus verursacht in den meisten Fällen eine lebenslange, chronische Infektion. Auch wenn das Risiko für eine Hepatitis B Infektion im Kindesalter relativ gering ist, ist eine Schutzimpfung wichtig und empfehlenswert. Warum sie wichtig ist, erfahrt ihr in diesem Beitrag

Wichtig ist bei der Hepatitis B auch der sog. perinatale Übertragungsweg, bei dem das Virus einer infizierten Mutter unter der Geburt auf das Neugeborene übertragen wird. In der Regel verursacht die Infektion beim Kind zunächst zwar keine Symptome. Allerdings entwickelt sich im weiteren Verlauf meist eine dauerhafte Infektion der Leber, die das Gewebe zerstören und langfristig zum Tod führen kann. Um eine Infektion frühzeitig erkennen und das Neugeborenen sofort nach der Geburt behandeln zu können, wird bei der frauenärztlichen Vorsorgeuntersuchung etwa in der 32.  bis 36. Schwangerschaftswoche eine Blutuntersuchung auf das sog. Hepatitis-B-Antigen durchgeführt (mehr dazu siehe hier).

Hepatitis C

Hepatitis C kann, wie die Hepatitis B, sowohl eine akute als auch eine chronische Verlaufsform verursachen, wobei das Risiko für eine sog. Chronifizierung bei dieser Virusart sehr hoch ist. Eine bleibende Immunität nach einer überstandenen Hepatitis C-Infektion ist nach derzeitigem Wissensstand eher unwahrscheinlich.

Ob eine akute Hepatitis B oder C in eine chronische Verlaufsform übergeht, hängt von verschiedenen Faktoren, wie zB dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem Immunsystems des Patienten ab.

Hepatitis D

Das Hepatitis D Virus ist ein sog. Virusoid ohne eigene Virushülle, das bei seinem Lebenszyklus auf eine gleichzeitige Infektion mit dem Hepatitis B Virus angewiesen ist. Es wird auf gleichem Wege wie das Hepatitis B Virus übertragen und kann entweder zu einer Simultan- oder einer Superinfektion mit Hepatitis B führen.

Hepatitis E

Die Hepatitis E Viren kommen weltweit vor, allerdings gibt es unterschiedliche Genotypen (Unterformen) die regional unterschiedlich häufig vorkommen. In den Industrie­ländern, inklusive Deutsch­land, findet haupt­säch­lich eine Über­tragung über den Ver­zehr von unzureichend gegartem Schweine- oder Wild­fleisch und daraus her­ge­stellten Produkten statt. Auch Muscheln können als Infektionsquelle dienen. Des weiteren kann eine Übertragung durch Blutprodukte und in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch erfolgen. Eine Infektion verläuft meist akut. Chronische und schwere Verläufe sind selten.

 

Symptome

Eine Hepatitis äußert sich meist durch unspezifische grippale Symptome, wie zB Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Fieber. Je nach Virusart kann es auch zu Gelenk- u/o Bauchschmerzen kommen. Oft, aber nicht immer, entwickelt sich eine für die Hepatitis typische Gelbsucht (= Ikterus). Das heißt, Augäpfel und die Haut verfärben sich gelblich. Der Stuhlgang kann entfärbt (hell/er) sein, während der Urin oft dunkler gefärbt ist. Juckreiz und Entzündungen der Haut können ebenfalls Symptome einer Hepatitis sein. Bei einem komplikationsfreien Verlauf klingen die Beschwerden idR einige Wochen nach der Infektion ab.

Problematisch ist, dass nur ein Teil aller Betroffenen typische Symptome aufweist. Ebenso wie die akute Infektion wird auch eine chronische Erkrankung häufig zunächst nicht bemerkt. Dies ist deshalb tückisch, weil die Leber im Falle einer chronischen Form dennoch zunehmend geschädigt und die Infektion an andere Menschen weitergegeben werden kann. Die Gefahr einer chronischen Verlaufsform ist bei der Hepatitis B umso höher, je jünger die Betroffenen sind. Bei infizierten Neugeborenen liegt sie bei 90 Prozent, daher ist eine entsprechenden Schutzimpfung wichtig, siehe auch hier

 

Anmerkung: Bei der Gelbsucht des Neugeborenen (= Ikterus neonatorum) handelt es sich um eine Anpassungsstörung der Leber, die in den ersten Lebenstagen auftritt. Sie wird nicht durch Viren verursacht.

 

Diagnose

Der Verdacht kann anhand der typischen Krankheitszeichen (sofern vorhanden) gestellt werden. Die Bestätigung der Diagnose und Unterscheidung der jeweiligen Virus-Typen erfolgt mit Hilfe einer Blutuntersuchung und  speziellen biochemischen Tests.

 

Therapie

Bei einer akuten Entzündung der Leber sind körperliche Schonung und Bettruhe wichtig. Bei Erbrechen, Durchfall oder Fieber kann eine symptomatische Therapie erfolgen. Die Behandlungsmöglichkeiten einer Leberentzündung, sowohl akut als auch chronisch, sind insgesamt sehr beschränkt. Bei der Therapie einer chronischen Hepatitis B Infektion werden u.a. Interferone eingesetzt. Dabei handelt es sich um Medikamente, die u.a. eine immunstimulierende und antivirale Wirkung haben.

Die Heilungschancen einer chronischen Verlaufsform sind gering: Nur etwa 5-10% der Behandelten werden vollkommen gesund und etwa ein Drittel bleibt Virusträger, zeigt aber (fast) keine Krankheitsanzeichen mehr (siehe auch hier)

 

Vorbeugung

Hygienische Vorsichtsmaßnahmen und der Schutz beim Geschlechtsverkehr (Verwendung von Kondomen) können die Übertragungsrate der unterschiedlichen Hepatitis-Formen zwar senken, einen sicheren Schutz bietet jedoch nur die aktive Impfung, die derzeit nur gegen Hepatitis A und B zur Verfügung steht.

 

Datenlage zur aktuellen Häufung

Anfang April des Jahres traten in Schottland 10 Fälle einer schweren akuten Hepatitis bei zuvor gesunden Kindern unter 10 Jahren auf. Die Ursache ist bisher unklar. Die typischen Hepatitis Viren konnten in keinem der Fälle nachgewiesen werden = sog. „Non A-E Hepatitis“. Bislang sind über 110 Fälle gemeldet worden.

Untersuchungen von Gewebeproben deuten auf eine virale Ursache der Leberentzündung hin. In der Mehrzahl der Fälle wurden Adenoviren eines bestimmten Serotyps (41F) nachgewiesen.

Adenovirus-Infektionen kommen im Kindesalter häufig vor und gehen mit erkältungsähnlichen Symptomen sowie Erbrechen, Durchfall oder auch Bindehautentzündungen einher. In der Regel führen Infektionen mit Adenoviren zu keinen Komplikationen, allerdings ist als seltene Komplikation, v.a. bei immungeschwächten Personen, eine Hepatitis möglich. Ob SARS-CoV-2 (das bspw. auch in Verdacht stand, die Insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse anzugreifen, siehe hier) oder Pandemie-bedingte Einschränkungen eine Rolle spielen, ist bislang unklar.

 

Fazit

Hepatitis-Infektionen kommen im Kindes- und Jugendalter mit unterschiedlicher Häufigkeit vor und gehen nicht immer mit typischen Symptomen einher. Wenn ihr bei eurem Kind auffällige Symptome, insbesondere eine Gelbfärbung der Augäpfel und / oder der Haut bemerkt, solltet ihr unbedingt ärztlichen Rat einholen und das Kind untersuchen lassen.

 

Anmerkung:

Alle medizinischen Beiträge, die ich zu gesundheitlichen Themen auf meinem Blog verfasse, dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden.

 

Bleibt gesund und munter,

eure

Snježi

 

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Posted on 4. February 2021

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