Magen-Darm-Infekte bei Kindern

Im Alltag mit Kindern gibt es einige Dinge, auf die (nicht nur) wir Eltern gut und gerne verzichten könnten. Magen-Darm-Infekte gehören definitiv dazu. Sie sind nicht nur äußerst lästig, sondern können gerade bei kleinen Kindern schwerwiegende Folgen haben.

Und mit genau diesen Folgen habe ich im beruflichen Alltag relativ oft und viel zu tun. Privat kenne ich sie natürlich auch; leider. Denn auch meine Jungs hatten sie: Magen-Darm-Infekte und zwar in sämtlichen Ausprägungen. Leider gab es zu ihrer Säuglingszeit noch keine Impfung gegen Rota-Viren, so dass wir genau mit diesem Keim im Krankenhaus gelandet waren. Der Aufenthalt war zum Glück schnell überstanden und ist den Jungs nicht mehr in Erinnerung geblieben.

Dafür weiß ich noch sehr genau, wie es sich angefühlt hat, als unser Großer und der Kleine, der damals noch ein Baby war, nichts mehr bei sich behalten haben und ich zusehen musste, wie sich ihr Allgemeinzustand stündlich verschlechterte. Dagegen konnte ich selbst als Mutter, die “nebenbei” auch noch Kinderärztin ist, nicht viel ausrichten. Umso glücklicher bin ich, dass es zumindest gegen diesen fiesen Erreger mittlerweile einen wirksamen Impfschutz gibt. Doch kommen wir zunächst zu den allgemeinen Fakten über Magen-Darm-Infektionen im Kindesalter.

Magen-Darm-Infekte:

Gerade in den eh schon trüben und nass-kalten Wintermonaten kommen sie gehäuft vor: Magen-Darm-Infekte (im Fachjargon auch als Gastroenteritiden bezeichnet). Und sie tragen durch ihre Anwesenheit definitiv nicht dazu bei, die Grundstimmung aufzuhellen. Ganz im Gegenteil: sie sind sehr lästig und insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder potenziell auch bedrohlich. Denn je kleiner der betroffene Mensch ist, umso geringer sind die Kraftreserven, die der Körper den Erregern entgegen zu setzen hat.

Erreger:

Viren:

Die weitaus häufigsten Erreger von Magen-Darm-Infekten sind (zumindest in unseren Breitengraden) Viren. Neben Rota-Viren, sind auch Noro-Viren sehr unangenehme Vertreter, die unseren Magen-Darm-Trakt in ungewollte Wallung bringen können. In den Zeiten, als meine Jungs noch klein waren und es noch keine entsprechende Schutzimpfung gab, waren Rota-Viren mit die häufigsten Errger, die – gerade bei kleinen Kindern – zu einer Klinikeinweisung geführt haben. Mittlerweile ist deren Häufigkeit zurückgegangen, dafür stehen nun die Noro-Viren als ursächliche Erreger ganz weit vorne.

Rota-Viren:

Im Vergleich zu anderen Durchfall-Erkrankungen verläuft eine durch Rota-Viren verursachte Magen-Darm-Infektion bei Säuglingen und Kleinkindern häufig besonders schwer. Die Beschwerden bestehen meistens über 2 bis 6 Tage und können zu erheblichen Flüssigkeitsverlusten führen. Sofern diese nicht rechtzeitig oder ausreichend ausgeglichen werden, kann der Zustand mitunter sogar lebensbedrohlich werden.

Noro-Viren:

Vor einigen Jahren waren diese Viren noch recht unbekannt und spielten kaum eine Rolle. Mittlerweile sind sie jedoch im Viren-Promi-Status rasant nach oben geschnellt und führen die Promi-Riege sogar an. Noro-Viren sind weltweit verbreitet und verursachen mittlerweile einen Großteil der Virus-bedingten Durchfallerkrankungen. Das Tückische an ihnen ist, dass sie sehr ansteckend und dabei auch noch wahre Überlebens-Künstler sind.

Weniger als 20 Erreger reichen schon aus, um einen Menschen krank zu machen. Und die Tatsache, dass ein infizierter Mensch Milliarden von Viren (über Stuhl und Erbrochenes) ausscheidet, erklärt, warum Noro-Viren so hochansteckend sind und sich die Erkrankung so schnell ausbreiten kann. Bei der Übertragung können sie sich nicht nur über die sog. Schmierinfektion, sondern auch über kleinste Tröpfchen in der Luft, die beim Erbrechen entstehen, verbreiten.

Überlebenskünstler:

Und als ob das nicht schon fies genug wäre, schaffen sie es auch noch, lange in der Umgebung zu überleben und infektionstüchtig zu bleiben. Geldscheine, Türklinken, Lichtschalter, Teppiche. An einigen Gegenständen können Noro-Viren mehrere Tage, manchmal sogar Wochen, überleben.

Trotz der vielen Nachteile hat die hohe Infektiösität dieser Viren auch einen klitzekleinen Vorteil: Die Immunantwort des menschlichen Körpers ist im Normalfall ebenfalls schnell und effizient. Daher dauern diese Infektionen meist nur wenige Stunden bis Tage an. Leider erkennt jedoch das Immunsystem die Viren bei einem erneuten Infekt nicht gleich wieder als “Feind”, da die Viren sehr schnell ihre Oberflächenbeschaffenheit (quasi ihr outfit) ändern und somit die “security” des Immunsystems locker austricksen können. Aus diesem Grund ist die Herstellung eines wirksamen Impfstoffes bisher auch nicht gelungen.

Bakterien:

Natürlich gibt es auch Bakterien, die Magen-Darm-Infektionen verursachen. Allen voran die Salmonellen. Daneben gibt es noch weitere Bakterien (z.B. Campylobacter jejuni, E. coli u.a.), auf die wir hier jedoch nicht näher eingehen müssen, da euch euer Kinderarzt im Falle einer solchen Infektion genauer darüber informieren wird.

Andere (selten):

Parasiten, z.B. Amöben

Übertragung:

Viren:

Sowohl bei den Rota- als auch bei den Noro-Viren ist die Übertragung in Form von Schmierinfektionen am häufigsten. Wenn z.B. nach dem Toilettengang noch Viren an den Händen zurückbleiben, können sie entweder über den direkten Kontakt oder indirekt durch das Berühren von Gegenständen (z.B. Türkliniken, Spielzeug) übertragen werden. Greift man anschließend mit der Hand an den Mund (meist unbemerkt), gelangen die Erreger in den Magen-Darm-Trakt und verursachen dort eine entsprechende Infektion. Auch über verunreinigte Lebensmittel oder Getränke können Viren übertragen werden.

Bakterien:

Salmonellen werden typischerweise über Lebensmittel übertragen. Die häufigsten Quellen für Salmonellen-infizierte Lebensmittel sind rohe, bzw. nicht vollständig durchgegarte Eier bzw. Eiprodukte (z.B. Mayonnaise, Cremes oder Salate auf Eierbasis, roher Kuchenteig, Speiseeis) sowie rohes oder nicht vollständig durchgegartes Fleisch (Hack o.ä.) und Rohwurstsorten wie Mett. Daneben können auch pflanzliche Lebensmittel kontaminiert sein.

 

Symptome:

Zu den klassischen Symptomen, wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall, muss ich sicher nicht viel sagen. Denn sie sind garantiert jeder / jedem von euch bekannt. Dazu können sich noch Appetitlosigkeit, Blässe, Kopfschmerzen, Fieber und andere Allgemeinsymptome gesellen. Bei einigen Erregern treten blutige Durchfälle auf.

 

 

Typisch für Rota-Viren sind z.B. plötzlich einsetzende wässrige Durchfälle, Erbrechen und Bauchschmerzen. Auch bei Noro-Viren ist die Symptomatik eine ganz ähnliche. Wobei ich aus meiner ganz persönlichen Erfahrung sagen muss, dass Noro-Viren nicht nur kurz und heftig wüten, sondern sich dafür auch gerne die nächtlichen Stunden aussuchen.

 

Tipp:

Ausgangsgewicht zu Beginn der Erkrankung notieren:

Im Falle eines anhaltenden oder schweren Magen-Darm-Infektes kann das Ausgangsgewicht eures Kindes für die ärztliche Beurteilung eine entscheidende Rolle spielen. Daher würde ich euch empfehlen, euer Kind (sofern möglich) gleich zu Beginn der Erkrankung zu wiegen. Wenn alles gut geht, werdet ihr das Gewicht vermutlich gar nicht weiter benötigen, wenn es eurem Kind im Verlauf jedoch nicht so gut gehen sollte, dann kann das Ausgangs-Gewicht hilfreich sein.

Wenn ihr keine Babywaage zu Hause habt, reicht es, wenn ihr euch selbst, einmal mit und einmal ohne Baby auf eine normale Waage stellt und daraus die Differenz (also das Gewicht des Kindes) ermittelt. Zeigt die Waage z.B. mit Baby auf dem Arm ein Gewicht von 70 kg und ohne Baby 63 kg an, dann hat das Kind ein Gewicht von ca. 7 kg. Diese Angabe kann im weiteren Verlauf und bei der Einschätzung des Zustandes für den behandelnden Arzt eine wichtige Rolle spielen.

Komplikationen:

Als Folge der wässrig-dünnen Stühle und des wiederholten Erbrechens kann es gerade bei sehr kleinen Kindern rasch zu Austrocknungserscheinungen kommen. Diese sog. Dehydratation kann sich an folgenden Symptomen bemerkbar machen:

Dehydratation:

  • Gewichtsverlust
  • schwacher Saugreflex
  • stehende Hautfalten
  • seltener Lidschlag
  • geringe Urinmenge bzw. trockene Windel
  • konzentrierter / dunkler Urin
  • Mundgeruch nach Aceton
  • eingesunkene Augen
  • eingesunkene Fontanelle (= Schädellücke bei Säuglingen)
  • trockenes Weinen, d.h. beim Weinen kommen keine Tränen
  • weißlich belegte, trockene Zunge

Solltet ihr eines oder mehrere der o.g. Symptome bei eurem Kind beobachten, dann solltet ihr das Kind unbedingt ärztlich untersuchen lassen (Kinderarzt bzw. Notaufnahme Kinderklinik)

Stationärer Aufenthalt?

In Abhängigkeit des kindlichen Allgemeinzustandes, der Symptome und des Gewichtsverlustes wird der Arzt entscheiden, ob eine ambulante Therapie noch ausreichend ist, oder das Kind stationär aufgenommen werden muss. Ein solcher Aufenthalt ist natürlich immer mit einer großen Sorge der Eltern verbunden, allerdings kann ich euch beruhigen, denn in den meisten Fällen wirkt eine Infusion, über die das Kind mit Flüssigkeit und Nährstoffen versorgt wird, relativ schnell wahre Wunder.

Vorbeugende Maßnahmen:

-Hygiene:

Händewaschen, Händewaschen, Händewaschen. Mit Wasser und Seife. Und ausreichend lange.

Desinfizieren ist auch gut, allerdings sollte dabei das Händewaschen keinesfalls vernachlässigt werden. Außerdem ist zu beachten, dass nicht alle Desinfektionsmittel gegen Noro- oder Rota-Viren wirksam sind. Daher gilt auch beim Desinfizieren: das vorherige Händewaschen nicht vergessen.

Gründliches Händewaschen:

  • nach jedem Toilettengang
  • nach dem Wickeln
  • vor und nach der Zubereitung von Speisen

 

Eigene Handtücher

  • Erkrankte sollten eigene Handtücher verwenden, die nicht neben den Handtüchern der anderen Familienmitglieder hängen sollten

Desinfizieren / Reinigen

  • vom Erkrankten berührte Gegenstände (Toilettensitz / Türklinken / Lichtschalter etc) sollten regelmäßig mit einem entsprechenden und wirksamen Desinfektionsmittel gereinigt werden

Waschen

  • benutzte Handtücher / Waschlappen / Bettwäsche sollten nur kurz benutzt und bei mind. 60°C gewaschen werden

 

Umgang mit Lebensmitteln:

  • Hitze macht viele Keime (z.B. Viren, Salmonellen) unschädlich, daher sollten die o.g. Lebensmittel bei mindestens 70°C gut durchgegart werden
  • die entsprechenden Lebensmittel bis zu ihrer Zubereitung kühl lagern
  • unterschiedliche Schneidebretter für Fleisch und Gemüse benutzen
  • nach der Zubereitung nicht nur die Hände, sondern auch die benutzten Unterlagen und Küchengeräte gründlich reinigen

Noch mehr Infos zu den verschiedenen Erregern und Tipps zur Vorbeugung findet ihr bei Bedarf zum Beispiel hier

Wichtig ist, dass nach einer Infektion die Erreger noch eine Weile über den Stuhl ausgeschieden werden (können). Daher sollten auch nach dem Abklingen der Krankheitssymptome die Hygiene-Maßnahme noch einige Tage fortgeführt werden.

 

-Impfung:

Schluckimpfung gegen Rota-Viren:

Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr und des schweren Verlaufes von Rota-Virus-Infektionen bei Säuglingen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) für Säuglinge eine entsprechende Schluckimpfung. Je nach Impfstoff werden dabei zwei bzw. drei Gaben verabreicht. Im Zusammenhang mit der Impfung ist zu beachten, dass die Impfserie möglichst früh begonnen und bis zu einem bestimmten Alter des Kindes abgeschlossen sein sollte.

Diese Empfehlung hat damit zu tun, dass der Darm von Säuglingen (unabhängig von einer Impfung!) in einer gewissen Zeit dazu neigt, sich in andere Darmanteile hinein zu stülpen (= Invagination). Nach Einführung des Impfstoffes wurden, gerade nach Verabreichung der ersten Gabe, unter 100.000 geimpften Kindern 1 bis 2 zusätzliche Invaginationen beobachtet. Aus diesem Grund gilt die Empfehlung, dass die Impfung gegen Rota-Viren bis zu einem bestimmten Alter des Kindes abgeschlossen sein sollte. Über die genauen Impfzeiten und die möglichen Nebenwirkungen wird euch euer Kinderarzt informieren und beraten.

Da eine Invagination per se ein Krankheitsbild ist, das gerade Säuglinge / Kleinkinder betrifft und bei ihnen zu einem Darmverschluss führen kann, möchte ich hier kurz die Symptome erwähnen. Insbesondere auch deshalb, weil sie sich bei ihnen in Form von blutigen Durchfällen äußern kann.

Symptome einer Invagination:

Bauchschmerzen, Erbrechen, Absetzen blutiger Stühle bzw. blutigen Schleims, schrilles Schreien mit Anziehen der Beine, Blässe, Angst, Unruhe.

Da beim Vorliegen einer Invagination die betroffenen Darmanteile relativ schnell absterben können, gilt:

Blutige Stühle sind immer ein Alarmzeichen und müssen rasch abgeklärt werden.

 

Therapie:

Im Falle einer Magen-Darm-Infektion versucht der Körper durch das Erbrechen und den Durchfall die krankmachenden Erreger auszuscheiden und sie somit möglichst schnell wieder loszuwerden. Das ist zwar unangenehm, eigentlich jedoch ein gar nicht so schlechter Reinigungsversuch des Körpers.

Leider bringt er jedoch auch Probleme mit sich: zum einen die Gefahr der Ansteckung für die Umgebung. Und zum anderen die Gefahr der Austrocknung für den Betroffenen. Denn durch den Durchfall und das Erbrechen werden nicht nur die unerwünschten Erreger ausgeschieden, sondern auch ganz viel Flüssigkeit und wichtige Blutsalze (= Elektrolyte).

Daher besteht die wichtigste Therapiemaßnahme bei Magen-Darm-Infekten darin, den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten auszugleichen und anschließend mit dem Kostaufbau zu beginnen.

Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes:

Am besten geeignet, um den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen, sind spezielle Fertigpräparate (Glukose-Elektrolyt-Pulver), die man in Wasser auflöst. Dabei handelt es sich um sog. orale Rehydratations-Lösungen (ORL). Manche Kinder trinken sie gerne, andere wiederum gar nicht, da sie geschmacklich (süß und salzig zugleich) nicht jedermanns Sache sind.

Neben den Fertigpräparaten gibt es im Netz auch eine Vielzahl von Rezepten, mit deren Hilfe man solche Lösungen selbst herstellen kann. Allerdings mischen sich bei der Zubereitung relativ schnell auch ungewollte “Fehlerteufel” ein, so dass man insbesondere bei Kleinkindern eher die Fertigpräparate bevorzugen sollte. Leicht gekühlt scheinen die Lösungen übrigens von den Kindern besser toleriert zu werden.

Wenn Kinder diese Lösungen verweigern, kann man versuchen, Tee (z.B. Kamille, Fenchel, oder aber den Tee, den euer Kind eh gerne trinkt) oder stilles Wasser anzubieten. Bei Bedarf kann der Tee mit etwas Traubenzuckerpulver gesüßt werden, was nicht nur die Trinkmotivation steigert, sondern den Körper der kleinen Patienten auch noch mit Energieträgern versorgt.

Kürzlich hat eine kanadische Studie gezeigt, dass bei älteren Kinder, die nur einen leichten Magen-Darm-Infekt hatten, eine Apfelsaftschorle aus gleichen Teilen Apfelsaft und stillem (!) Wasser einen positiven Effekt auf den Flüssigkeitsausgleich hatte.

Auf die Gabe von unverdünnten Fruchtsäften oder stark zuckerhaltigen Getränken (wie z.B. Cola) sollte verzichtet werden, da durch den hohen Zuckergehalt die Durchfälle verstärkt werden können.

Wenn Kinder gar nichts trinken möchten, dann muss man gelegentlich ein wenig tricksen und die Flüssigkeit in kleinen Mengen z.B. mit einem Löffel, einem Strohhalm oder einer Plastik-Spritze (z.B. die vom Fiebersaft) zuführen.

Wichtig ist: die Flüssigkeit regelmäßig in kleinen Mengen anbieten.

Stillen bzw. Säuglingsnahrung:

Gestillte Kinder sollten zwischen den ORL-Gaben ganz normal angelegt und gestillt werden.

Bei Säuglingen, die Flaschenmilch erhalten, kann die Säuglingsnahrung grundsätzlich normal weiter gegeben werden. Im praktischen Alltag zeigt sich jedoch häufig, dass gerade zu Beginn der Erkrankung in manchen Fällen eine Verdünnung der Flaschenmilch (d.h. auf die sonst übliche Menge an Wasser kommt etwas weniger Milchpulver) hilfreich ist. Im Zweifel wird euch der Kinderarzt über die individuellen Bedürfnisse eures Kindes bei einer Magen-Darm-Infektion beraten.

Was tun gegen den Durchfall?

Da es gegen die Viren, die die meisten Infektionen verursachen, keine spezielle Therapie gibt, ist eine medikamentöse Therapie in der Regel nicht notwendig bzw. auch nicht möglich. Insbesondere sollten bei Kindern keine Medikamente gegeben werden, die den Durchfall unterbinden. In einem solchen Fall würden die im Darm befindlichen Erreger nur verzögert ausgeschieden werden und somit die Krankheitsdauer verlängern.

Im Falle einer bakteriellen oder parasitären Magen-Darm-Infektion wird euer Kinderarzt vermutlich eine antibiotische Therapie verordnen. Auch wenn Antibiotika die eh schon angeschlagene Darmflora zusätzlich belasten, ist dies in einigen (wenigen) Fällen erforderlich.

 

Was tun gegen das Erbrechen?

Sollte euer Kind wiederholt erbrechen und dadurch die (evtl. mühsam) zugeführte Flüssigkeit nicht bei sich behalten können, dann kann in Absprache mit dem Kinderarzt ein sog. Antiemetikum (= Medikament gegen Übelkeit und Erbrechen) gegeben werden. Da es für den häuslichen Bedarf als Saft/Dragee oder als Zäpfchen verabreicht wird, ist die Aufnahme des Körpers bei Erbrechen und Durchfall natürlich nicht optimal. Aber einen Versuch ist es gelegentlich dennoch wert. In solchen Fällen macht es Sinn, den Trinkversuch ca. 20 Minuten nach Gabe des Medikamentes zu machen.

Appetit?

Gerade in den ersten Stunden erzwingt der Körper meist von sich aus eine Essenspause, die in so einem Fall ganz normal ist. Damit die Kinder nach dieser Essenspause nicht in einen Hungerzustand kommen, sollte man anschließend mit dem Kostaufbau beginnen. Für den Anfang eignen sich z.B. Salzcracker, Salzstangen oder Zwieback. Auch Traubenzuckerbonbons können hilfreich sein. Sobald der Infekt abgeklungen ist und die Kinder wieder gesund sind, wird sich auch ihr Appetit normalisieren. Dies erfordert jedoch in manchen Fällen ein wenig Geduld.

Kostaufbau:

Für den Kostaufbau bei einer Magen-Darm-Infektion haben sich folgende Lebensmittel bewährt:

  • Reisflocken (mit Wasser zubereitet)
  • aufgeschlagene, d.h. sehr fein zerdrückte reife Banane
  • geriebener Apfel (mit Schale)
  • Kartoffelbrei (ohne Milch und Butter)
  • fettarme Suppen/Brühe
  • Karotten, z.B. in Form der alt-bewährten Moro-Suppe.

 

Moro-Suppe:

Dafür werden 500 g Karotten geschält, in kleine Stücke geschnitten und in 1 Liter Wasser relativ lange (ca. 1-1,5 Stunden) gekocht. Sollte die Garflüssigkeit währenddessen verkochen, füllt man sie am Ende der Kochzeit wieder auf eine Gesamtmenge von 1 Liter auf, gibt 1 gestrichenen Teelöffel Salz hinzu und püriert das Ganze mit einem Mixer oder Pürierstab (Vorsicht: heiß). Durch das lange Kochen der Karotten entstehen sog. Oligosaccharide, die den Andockstellen (= Rezeptoren) der Darmwand sehr ähnlich sehen und die Viren dazu veranlassen, sich an die zugeführten Oligosaccharide und nicht an die Darmwand zu heften. Dies führt dazu, dass die Viren schneller ausgeschieden werden.

Wiederaufbau der Darmflora unterstützen:

Da sich die normale Darmflora nach einem Infekt erst wieder aufbauen und regenerieren muss, sollte man auch einige Tage nach dem Infekt auf eine leichte Kost achten und auf fettreiche Lebensmittel (Fleisch, Käse, Wurst), gebratene oder frittierte Speisen sowie unverdünnte Säfte bzw. unverdünnte Milch verzichten.

Frucht- und Milchzucker werden übrigens oft noch mehrere Wochen nach einem Magen-Darm-Infekt nur in geringen Menge vertragen.

Bis sich der Stuhlgang, gerade bei Kleinkindern, wieder ganz normalisiert, kann es durchaus einige Tage, gelegentlich auch Wochen, dauern. Unterstützend können 1-2 Esslöffel Natur-Joghurt mit lebenden Milchsäurebakterien gegeben werden.

 

Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Beitrag gut auf die Saison der Magen-Darm-Infekte vorbereiten konnte und wünsche euch einen gesunden Start in die bald schon beginnende Vorweihnachtszeit.

Diesen Beitrag durfte ich kürzlich auch als Gastbeitrag auf dem wunderbaren Blog der lieben Janina oh-wunderbar schreiben. Herzlichen Dank dafür, liebe Janina.

 

Anmerkung: Dieser medizinische Beitrag dient ausschließlich der Information. Er ersetzt in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden

 

Bleibt gesund und munter,

Eure

Snježi

 

 

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