Schwimmkompetenz im Kindesalter

Werbung wegen Verlinkung auf externe Seiten (unbeauftragt/unbezahlt/unpolitisch)

Warum die Schwimmkompetenz im Kindesalter wichtig ist; welche Gefahren sich ergeben, wenn Kinder nicht sicher schwimmen können und wie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther die Situation einschätzt

Die Schwimmkompetenz von Kindern ist lebenswichtig, denn sie reduziert das Risiko für tödliche Ertrinkungsunfälle deutlich. Darüber hinaus macht Schwimmen Spaß und fördert sowohl die Koordinations- als auch die Konzentrationsfähigkeit.

Aktuelles Problem:

Bedingt durch die Corona-Pandemie ist der Schwimmunterricht über einen langen Zeitraum ausgefallen. Dies hat zur Folge, dass wir in der diesjährigen Badesaison und Urlaubszeit eine besonders hohe Anzahl an nicht-schwimmfähigen Kindern und somit ein hohes Risiko für potenziell tödlich verlaufende Ertrinkungsunfälle haben.

Laut DLRG und einer Forsa-Umfrage sind fast 60% der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer, d.h. erfüllen nicht die Anforderungen für das Jugendschwimmabzeichen in Bronze (Freischwimmer).

Über dieses Thema habe ich mit Dorothee Dahinden vom Mutterkutter gesprochen und unsere Sorge zum Anlass genommen, um es auch in einem späteren Interview mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther zu thematisieren.

 

 

Ein Interview, das Dorothee Dahinden im Sommer mit mir geführt hat:

Snjezi, warum ist die Schwimmkompetenz von Kindern so wichtig?

Da ich mit meiner Familie in unmittelbarer Nähe der Ostseeküste lebe, ist mir die Schwimmkompetenz von Kindern sowohl beruflich als auch privat ein wichtiges Anliegen. Sicher schwimmen zu können, ist nicht nur eine lebensnotwendige Basiskompetenz. Sie stärkt zudem noch das Selbstbewusstsein von Kindern und stellt darüber hinaus im Freizeitbereich eine sehr gesunde Sportart dar. Außerdem ist sie auch für uns Eltern eine wichtige Grundvoraussetzung, um mit unseren Kindern eine möglichst unbeschwerte Zeit in der Nähe eines Gewässers zu haben; egal ob am Wohnort, im Urlaub oder am Pool der Nachbarn.

Hinzu kommt, dass ich aus meiner beruflichen Erfahrung leider weiß, dass Kinder beim Aufenthalt am Wasser sehr schnell in Lebensgefahr geraten können. Immer wieder kommt zu tragischen Unfällen mit oft tödlichem Ausgang. Darüber aufzuklären, dass Menschen schnell und vor allem leise ertrinken und Kinder dabei in besonderem Maße gefährdet sind, liegt mir sehr am Herzen. Mehr zum Thema Ertrinken, die lautlose Gefahr, findet ihr hier und hier.

 

Man hört nicht, wenn ein Kind ertrinkt, sondern bekommt es nur mit, wenn man es wirklich ununterbrochen im Auge hat!

 

Warum hat die Corona-Pandemie die Situation der Kinder in Bezug auf die Schwimmkompetenz verschärft?

Leider gab es auch schon vor der Corona-Pandemie viele Schüler:innen, die aus verschiedensten Gründen, nicht schwimmen konnten. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Situation jedoch dramatisch verschlechtert, so dass wir aktuell eine besonders ungünstige Konstellation haben. Einerseits haben wir durch den ausgefallenen Schwimmunterricht an Schulen und Schwimmbädern eine große Anzahl an Schüler:innen, die nicht schwimmfähig sind. Und andererseits haben wir durch die fehlenden Ausbildungszeiten der Rettungsschwimmer:innen und Fachangestellten für Bäderbetriebe gleichzeitig auch einen Mangel an erfahrenen Aufsichtskräften.

Dies hat in der aktuellen Badesaison leider schon zu einigen tragischen Ertrinkungsfällen geführt. Und die Saison ist noch nicht zu Ende. Leider wird sich das Problem mit dem Ende der Badesaison auch nicht auflösen. Denn die ausgefallenen Kurse werden sich so schnell nicht aufholen lassen; zumal wir nun mehrere Jahrgänge haben, die Kurszeiten benötigen.

Ein Problem also, dass uns noch eine Weile begleiten wird; egal, ob beim Besuch des Hallenbades oder beim kommenden Strandurlaub. Und leider ist die Gefahr für Ertrinkungsunfälle im Kindesalter –saisonunabhängig- auch im heimischen Garten oder dem nahegelegenen Fluss oder See gegeben. Aus diesem Grund müssen wir Erwachsenen immer ganz besonders wachsam sein, wenn Kinder in der Nähe von Wasser sind.

 

Schwimmunterricht Kinder die-kinderherztin

 

Die Schwimmhallen waren lange Zeit geschlossen. Die Nachfrage nach Schwimmkursen ist somit enorm groß und die Kurse sofort ausgebucht. Und nun? Können Eltern ihren Kindern auch selbst das Schwimmen beibringen oder Impulse setzen? Wenn ja: wie?

Mittlerweile gibt es im Netz, gerade zu diesem Thema, viele hilfreiche Seiten und Online-Angebote (z.B. hier oder hier ). Und ja: natürlich können Eltern ihren Kindern das Schwimmen auch selbst beibringen. Und vor allem können sie ihre Kinder schon früh an das Wasser gewöhnen und wichtige Themen zur Wassersicherheit -auch ohne ins Schwimmbad zu gehen- thematisieren.

Allerdings muss man in dem Zusammenhang auch sehen, dass viele Eltern im Homeschooling sehr belastet waren. Hinzu kommt, dass es nicht unbedingt leicht ist, Wissen so zu vermitteln, dass beide Seiten Spaß daran haben. Daher kann ich auch gut verstehen, wenn Eltern das Thema den Profis überlassen möchten. Wobei regelmäßiges Training mit den Eltern auch dann wichtig ist, wenn das Kind das Schwimmen in einem Schwimmkurs gelernt hat.

 

 Ab wann sollten Kinder denn Schwimmen lernen?

Grundsätzlich würde ich sagen: Je früher desto besser. Aus meiner Sicht sollten schon die Kleinsten frühzeitig an das Element Wasser gewöhnt werden. Mit der richtigen Betreuung und Anleitung wäre m.E. schon im Kindesalter die Teilnahme an einem Schwimmkurs möglich.

Im praktischen Alltag zeigt sich, dass zwischen vier und sechs Jahren ein gutes Alter ist, um Schwimmen zu lernen.

 

Welche Bewegungsabläufe sind wichtig fürs Schwimmen?

Für das Schwimmen sind Bewegungsabläufe wichtig, die z.B. die Koordination der Arm- und Beinbewegung trainieren, wie z.B. der altbekannte Hampelmann. Auch die räumliche Wahrnehmung ist wichtig, um sich im Wasser zurechtzufinden und die richtige Lage im Wasser zu üben. Doch Schwimmen lernen und können beinhaltet noch viel mehr als das; z.B. die richtige Atmung, das Tauchen oder Schweben in verschiedenen Lagen oder auch das zielgerichtete Gleiten mit Abstoßen vom Beckenrand.

 

Kind, das mit Taucherbrille schwimmen lernt

 

Du hast mir erzählt, dass die Corona-Pandemie dazu beigetragen hat, dass sich viele Kinder nicht ausreichend bewegen. Zusätzlich scheint es Defizite bei bestimmten Bewegungsabläufen zu geben. Was ist in der Pandemie passiert?

Corona-bedingt kam es im Kindes- und Jugendalter nicht nur zu einer Einschränkung der Bewegungs- und Sportmöglichkeiten, sondern auch zu einem Anstieg des Medienkonsums. Dies hat zu einem deutlichen Bewegungsmangel und durch den fehlenden Sportunterricht bzw. fehlende Trainingszeiten im Schul- und Freizeitbereich zu einem Mangel an Übungen zu bestimmten koordinativen Bewegungsabläufen geführt. Beispielsweise ist der o.g. Hampelmann ein Bewegungsablauf, den viele Kinder nicht können, der jedoch auch für das Schwimmen lernen wichtig ist und gut zu Hause geübt werden kann.

 

Welche Bewegungsabläufe sind denn wichtig fürs Schwimmen?

Um schwimmen zu lernen, ist nicht nur der Schwimmunterricht und die Übung im Wasser wichtig; sondern bspw. auch die Vermittlung von Wissen zur richtigen Atmung, den Eigenschaften, Besonderheiten und Gefahren von Wasser, Baderegeln oder auch den Grundzügen zur Ersten Hilfe. All diese wichtigen Punkte kann man den Kindern ganz wunderbar auch zu Hause oder in der Schule vermitteln.

Außerdem kann man beim Baden, Duschen oder gemeinsamen Spielen spielerisch Übungen einbauen (unter Aufsicht natürlich), bei denen die Kinder z.B. im Wasser blubbern, das Gesicht ins Wasser tauchen, die Augen unter Wasser öffnen (auch mit Schwimmbrille), im Wasser plantschen uvm.

„Trockenübungen“ zur synchronisierten Schwimmbewegung, zunächst der Arme und Beine und dann der Koordination von beidem, ist z.B. auch zu Hause auf einem Stuhl oder Hocker möglich.

 

Plastikente im Poolwasser

 

Was wäre aus deiner Sicht wichtig, um die Schwimmkompetenz zukünftig zu verbessern?

Zunächst einmal wäre es wichtig, jedem Kind einen wohnortnahen und günstigen Schwimmunterricht zu ermöglichen. Dafür sind natürlich Schwimmbäder besonders wichtig und sollten finanziell eher gefördert und bei Bedarf saniert, als geschlossen werden (was leider –unabhängig von Corona- wegen kommunaler Sparmaßnahmen vielerorts passiert ist). Außerdem wäre es wichtig, dass der Schwimmunterricht in Schulen fest in den Lehrplänen verankert wäre und Lehrkräfte darin unterstützt werden, Schwimmunterricht geben zu können.

Umfrageergebnisse zeigen, dass vor allem Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus sozial benachteiligten Familien deutlich später schwimmen lernen. Diese Kinder sollten speziell gefördert werden.

Darüber hinaus sollte noch viel mehr über die Gefahren einer fehlenden Schwimmkompetenz aufgeklärt werden. Das Ziel wäre aus meiner Sicht, dass spätestens zum Ende der Grundschulzeit, ein Bronze-Abzeichen und das Wissen über die Baderegeln ebenso wichtig wäre, wie z.B. das sichere Fahrradfahren und das Wissen zur Teilnahme am Straßenverkehr.

 

Photocredit @Dorothee Dahinden Mutterkutter

 

Interview mit dem Ministerpräsidenten Daniel Günther zur Schwimmkompetenz von Kindern:

Ende Juni des Jahres waren Dorothee Dahinden vom Mutterkutter, Anna Funck und ich zu Gast in der Staatskanzlei in Kiel und durften den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther zu Familien-relevanten Themen befragen. Unter anderem ging es um das Thema der Schwimmkompetenz von Kindern und seine Einschätzung zur Situation von Familien und Kindern in der kommenden Herbst-/Winter-Saison.

Aktuelle Situation:

Bedingt durch die Corona-Pandemie ist der Schwimmunterricht in den Schulen und Schwimmbädern über einen langen Zeitraum ausgefallen. Dies hat zur Folge, dass wir in der diesjährigen Badesaison und Urlaubszeit eine besonders hohe Anzahl an nicht-schwimmfähigen Kindern und somit ein hohes Risiko für potenziell tödlich verlaufende Ertrinkungsunfälle haben.

 

Was ist Ihr Ziel, um die Situation der Kinder zu verbessern, die nicht schwimmen können?

Das Ziel ist es, möglichst vielen Kindern einen schnellen Zugang zu Schwimmkursen zu ermöglichen.

Als Schirmherr verschiedener Organisationen, die sich für eine frühe Schwimmfähigkeit von Kindern engagieren, liegt mir das Thema -auch unabhängig von der aktuellen Situation- besonders am Herzen. Denn leider gibt es selbst in einem Land wie Schleswig-Holstein, das zwischen den Meeren liegt, einen großen Anteil von Schüler:innen, die im Grundschulalter nicht schwimmfähig sind. Die Corona-Pandemie hat das Problem natürlich verschärft.

Das Ziel unserer Bestrebungen ist es daher, so vielen Kindern wie möglich einen schnellen Zugang zu Schwimmkursen zu ermöglichen. Dafür gab es im Vorfeld beispielsweise auch schon Sondergenehmigungen, durch die einzelne Schwimmvereine frühzeitig wieder einen Schwimmunterricht für Schüler:innen anbieten konnten.

 

In dieser Badesaison müssen wir besonders wachsam sein und sollten unsere Kinder in Wassernähe nicht aus den Augen lassen.

Da wir das Problem, trotz großer Anstrengungen, so schnell nicht werden beheben können, ist es mir besonders wichtig, an die Eltern zu appellieren, ihre Kinder am Wasser nicht aus den Augen zu lassen. Selbst knietiefes Wasser kann für Kinder und vor allem für Kleinkinder schon lebensgefährlich werden. Auch die Gefahr von Binnengewässern ist nicht zu unterschätzen.

 

Danke an die DLRG, die vor Ort großartige Arbeit leistet und mit einer großangelegten Kampagne auf das Thema aufmerksam macht.

Mein Dank gilt der DLRG, die mit einer großangelegten Kampagne auf das Problem aufmerksam mach; insbesondere Familien dafür sensibilisiert und sich für die frühe Schwimmkompetenz von Kindern engagiert.

 

An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Günther für das freundliche Gespräch bedanken.

 

In dem Gespräch ging es nicht nur um die Schwimmkompetenz von Kindern, sondern auch um seine Einschätzung zur Situation von Kindern und Familien im Herbst.

 

Vorwort zum zweiten Teil des Interviews:

Ich persönlich gehe davon aus, dass sich die Corona-Situation mit Ende der Schulferien und Beginn der „üblichen“ Infektsaison im Herbst erneut zuspitzen und zu einem Anstieg der Inzidenzen führen wird. Dies wird sich vor allem auf den schulischen Alltag von Kindern und Jugendlichen auswirken. (Erweiterte) Quarantäne-Maßnahmen könnten die unglückliche Alternative zum Lockdown werden. Und somit zu einer erneuten Belastung von Familien führen.

Wie Daniel Günther die Situation von Kindern und Familien in der kommenden Herbst-/Winter-Saison einschätzt und wie er die Pandemie als Vater von zwei Kindern bisher erlebt hat, erfahrt ihr im zweiten Teil unseres Interviews auf dem Mutterkutter. In dem Beitrag bekommt ihr von Hebamme Kerstin Lücking und Psychologin Annika Rötters außerdem Tipps, was ihr gegen das Null-Bock-Tief in der Pandemie-Müdigkeit tun könnt.

 

Anmerkung: Alle medizinischen Beiträge auf meinem Blog dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden.

 

Bleibt gesund und munter

eure

Snježi

 

Share Tweet Pin It +1

You may also like

Previous PostErtrinken: die lautlose Gefahr
Next PostWelttag Erste Hilfe

No Comments

Schreibe einen Kommentar

de_DEGerman