Insektengiftallergie bei Kindern

Werbung: dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit und Kooperation mit ALK-Abelló

Allergien sind sicher den meisten von euch ein Begriff. Sie begegnen uns direkt oder indirekt sehr häufig im Alltag und sind zu bestimmten Jahreszeiten ein Dauerbrenner für den Arztbesuch. Während die schniefenden Patienten im Winter meist an einem Erkältungsinfekt leiden, sind es im Frühjahr oder zu bestimmten Pollenflugzeiten eher die schniefenden Allergiker. Ich kenne beides; sowohl aus meinem beruflichen als auch aus meinem privaten Alltag und weiß, wie einschränkend eine Allergie bisweilen sein kann. Sie raubt einem die Leistungsfähigkeit und führt einen gelegentlich an den Rand des Juckreiz-Wahnsinns. Bei Patienten mit einer Insektengiftallergie kommt jedoch noch mehr als das hinzu, denn sie kann potenziell tödlich verlaufen.

Doch fangen wir zunächst bei den Allergien im Allgemeinen an:

Allergien sind häufig:

Die Zahl der Allergiker hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. In Deutschland reagiert mittlerweile jeder dritte Mensch allergisch auf eine oder mehrere Substanzen. Allergien gehören zu den sog. Überempfindlichkeitsreaktionen und sind in den meisten Fällen durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf körperfremde, normalerweise harmlose Substanzen bedingt. Diese Substanzen werden Allergene genannt. Die häufigsten Allergene sind Eiweiße aus dem Pflanzen- und Tierreich, wie z.B. Nahrungsmittel, Blütenpollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Insektengifte. Die Gründe für die Entstehung einer Allergie sind Gegenstand zahlreicher Untersuchungen und in ihren Einzelheiten noch nicht vollständig geklärt. Meist handelt es sich um eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umweltbelastungen.

Überempfindlichkeitsreaktionen sind vielfältig und werden in verschiedene Typen eingeteilt (Typ I bis IV).

  • Für das heutige Thema betrachten wir vor allem die Typ-I-Reaktionen, zu denen die sogenannten atopischen Störungen (allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen), allergisches Asthma bronchiale und Neurodermitis) sowie viele allergische Erkrankungen (z. B. Nahrungsmittel- oder Insektengift-Allergien) gehören. Beispiele für die anderen Typen sind:
  • die Hashimoto-Thyreoiditis als Beispiel für die Typ-II-Reaktionen (überschießende Reaktion des Immunsystems auf körpereigenes Schilddrüsen-Gewebe),
  • die rheumatoide Arthritis als Beispiel für die Typ-III-Reaktionen und
  • die Kontaktdermatitis beispielhaft für die Typ-IV-Reaktionen.

Jeder Reaktionstyp hat seine Besonderheiten, wobei ich auf die genauen Mechanismen und Einzelheiten nicht weiter eingehen möchte.

 

 

Allergien bei Kindern:

In einer Langzeit-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (KIGGS), die das Robert-Koch-Institut durchgeführt hat, zeigte sich, dass fast jedes achte Kind an einer Allergie leidet und fast jedes fünfte Kind allergiegefährdet ist, d.h. Antikörper gegen bestimmte Allergene besitzt. Allergien gehören somit zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Kindern und Jugendlichen.

 

Schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxien) sind im Kindesalter selten, stellen jedoch immer einen akuten Notfall dar!

Allergien treten im Kindesalter zwar häufig auf; glücklicherweise sind schwere allergische Reaktionen (auch Anaphylaxie genannt) bei ihnen jedoch deutlich seltener als bei Erwachsenen. Am häufigsten treten sie bei Nahrungsmittelallergien (v.a. Erdnüsse, zusätzlich auch Milch, Ei, Nüsse, Fisch, Weizen und andere) auf. Anaphylaxien nach einem Insektenstich sind bei Kindern zwar auch seltener als bei Erwachsenen, jedoch können sie auch bei Kindern schwer verlaufen. Da es sich dabei immer um einen potenziellen Notfall handelt, möchte ich euch im Folgenden mehr darüber berichten.

 

Häufigkeit einer Insektengiftallergie bei Kindern:

Im Kindesalter leidet ca. 1 von 100 Kindern an einer Insektengiftallergie.

Das “Tückische” bei der Entstehung dieser Allergie ist, dass viele Familien gar nicht wissen, dass das Kind eine Allergie gegen das entsprechende Insektengift entwickelt hat. Das liegt daran, dass beim ersten Stich lediglich eine Sensibilisierung auf das Gift erfolgen kann, die – außer einer “normalen” Hautreaktion – noch keine erkennbar schweren Folgen hat. Das Immunsystem “merkt” sich zunächst nur das entsprechende Gift (den potenziellen Feind) und reagiert erst bei einem erneuten Kontakt mit einer allergischen Reaktion. Dafür fährt es dann förmlich “alle Geschütze” auf.

 

Auslöser der Insektengiftallergie:

In Deutschland sind vor allem Bienen und Wespen die Hauptauslöser von Insektengiftallergien. Auch Hummeln und Hornissen können Allergien auslösen, sind jedoch deutlich seltener. Mehr zu den Unterscheidungsmerkmalen dieser Insekten erfahrt ihr hier: https://www.insektengiftallergie.de/insektengiftallergie/die-wichtigsten-insekten

Die Wespengiftallergie ist mit rund 2/3 aller Fälle die häufigste Form der Insektengiftallergie. Das liegt nicht nur am größeren Vorkommen, sondern auch am aggressiveren Verhalten der Wespen. In Europa sind die sog. Kurzkopfwespen für einen Großteil der allergischen Reaktionen verantwortlich. Da auf dem Speiseplan dieser Wespenart auch Fleischprodukte stehen, können sie als ungebetene Gäste zum geselligen Grillbuffet im Sommer hinzukommen und zu schmerzhaften Begegnungen führen.

Kinder sind durch ihren natürlichen Entdeckergeist und durch das Spielen im Freien besonders gefährdet, in Kontakt mit einem stechenden Insekt zu geraten.

 

 

Insektengiftallergie, Symptome nach einem Insektenstich:

Nach einem Stich reagiert der Körper von Erwachsenen und Kindern grundsätzlich gleich. Das Immunsystem erkennt das Gift, mit dem es in der Vorgeschichte bereits Kontakt hatte und welches es als “gefährlichen Eindringling” eingestuft hat (Sensibilisierung beim ersten Stich). Dementsprechend veranlasst es sofortige Gegenmaßnahmen. Dabei wird ein ganz besonderes Wachpersonal des Körpers aktiviert, nämlich die sog. IgE-Antikörper. Da diese Aktivierung innerhalb kürzester Zeit erfolgt (davon kann so manch ein öffentliches Wachunternehmen nur träumen) wird diese Reaktion auch als allergische Reaktion vom Sofort-Typ oder Typ I Reaktion bezeichnet. Und weil die IgE-Antikörper-“Security” dabei eine wichtige Rolle spielt, spricht man auch von einer Antikörper-vermittelten Sofortreaktion. Neben den Antikörpern sind an dieser Reaktion auch verschiedene Botenstoffe, vor allem das Histamin, beteiligt.

Grundsätzlich sind folgende Reaktionen möglich:

– Lokalreaktion:

Auch bei Menschen ohne Allergien tritt nach einem Insektenstich eine unangenehme, jedoch meist harmlose, Lokalreaktion auf. Diese äußert sich durch Schmerzen sowie eine begrenzte Rötung und Schwellung im Bereich der Stichstelle.

– Verstärkte Lokalreaktion:

Hierbei kommt es an der Einstichstelle zu einer verstärkten Lokalreaktion. Diese tritt ebenfalls im Bereich der Einstichstelle auf, führt jedoch zu einer ausgeprägten Rötung und Schwellung, die mehr als 10 cm Durchmesser beträgt und länger als 24 Stunden anhält.

– Allgemeinreaktion (auch systemische Reaktion genannt):

Dabei führen die im Gift enthaltenen Eiweiße bei Insektengiftallergikern zu einer schnell auftretenden Reaktion, die Symptome verursachen können, die von der Stichstelle entfernt sind. Im schlimmsten Fall kann diese Reaktion alle Organsysteme (Haut/Magen-Darm-Trakt/ Lunge/Herz-Kreislauf-System) betreffen und schnell lebensbedrohlich verlaufen.

An der Haut kann sie sich z.B. durch einen Juckreiz an den Handflächen, Fußsohlen oder auch im Genitalbereich äußern. Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall können Symptome sein, die auf eine Mitbeteiligung des Magen-Darm-Traktes hinweisen. Plötzlich auftretende Heiserkeit, ein pfeifendes Atemgeräusch sowie Atemnot zeigen eine Mitbeteiligung der Atemwege an. Bei all diesen Symptomen sowie bei Herz-Kreislauf-Beschwerden oder dem gleichzeitigen Auftreten von Symptomen an unterschiedlichen Organ-Systemen ist ein sofortiges Handeln notwendig!

 

Insektengiftallergie, Diagnose:

Bei der Diagnosestellung spielt eine sorgfältige Befragung und Erörterung der Krankengeschichte (sog. Anamnese) im Arzt-Patienten bzw. Arzt-Eltern-Gespräch eine wesentliche Rolle.

Wichtig ist dabei vor allem die Klärung folgender Fragen:

  1. Von welchem Insekt wurde der Patient gestochen? Da dies nicht immer leicht zu beantworten ist, können folgende Angaben zur weiteren Eingrenzung hilfreich sein: Beschreibung der Situation, in der es zum Stich gekommen ist: z.B. Grillen auf der Terrasse oder Barfußlaufen über eine blühende Klee-Wiese? Wie sah das Insekt aus? Blieb nach dem Stich ein Stachel zurück? Eine kleine Übersicht der Charakteristika der einzelnen Insekten findet ihr auf der unteren Abbildung (für das heutige Thema sind die Insekten im unteren Teil der Abbildung relevant). Mehr zum Thema Insektenstiche erfahrt ihr hier. https://die-kinderherztin.de/insektenstiche-was-kann-ich-tun/
  2. An welcher Körperregion wurde das Kind gestochen?
  3. In welchem zeitlichen Ablauf traten welche Beschwerden auf und wie lange hielten sie an?

Zur weiteren Abklärung des Allergieauslösers können Haut- und Bluttestungen (z.B. Prick-Test, Testung auf spezifische IgE-Antikörper) mit dem vermuteten Auslöser erfolgen.

Daneben stehen heutzutage Methoden der molekularen Allergiediagnostik zur Verfügung, mit deren Hilfe man die allergieauslösenden Komponenten präzise ermitteln und somit die Differenzierung der vermuteten Allergene (Biene/Wespe) verbessern kann.

Für das weitere Vorgehen und zur Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen Kinder und Familien ist eine klare Diagnosestellung von entscheidender Bedeutung. Denn nur dadurch kann der Auslöser gemieden und im Notfall richtig gehandelt werden.

 

 

Vorbeugung = Vermeidung des Auslösers:

Die effektivste Maßnahme, um einer Sensibilisierung gegen das Insektengift und somit einer möglichen Allergie vorzubeugen, besteht in der Vermeidung von Insektenstichen. Bei bereits bekannter Insektengiftallergie ist die Vorbeugung eines erneuten Insektenstiches ein wichtiger Punkt, um eine potenziell lebensbedrohliche Allgemeinreaktion zu verhindern. Bei Kindern stellt dies jedoch eine besondere Herausforderung dar, da sie durch das (für sie wichtige) Spielen im Freien in besonderem Maße gefährdet sind.

Grundsätzlich ist es wichtig, Ruhe zu bewahren, wenn Wespen oder Bienen in der Nähe sind. An Orten, an denen sich die Insekten besonders gerne aufhalten, wie z.B. Mülleimer oder Wiesen mit blühendem Klee, sollten Kinder und ihre Eltern besonders aufmerksam sein. Bei der Kleidung sollten enganliegende Kleidungsstücke bevorzugt werden, da sich Insekten darin nicht so leicht verfangen können. Duftstoffe in Parfums oder Haarspray können für Bienen und Wespen ebenso verlockend sein, wie bestimmte Lebensmittel oder süße Getränke. Entsprechende Behälter sollten daher verschlossen gehalten und Essensreste im Gesicht oder an den Händen rasch entfernt werden.

 

Therapie einer Insektengiftallergie:

Die Therapie richtet sich u.a. nach der Schwere der Reaktion.

Bei einer Lokalreaktion sollte die Einstichstelle nach einem Insektenstich gekühlt werden.

Wärme oder Kälte?

Mittlerweile gibt es im Netz viele z.T. widersprüchliche Empfehlungen für das Vorgehen nach einem Stich. Dabei stellt sich vielen Betroffenen die Frage: Wärme oder Kälte? Die Tatsache, dass durch Hitze bestimmte Eiweiße im Insektengift denaturiert und somit in der Wirkung gemindert werden können, hat dazu geführt, dass es diverse Empfehlungen dazu gibt. Großangelegte Studien, die die Wirksamkeit belegen, gibt es bisher jedoch nicht.

Des Weiteren kommt hinzu, dass Wärme grundsätzlich zu einer Erweiterung der Blutgefäße führt und somit die Wirkung der vor Ort zuständigen Botenstoffe (z.B. Histamin) erhöhen kann. Insbesondere dann, wenn die Hitzeanwendung nicht punktgenau und mit einer definierten Temperatur erfolgt. Um die Folge-Symptome nach dem Stich (Schwellung/Rötung/Juckreiz) zu mindern, wird auch weiterhin empfohlen, die betroffenen Hautstellen zu kühlen. Womit, ist eigentlich egal: ein Coolpack ist natürlich super, aber nicht immer griffbereit. Kalte Lebensmittel- oder Getränkepackungen aus dem Kühlschrank sowie Gemüse aus dem Tiefkühlfach (z.B. eine Tüte TK-Erbsen) sind ebenfalls geeignet (bitte die TK-Packung vor dem Auflegen auf die Haut mit einem Tuch umwickeln).

Zusätzlich kann bei Bedarf ein Allergiepräparat (Antihistaminikum) eingenommen werden.

Sofern es zu einer verstärkten Lokalreaktion gekommen ist, kann zusätzlich noch das Auftragen einer Kortison-Creme oder die Einnahme eines Kortison-Präparates erforderlich sein.

Kinder, die an einer Insektengiftallergie leiden und mit einer Allgemeinreaktion auf den Stich reagiert haben, sollten mit einem Notfallset ausgestattet sein!

 

Zu einem Notfallset gehören:

  • ein schnell wirksames Antihistaminikum sowie
  • ein Kortison-Präparat in einer altersgerechten und unkomplizierten Verabreichungsform
  • Adrenalin zur Injektion in verschiedenen Dosierungen für Kinder. Diese sogenannten Autoinjektoren (wie z.B. dieses https://www.insektengiftallergie.de/anaphylaktischer-schock/notfallset-allergie) sind so konzipiert, dass sie einfach zu handhaben sind und von jedem angewendet werden können.

Das Notfallset sollte, zusammen mit einem schriftlichen Notfall-Plan (wie z.B. dieser https://kinderkliniken.de/klinik/zusatzangebote/lehrer/notfall_anaphylaxie.pdf), stets vom Patienten mitgeführt werden. Viele hilfreiche Infos rund um das Thema findet ihr z.B. auch auf der Seite des Deutschen Allergie- und Asthma-Bundes (https://www.daab.de).

Kinder mit einer Insektengiftallergie sollten ihr Notfallset immer bei sich tragen, also auch in der Schule und beim Sport. Um im Notfall auch dann eine schnelle und sichere Anwendung der Notfallmedikamente zu gewährleisten, wenn das Kind dazu selbst nicht (mehr) in der Lage ist, sollten Betreuungspersonen über die Handhabung des Notfallsets informiert und im Optimalfall darin geschult sein. In einigen Regionen werden für KiTas und Schulen spezielle Schulungen angeboten.

 

Notfälle im Kindesalter:

Spezielle Schulungen sind insofern wichtig, da gerade bei Notfällen im Kindesalter die Angst der Ersthelfer vor möglichen Fehlern häufig sehr groß ist. Auch wenn die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Erwachsenen und Kindern grundsätzlich gleich sind, sind Notfälle im Kindesalter per se mit vielen Ängsten verbunden. Nicht selten führt diese Hemmschwelle gerade bei Kindern dazu, dass erforderliche Maßnahmen nur verzögert erfolgen oder sogar unterbleiben. Daher sind die Aufklärung und ein entsprechendes Notfall-Training auch für Betreuungspersonen in der KiTa oder Schule besonders wichtig.

 

Was tun bei einem allergischen Notfall?

In Anlehnung an den oben genannten Notfall-Plan (siehe https://kinderkliniken.de/klinik/zusatzangebote/lehrer/notfall_anaphylaxie.pdf) solltet ihr bei einer beginnenden Allgemeinreaktion (Symptome siehe oben unter Allgemeinreaktion):

  1. Beim Kind bleiben, den Notarzt (112) verständigen und einen allergischen Notfall melden
  2. Das Antihistaminikum und das Kortison-Präparat entsprechend der im Notfall-Plan festgelegten Dosierung verabreichen
  3. Den Adrenalin-Injektor bereithalten und das Kind auf weitere Anaphylaxie-Zeichen beobachten.

Bei einer schweren Allgemeinreaktion solltet ihr:

  1. Den Adrenalin-Autoinjektor in den seitlichen Oberschenkel injizieren.
  2. Den Patienten entsprechend seiner Symptome lagern: Bei Atemnot: sitzend, bei Kreislaufbeschwerden: liegend, bei Bewusstlosigkeit: in stabiler Seitenlage.
  3. Bei Atemnot zusätzlich Spray anwenden.
  4. Notarzt verständigen (112) und allergischen Notfall melden
  5. Notfallkontakt benachrichtigen
  6. zusätzlich Antihistaminikum und Kortison (siehe oben) geben.

 

 

Ursächliche Therapie einer Insektengiftallergie:

Hyposensibilisierung:

Die Hyposensibilisierung ist bisher die einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit einer Insektengiftallergie. Sie ist dann angezeigt, wenn eine Sensibilisierung gegen das Insektengift (Blut-/Hauttest) nachgewiesen worden ist und es nach einem Insektenstich zu einer schweren Allgemeinreaktion gekommen ist. Beim Vorliegen zusätzlicher Risiken, wie zum Beispiel durch die Nähe zu einer Imkerei, kann die Hyposensibilisierung auch bei leichten oder mittelschweren Allgemeinreaktionen angezeigt sein.

Auch bei Kindern stellt die Hyposensibilisierung die einzige ursächliche Therapieform dar, mit der potenziell lebensbedrohliche Situationen nach einem Stich vermieden werden können. In der Regel ist eine Hyposensibilisierung ab einem Alter von fünf Jahren möglich. Bei jüngeren Kindern sollte in Absprache mit einem spezialisierten Allergologen eine individuelle Therapieentscheidung erfolgen.

Zur Klärung der Frage, ob eine Hyposensibilisierung beim Kind in Frage kommt und wie die konkreten Behandlungsmöglichkeiten aussehen, sollte man auf jeden Fall einen spezialisierten Allergologen aufsuchen.

Durchführung:

Bei der Hyposensibilisierung werden dem Patienten geringe Mengen des Allergens in steigender Konzentration verabreicht, bis sich das Immunsystem an das Allergen gewöhnt und eine Toleranz entwickelt hat. Die Einleitung der Behandlung erfolgt in der Regel unter stationären Bedingungen. Die darauffolgende mehrjährige (meist 3-5 Jahre) Erhaltungsphase wird meist ambulant bei einem Allergologen durchgeführt.

 

Respekt:

An dieser Stelle möchte ich allen Kindern, die ich bisher unter einer laufenden Hyposensibilisierungstherapie kennengelernt habe, ein dickes Lob aussprechen. Das tue ich zwar auch im direkten Kontakt, möchte die Gelegenheit nun aber auch hier nutzen und sagen, wie unfassbar cool und tapfer ich euch alle finde.

Denn ihr müsst euch vorstellen, dass sich die Kinder, die sich aufgrund einer Insektengiftallergie einer Hyposensibilisierung unterziehen, regelmäßig und das über mehrere Jahre in der Praxis vorstellen und das entsprechende Präparat subkutan verabreicht bekommen. Meist werden sie schon nach kurzer Zeit zu „Profis“ und lassen den Piks „ohne mit der Wimper zu zucken“ über sich ergehen. Ich bin mir sicher, dass viele Erwachsene allein schon bei dem Gedanken daran ein mulmiges Gefühl im Magen bekommen.

Doch die Mühe lohnt sich, denn die Erfolgsrate einer Hyposensibilisierung bei Insektengiftallergie ist auch bei Kindern sehr hoch und liegt zwischen 90 und 95%.

 

Viele hilfreiche Informationen rund um das Thema Insektengiftallergie findet ihr, ebenso wie auch ein mit mir geführtes Interview, auf der Seite: https://www.insektengiftallergie.de

Danke:

An dieser Stelle möchte ich mich bei ALK-Abelló für die freundliche Zusammenarbeit und Kooperation bedanken.

Ein ganz besonderer Dank gilt meinem Arbeitgeber, der nicht nur ein toller Chef ist und mir stets mir Rat und Rat zur Seite steht, sondern mir auch eine fundierte Ausbildung im Bereich der Allergologie ermöglicht.

 

Anmerkung:

Alle medizinischen Beiträge, die ich zu gesundheitlichen Themen auf meinem Blog verfasse oder veröffentliche, dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden.

 

Bleibt gesund und munter,

Eure

Snježi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto-Credit Beitragsbild: 123RF, übrige Fotos Pixabay

 

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12 Comments

  1. Mirjam Michaelis
    4 Wochen ago

    Liebe Snjezi, danke für den informativen Bericht. Ganz toll und hilfreich finde ich die Übersicht der Insekten. Ich Frage mich nämlich jedes mal was da gerade um mich herumliegt geschweige denn sticht ? LG Mirjam

    Reply
    1. die Kinderherztin
      4 Wochen ago

      Liebe Miri,
      Danke für Deine Rückemdlung und die lieben Worte.
      Ja, manchmal ist es nach einem Stich tatsächlich nicht leicht herauszufinden, welches Insekt es war. Da helfen solchen Abbildungen hoffentlich weiter.
      Liebe Grüße
      Snjezi

      Reply
  2. Alexandra
    4 Wochen ago

    Liebe Snjezie! Vielen Dank für diesen wieder sehr ausführlichen und gut verständlichen Artikel. Ich bin jetzt wieder super informiert und hyposensibilisiert 😉 für das Thema Allergien und ihre Auslöser.

    Reply
    1. die Kinderherztin
      4 Wochen ago

      Liebe Alexandra,
      Vielen lieben Dank für Deine Rückmeldung und die lieben Worte. Es freut mich sehr, dass ich Dich für das Thema (hypo)sensibilisieren konnte 🙂
      Liebe Grüße
      Snjezi

      Reply
  3. Anne
    4 Wochen ago

    Vielen Dank für den tollen und informativen Beitrag. Mir war bis heute nicht klar, wie schwerwiegend Insektenstiche für einige Personen sein können. Danke für die Aufklärung.
    Viele Grüsse von Anne

    Reply
    1. die Kinderherztin
      4 Wochen ago

      Liebe Anne,
      vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich freue mich sehr darüber.
      Liebe Grüße,
      Snjezi

      Reply
  4. Nicole
    4 Wochen ago

    Liebe Snjezie,
    ich ♡ deine wunderbaren, informativen und ausführlichen Beiträge. Du bist mit deinem großen fachlichen Wissen und deinem Herzen in der Art, wie du schreibst, zu finden.
    Genau die Mischung, die uns Müttern im Alltag hilft.
    Vielen Dank für deine Arbeit. :-*

    Reply
    1. die Kinderherztin
      4 Wochen ago

      Ohhhh liebe Nicole,
      herzlichen Dank für Deine lieben Worte. Darüber freue ich mich sehr.
      Liebe Grüße
      Snjezi

      Reply
  5. Jean
    4 Wochen ago

    Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag. Ich bin selbst Allergiker und weiß wie groß die Unwissenheit meines Umfeldes da ist. Aufklärung ist so wichtig !

    Reply
    1. die Kinderherztin
      4 Wochen ago

      Liebe Jean,
      herzlichen Dank für Deine Rückmeldung und alles Gute für Dich.
      Liebe Grüße
      Snjezi

      Reply
  6. Desiree
    4 Wochen ago

    Danke für den ausführlichen Bericht. Besonders toll finde ich die Übersicht der Insekten. Die werde ich mir gleich ausdrucken.
    Mir war gar nicht klar, was so ein Stich für Auswirkungen haben kann…

    Reply
    1. die Kinderherztin
      4 Wochen ago

      Liebe Desiree,
      ja, für einige Menschen kann so ein kleiner Stich folgenschwer sein.
      Danke für Deine liebe Rückmeldung.
      Viele Grüße
      Snjezi

      Reply

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