Kleine Helfer gegen Erkältungen und warum Ingwershots dabei nicht ganz “ohne” sind

Sie ist da: die Zeit der Erkältungen. Überall wird gehustet, geschnieft, geniest. Der Hals brennt, der Kopf dröhnt, die Nase läuft. Kennt ihr, oder?

Und was kann man dagegen tun? Der Arzt wird euch gefühlt “im Stich lassen” und euch vermutlich nicht allzu viel verschreiben. Das tut er nicht aus böser Absicht, sondern weil er weiß, dass die meisten Infekte durch Viren verursacht werden und gegen sie weder Antibiotika noch vermeintliche Wunder-Pillen helfen. Die meisten dieser Infekte kann man somit nur “symptomatisch” behandeln. Das heißt man lindert, sofern es erforderlich ist, lediglich die Symptome, wie z.B. Fieber oder Schmerzen mit entsprechenden Medikamenten.

Wundermittel?

Aber wie kann das sein? Schließlich gibt es doch in Apotheken und Drogerien unzählige Erkältungsmittel: von Hustensäften, über Globuli bis hin zu teuren Aufbaukuren für das Immunsystem. Ja, das stimmt. Es gibt Vieles. Aber hilft es auch? Dem einen oder anderen eventuell schon. Gerade dann, wenn er oder sie die Produkte in dem Stadium der Erkältung einnimmt, in dem der Infekt auch von alleine wieder auf dem Rückzug ist. Denn, wie pflegten unsere lieben Omis immer zu sagen?

Ein Erkältungsinfekt kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage.

Und wie so oft, hatten und haben sie damit recht. Nimmt man nun also das angepriesene Zaubermittel X am Tag 4 des Infektes ein, wird man vermutlich nach 1-2 Tagen eine Verbesserung verspüren. Und warum? Weil der Infekt auch ohne Zaubermittel X aller Wahrscheinlichkeit nach jetzt am Abklingen wäre.

Denn das einzig wahre Zaubermittel gegen einen solchen Infekt ist…

Unser Körper:

Unser Körper selbst! Und die darin befindliche hochspezialisierte “Kampf-Maschine”, nämlich unser Immunsystem. Ok, ich gebe zu, dass diese vermeintliche Kampf-Maschine gerade zu Beginn unseres Lebens noch ein bisschen schwächlich daherkommt und vielen Eltern mit Kleinkindern etliche schlaflose Nächte und erkältungsträchtige Wochen beschert. Doch mit jedem Infekt wird das System sicherer, stärker und selbstbewusster. Es lernt dazu und wird im Laufe der Zeit ein echter Security-Spezialist. Es haut hier einen Infekt weg, verhindert dort eine Infektion und ist ständig wachsam und aktiv.

Nur manchmal, wenn viele Angreifer gleichzeitig um die Ecke kommen und viele Viren im Umlauf sind, wie z.B. jetzt, in der Hochwelle der Erkältungszeit, dann ist es gelegentlich überfordert. Und man wird krank. Doch auch und gerade dann ist unserer Allzweckwaffe aktiv und kämpft, was das Zeug hält. Es heizt den Vieren ordentlich ein und verlagert sämtliche Abwehrmechanismen an den Ort des Geschehens. Und tadaaa, nach ungefähr einer Woche ist man (fast) wieder “wie neu”.

Aber gibt es denn nicht doch mittlerweile eine Super-Pille, die den Infekt erst gar nicht entstehen lässt, oder deutlich verkürzt? Schließlich leben wir doch im 21. Jahrhundert.

 

Medizin mit vielen bunten Tabletten

 

Soll ich ehrlich sein?

Auch, wenn es vielleicht wehtut und enttäuscht?

Es gibt sie nicht. Nix, nada, niente. Keine Wunderpille!

Wie in alten Zeiten:

Das hatte ich hier bereits geschrieben, aber ich wiederhole mich gerne. Denn das Einzige, was ihr tun könnt, ist: das Immunsystem zu unterstützen. Und da kommen wir, auch im 21. Jahrhundert, um die schon tausendmal gehörten und vielleicht auch schon abgedroschenen Sätze nicht umher. Viel trinken! Gesunde Ernährung! Vitamine! Viel frische Luft! Körperlich schonen! Ausreichend schlafen. Tja, und das war es auch schon. Sorry. Im Prinzip helfen also die Mittel am besten, die schon unsere oben zitierten lieben Omis benutzt haben.

Omi`s und ihre Hausmittelchen:

Somit wäre das eigentlich Wundermittel und meine liebste Empfehlung: eine fürsorglich-liebe “Erkältungs-Omi”, die einem eine heiße Hühnersuppe und Literweise Tee kocht, einen an die frische Luft schickt und ansonsten liebevoll umsorgt. Die einem vielleicht Wadenwickel macht, wenn man Fieber hat und einen Hustensaft aus Zwiebeln oder Thymian zubereitet. Vielleicht macht sie uns noch einen Quarkwickel, den sie uns angewärmt auf die vom Husten schmerzende Brust legt oder uns um den brennenden Hals drapiert. Und nebenbei erzählt sie uns spannende Geschichten aus ihrer Vergangenheit und schwuppdiwupp: ist man gesund.

Ok, ich gebe zu, diese Super-Omis gibt es leider nicht auf Rezept und auch nicht in den Regalen der Apotheken und Drogerie. In den Apotheken und Drogerien findet man sie zwar grundsätzlich schon, doch vermutlich sind diese Omis eher in einer anderen Mission unterwegs. Manch einer kann sich jedoch glücklich schätzen, sie noch in seiner Familie zu haben. Meine Großmutter lebt leider nicht mehr, aber in der Zeit, in der ich bei ihr lebte (siehe hier) umsorgte sie mich genau so, wie ich es oben beschrieben hatte. Und heute tue ich es mit meinen Kindern und ihr sicher auch mit euren. Und wenn es einen selbst erwischt und man keine Eltern oder Großeltern in der Nähe hat, dann hat man vielleicht einen liebevollen Partner oder fürsorgliche Freunde, die sich um einen kümmern. Das hoffe ich zumindest.

Und wenn ihr all das nicht habt, dann habe ich zumindest ein paar kleine und bewährte Helfer für euch:

Hühnersuppe:

Zutaten:

  • 1 Hühnerbrust (1 ganzes Suppenhuhn geht natürlich auch, aber das ist mir persönlich zu fummelig)
  • 1 Bund Suppengrün
  • 1-2 Zwiebeln
  • Hühner- oder Gemüsefonds (alternativ Gemüsebrühe)
  • Salz
  • Pfeffer
  • wenn man möchte: Suppennudeln

 

Kleine Helfer gegen Erkältungen: Hühnersuppe Zubereitung

 

Zubereitung:

Suppengrün schälen und in kleine Stücke schneiden. Etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Hühnerbrust bzw. das Suppenhuhn von beiden Seiten darin anbraten. Die Zwiebeln, Möhren und die Selleriestücke hinzugeben und ebenfalls kurz anbraten. Mit Hühnerfonds oder Gemüsebrühe ablöschen. So viel Flüssigkeit dazu geben, dass das Fleisch und das Gemüse damit bedeckt ist. Bei mittlerer Hitze und geschlossenem Deckel langsam köcheln lassen (30-60 Minuten; je nach Größe des Fleischstückes). Gegen Ende der Garzeit den kleingeschnittenen Lauch hinzugeben.

 

Kleine Helfer gegen Erkältungen: Hühnersuppe Zubereitung

 

Am Ende das Huhn rausnehmen, kurz abkühlen lassen, die Haut entfernen, das Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden und wieder zurück in den Suppentopf geben. Wenn man die Suppe noch am gleichen Tag komplett aufessen möchte, dann gibt man nun (wenn man möchte) Suppennudeln (wir hatten kleine Sternchen) hinzu und kocht das Ganze noch einmal ca. 10 Minuten (bis die Nudeln gar sind) auf. Wenn man die Suppe nicht gleich aufessen, sondern noch am nächsten Tag genießen möchte, dann füllt man etwas von der Suppe ab und kocht am nächsten Tag die Nudeln frisch in der Suppe auf. Ansonsten werden die Nudeln am zweiten Tag nämlich sehr matschig. Nun gibt man noch etwas Petersilie hinzu und fertig ist die kleine Wunderwaffe gegen fiese Erkältungen.

 

Kleine Helfer gegen Erkältungen: Hühnersuppe Zubereitung

 

Warum ist Hühnersuppe eigentlich hilfreich gegen Erkältungen? Tatsächlich konnten Studien zeigen, dass die Hühnersuppe nicht nur bestimmte Entzündungszellen im Körper blockiert, sondern durch das in ihr enthaltene Cystein auch entzündungshemmend und abschwellend auf die Schleimhäute wirkt. Außerdem ist in ihr der Mineralstoff Zink optimal an einen Eiweißbaustein (Histidin) gebunden, was die Aufnahme des Zinks fördert und damit die Abwehrkräfte unterstützt.

Heiße Orange:

Die heiße Zitrone kennt jeder, aber mir ist die Zitrone alleine zu sauer. Somit schnappe ich mir sämtliche Orangen, Mandarinen und nur ein oder zwei Zitronen, presse sie aus und gieße alles mit heißem Wasser in einer großen Teekanne auf.

 

Kleine Helfer gegen Erkältungen: Zitrusfrüchte mit Gesicht

 

Hinzu kommen noch ein paar frische Salbeiblätter und wer mag, gibt noch etwas Honig (Vorsicht: kein Honig für Kinder unter einem Jahr!) oder Agavendicksaft hinzu. Ich selbst gebe noch einige Scheiben frischen Ingwer hinein, aber auch der ist für Babys und Kleinkinder nicht geeignet. Übrigens solltet auch ihr, trotz der allseits gehypten Ingwer-Shots, vorsichtig mit Ingwer sein. Ich selbst wusste es bis vor einiger Zeit nicht und habe dieses Getränk früher immer mit einem großen Stück geriebenem Ingwer gemacht, da ich die Schärfe und den Geschmack mochte.

Auch bei pflanzlichen Produkten ist die Dosis entscheidend!

Aber Vorsicht: Ingwer kann die Aggregation, also die “Klebe”-Eigenschaft der Blutplättchen behindern und zu einer verstärkten Blutungsneigung führen. Ich habe es bei mir durch wiederholt starkes Nasenbluten bemerkt. Seitdem nehme ich nur noch ein ca. Daumengroßes Stück Ingwer und reibe es nicht, sondern schneide es lediglich in dicke Scheiben, so dass die Auffaserung der Ingwerknolle nicht zu stark und die Konzentration im Sud nicht zu groß ist.

Auch bei ätherischen Ölen, wie z.B. Kampfer und Menthol solltet ihr zurückhaltend sein. Sie können die Atemwege zusätzlich reizen und gerade bei Babys schwerwiegende Atemprobleme bewirken. Außerdem solltet ihr beachten, dass viele der Produkte, die ihr kauft, zur besseren Handhabung und Haltbarkeit Zusatzstoffe enthalten, die Auslöser von Kontaktallergien sein können, wie z.B. Wollwachse (Lanolin), Emulgatoren oder Konservierungsstoffe. Damit ist dann zwar vielleicht der Husten weg, aber ihr habt womöglich lebenslang mit einer Kontaktallergie zu tun.

Ich bin daher, insbesondere bei Erkältungssymptomen, der Meinung: weniger ist mehr. Auch wenn die Symptome echt nervig sind.

 

Kleine Helfer gegen Erkältungen: heißes Getränk mit Orange, Zitrone und Salbei

 

Die Zwiebel, ein kleiner, aber hilfreicher Stinker:

Die Zwiebel ist aus meiner Sicht übrigens ein echtes allround-Talent. Sie wirkt nicht nur entzündungshemmend und antibakteriell, sondern auch noch krampf- und schleimlösend. Ob im selbstgemachten Hustensaft, in der Hühnersuppe, als Zwiebelsäckchen auf dem Ohr oder im Raum hängend: ihre ätherischen Öle riecht man zwar noch Tage später, dafür jedoch sind sie meist sehr effektiv und kostengünstig noch dazu.

Vitamine und Spurenelemente:

Gerade in den Wintermonaten haben übrigens viele Menschen (auch Kinder) einen Mangel an Vitamin-D. Da dieses Vitamin für die Abwehrkräfte wichtig ist, lohnt es sich, insbesondere bei erhöhter Infektanfälligkeit, diesen Wert im Blut bestimmen zu lassen. Sollte er zu niedrig sein, ist eine entsprechende Therapie notwendig. Auch Zink ist bei der Abwehr von Infekten hilfreich. Über die entsprechenden Empfehlungen, insbesondere bei Kindern, wird euch euer Kinderarzt informieren.

Infekt-Tage wie diese:

Wenn ich, wie jetzt, pünktlich zum Wochenende einen Erkältungsinfekt habe (früher oder später erwischen die Viren nämlich auch Ärzte), sieht mein Tag ungefähr so aus: ausschlafen, Tee oder eine heiße Orange trinken, Hühnersuppe löffeln, am Meer spazieren gehen (wirkt wunderbar gegen Schniefnasen), schlafen, wieder Tee oder heiße Orange trinken, nebenbei viel frisches Obst und Gemüse (rote Paprika hat übrigens sehr viel Vitamin C) essen und mich körperlich schonen. Denn schließlich muß ich am Montag wieder fit sein und die erkälteten Patienten behandeln (ohne Wunderpille leider).

Weitere Infos:

In folgenden Beiträgen:

Infekte bei Kindern: wieviel ist normal?

Fieber beim Kind: 8 Fakten, die Du wissen solltest

Husten bei Kindern: was kann ich tun und was besser nicht?

Obstruktive Bronchitis beim Kind

In den genannten Beiträgen findet ihr bei Bedarf weitere Infos und Tipps für die fiese Erkältungszeit.

 

Ich wünsche allen Kranken auf diesem Wege gute Besserung und allen Gesunden, dass sie gesund bleiben mögen.

Und all denjenigen unter euch, die eine frische Meeresbrise gebrauchen könnten, aber gerade kein Meer in der Nähe haben, schicke ich dieses Bild.

 

Kleine Helfer gegen Erkältungen: das Meer

 

Anmerkung: Alle medizinischen Beiträge, die ich zu gesundheitlichen Themen auf meinem Blog verfasse, dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden.

 

Wie sieht es bei auch aus? Seid ihr fit? Und wenn nicht, was sind eure Geheimwaffen gegen fiese Viren?

 

Kommt gut durch die Infektzeit

eure

Snježi

 

Kleine Helfer gegen Erkältungen: die-kinderherztin

 

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Posted on 9. März 2018

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