Kopfverletzungen bei Kindern

Kopfverletzungen bei Kindern

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Warum Helme #hirnschützer beim Fahrradfahren so wichtig sind:

Aus meinem kinderärztlichen Alltag:

Kleinere Unfälle und Verletzungen gehören im Prinzip zu jeder Kindheit dazu. Auch wenn wir Eltern unsere Kinder am liebsten vor allen Unfällen und Gefahren beschützen möchten, gelingt dies leider nicht immer. Daher gibt es auch im kinderärztlichen Alltag eine Reihe von Unfällen und Blessuren, mit denen uns die kleinen und großen Patienten aufsuchen. Manche Verletzungen sind zwar schmerzhaft, jedoch schnell behandelt und verheilt, wie zum Beispiel die kleine Platzwunde auf der Stirn oder die Schürfwunde am Knie.

Einige Unfälle sind jedoch so schwerwiegend, dass sie unfallchirurgisch und/oder intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Zum Teil mit lebenslangen Folgen; im schlimmsten Fall mit tödlichem Ende. Hierzu gehören leider auch Kopfverletzungen, die nach einem Sturz mit dem Fahrrad entstehen und in den meisten Fällen durch das Tragen eines passenden Helms hätten verhindert werden können.

Aus meiner Erfahrung als Mama:

Fahrradfahren fördert nicht nur die Motorik, Ausdauer, Fitness und Koordination, sondern macht zudem auch noch ganz viel Spaß. Kein Wunder also, dass Fahrräder bei Groß und Klein sehr beliebt sind. Und das nicht erst seit der Corona-Pandemie. Nicht so beliebt sind allerdings die entsprechenden Fahrradhelme.

Als Mutter von zwei pubertierenden Jungs weiß ich leider aus eigener Erfahrung, wie kräftezehrend und nervig die Diskussionen um das Tragen eines Helms bisweilen sind. Daher möchte ich euch mit dem Beitrag informieren und euch ein paar kleine Hilfestellungen für die Entscheidungsfindung bzw. Argumentation mit eurem Teenager mitgeben. Nicht zu unterschätzen sind dabei übrigens wir Erwachsenen selbst. Denn unsere Vorbildfunktion ist von entscheidender Bedeutung. Tragen wir einen Helm, tragen ihn die Kinder meist auch; zumindest bis zu einem gewissen Alter.

Viele unwichtige Gründe bei einem wichtigen Thema:

Oft genug kenne ich allerdings von mir selbst, dem Freundes- Bekannten und Patientenkreis viele kreative Begründungen, wenn es um das Nicht-Tragen eines Helms geht. “Ich brauche keinen Helm, weil: ich erfahren bin und die Gefahr einschätzen kann / ich nur eine kurze Strecke fahre / ich darunter schwitze / er nicht zu meinem Outfit passt / meine Frisur danach im Eimer ist”… und vieles andere.

Kennt ihr das?

Vielleicht schon, denn diese Argumente sind im Alltag leider kein Einzelfall. Das mag unter anderem daran liegen, dass die meisten Fahrradhelme nicht unbedingt “schön” sind und gerade bei älteren Kindern und Jugendlichen als “uncool” gelten. Doch der Sinn eines Helmes liegt primär nicht darin, damit cool auszusehen (auch wenn es durchaus coole Helme gibt!). Es geht darum, etwas Wertvolles zu schützen. Nämlich das, was UNTER der Frisur steckt: unseren Schädel und das darin befindliche Gehirn. Und das ist richtig cool. Dementsprechend sind auch #hirnschützer richtig cool.

 

 

Wunderwerk Hirn:

Das Gehirn ist die Steuerzentrale unseres Körpers. Ein wahres Wunderwerk der Natur. Es lässt uns sehen, riechen, fühlen, schmecken, laufen, denken, erinnern, atmen, handeln, verstehen, kommunizieren, lieben und vieles mehr. Es bildet die Grundlage unseres Seins. Anatomisch gesehen besteht es aus einer unfassbar großen Anzahl an Nervenzellen: 100 Milliarden = 100.000.000.000! Diese unglaublich vielen Zellen sind über Kontaktpunkte miteinander verbunden und bilden ein komplexes Netzwerk. Würde man die Zellen und Verzweigungen nebeneinander legen, ergäbe sich eine Strecke von mehr als 100 Kilometern.

#hirnschutz:

Dieser “Super-Computer” liegt gut geschützt in einer knöchernen Schale und ist den Schutz mehr als wert. Denn wenn das Gehirn eines Menschen geschädigt ist und nicht mehr funktioniert, dann ist der Mensch hirntot. Ein Zustand, den ich in meiner beruflichen Laufbahn auf der Kinderintensivstation leider einige traurige Male miterlebt habe. Und genau darum geht es, wenn wir über Helme sprechen. Es geht nicht um die paar Haare, die auf unserem Kopf wachsen und die durch einen Helm durcheinander geraten können; es geht um die Vermeidung einer lebensbedrohlichen Verletzung und den Schutz unseres Super-Hirns #hirnschutz

 

 

 

Warum der knöcherne Schutz unseres Schädels als alleiniger Schutz nicht immer ausreicht:

Der Stärkere gewinnt, der Radfahrer verliert:

Täglich schieben sich bei Wind und Wetter lange Kolonnen von Radfahrern durch den Stadtverkehr vieler Großstädte. Sie teilen sich die Straßen mit vielen anderen (meist größeren und stärkeren) Verkehrsteilnehmern. Diese bunte Mischung birgt zwangsläufig auch die Gefahr von unliebsamen “Begegnungen”. Und auch wenn es zur Sicherheit aller Teilnehmer strenge Verkehrsregeln gibt, zeigen die Unfallstatistiken, dass sich nicht immer alle an diese Regeln halten. Leider zeigen sie auch, dass im Fall einer Kollision der “Stärkere gewinnt”. Und das sind die Radfahrer in aller Regel NICHT.

Hinzu kommt, dass Unfälle auch dann passieren können, wenn sich alle an die Regeln gehalten haben. Wenn z.B. der Untergrund, wie jetzt im Herbst, nass, rutschig oder auch uneben ist. Schnell liegt man als Radfahrer in der Horizontalen und ist darauf angewiesen, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer schnell und umsichtig reagieren.

Als Radfahrer ist man also von unzähligen Gefahrensituationen umgeben. Diese stellen schon für uns Erwachsene eine echte Herausforderung dar; für Kinder erst recht.

 

 

Kopfverletzungen, Zahlen aus der Unfallforschung:

  • Anstieg der Fahrradunfälle im vergangenem Jahr, vor allem bei Jugendlichen

Obwohl 2019 die Zahl der Toten auf deutschen Straßen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt abnahm, stieg die Zahl der Radfahrer, die ums Leben kamen, um mehr als elf Prozent an. Vor allem Jugendliche waren betroffen. Obwohl sie nur knapp acht Prozent der Bevölkerung ausmachen, waren mehr als zwölf Prozent der Getöteten zwischen 18 und 24 Jahre alt. Zahlen, die zu denken geben!

Auch zu denken geben diese Zahlen:

  • Nur jeder fünfte Radfahrer (bezogen auf alle Altersklassen) trug einen Fahrradhelm

Am besten geschützt waren Kinder von sechs bis zehn Jahren; in dieser Altersklasse trugen 82 Prozent einen Helm. Mit zunehmendem Alter sank die Rate der Helmträger und betrug bei Erwachsenen zwischen 7 und 23 Prozent.

Eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (2017) ergab:

  • bei rund 1/4 aller Fahrradunfälle kommt es zu Kopfverletzungen

Fahrradfahrer, die nach einem Unfall in Lebensgefahr schwebten, waren in mehr als 70 Prozent aller Fälle schwer am Kopf verletzt.

Das ist eine erschreckende Bilanz. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ein Großteil der Verletzungen am Kopf mit einem entsprechenden Helm hätten verhindert, oder zumindest reduziert, werden können. Denn der Helm dient dazu, die Wucht eines Aufpralles abzufangen. Er ist im Prinzip ein “Airbag bzw. eine vergrößerte Knautschzone” für unseren Kopf. Übrigens ist die Schwere der Kopfverletzungen nicht zwingend von der Fahrgeschwindigkeit abhängig. Denn auch eine Verletzung bei niedriger Geschwindigkeit kann schon verheerende Schäden am Kopf verursachen.

Somit hat der Helm vor allem eine wichtige Funktion: Kopfverletzungen zu verhindern und somit das Risiko für ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) zu reduzieren.

 

 

Kopfverletzungen, Allgemeines:

Kopfverletzungen sind gerade im Kindesalter häufig. In manchen Fällen gehen sie mit bleibenden Beeinträchtigungen einher, in einigen tragischen Fällen enden sie sogar tödlich. Sie können auf unterschiedlichem Wege entstehen und zu einem Funktionsverlust verschiedener Hirnareale führen. Daher ist die Kenntnis über den Unfallhergang und den zugrundeliegenden Unfallmechanismus für die Einschätzung besonders wichtig.

Unfall-Mechanismus bei Kopfverletzungen:

Um die Schwere einer Kopf-Verletzung und die möglichen Folgen abschätzen zu können, ist die Frage nach dem Unfallmechanismus im kinderärztlichen Alltag besonders wichtig:

Ist das Kind beim Rennen, z.B. auf dem glatten Fußboden im Haus oder im Schwimmbad ausgerutscht und auf den Hinterkopf gefallen? Ist das Baby vom Sofa mit niedriger Sitzhöhe langsam auf den mit Teppich ausgelegten Boden gerutscht? Oder ist es von der hohen Wickelkommode ungebremst auf den Steinfußboden gefallen? Ist das Kind auf dem Spielplatz von der Schaukel gefallen, als es gerade anfing zu schaukeln, oder als es schon eine bestimmte Höhe hatte? Ist es mit dem Fahrrad zur Seite gerutscht und mit dem Kopf auf den Gehweg gestürzt, oder wurde es vom Auto erfasst und in hohem Bogen durch die Luft geschleudert? Hier können (schwere) Begleitverletzungen innerer Organe (z.B. auch nach Sturz über den Fahrradlenker) vorliegen.  

All diese Unfälle passieren. Leider. Immer wieder.

Kopfverletzungen:

Es gibt eine Vielzahl von Verletzungsmöglichkeiten am Kopf. Sie reichen von oberflächlichen Schürfwunden der Kopfhaut, den z.T. stark blutenden Platzwunden, über Schädelprellungen bis hin zum schweren Schädel-Hirn-Trauma (SHT).

  • Schürfwunde
  • Platz,- Riss,-Quetschwunde:
  • Schädelprellung (ohne Funktionsstörung des Gehirns)
  • Schädel-Hirn-Trauma (mit Funktionsstörung des Gehirns; Einteilung nach verschiedenen Kriterien: offen/geschlossen und Schweregraden): Gehirnerschütterung / Gehirnprellung / Gehirnquetschung / Schädelfraktur /Gehirnblutung

Erfreulicherweise sind die meisten Kopfverletzungen leicht und erfordern meist keine weiteren medizinischen Maßnahmen. Allerdings können auch (scheinbar) geringe oder von außen nicht sichtbare Verletzungen am Kopf eine Hirnblutung oder -schwellung verursachen. Da die Symptome manchmal erst nach Tagen auftreten, sollte ein Patient mit einer Kopfverletzung sofort nach dem Unfall gründlich untersucht und im Verlauf beobachtet werden.

In Zusammenarbeit mit Elena, dr.med_muellner (Fachbereich Orthopädie und Unfallchirurgie):

Bei schweren Verletzungen arbeiten wir Kinderärzte eng mit den Neuro- bzw. Unfallchirurgen zusammen. Und auch in meiner online-Tätigkeit arbeite ich gerne mit einer lieben Kollegin zusammen. Elena ist Orthopädin und Unfallchirurgin, Mama einer süßen Tochter, kreativer Kopf, Besitzerin des family concept stores M600 sowie #medfluencerin auf Instagram. Für den heutigen Beitrag durfte ich einen Teil ihres Instagram-Beitrages zum Thema Kopfverletzungen verwenden.

In diesem hat sie unter anderem eine Checkliste erstellt und die wichtigsten Symptome zusammengefasst. Denn es ist wichtig, die möglichen Symptome nach einer Kopfverletzung zu kennen, um im Bedarfsfall rechtzeitig den Notarzt zu rufen oder ins Krankenhaus zu fahren.

Danke, liebe Elena, dass ich Teile deines Beitrags hier verwenden durfte <3

Wichtig:

Gerade bei Kleinkindern treten die Symptome oft erst nach einem sog. freien Intervall (6-12, selten auch 48 Stunden nach dem Unfall) auf. Grundsätzlich sollte man daher:

Das Kind nach einem Unfall genau beobachten! Am besten 48 Stunden lang.

Passiert der Unfall abends, sollte man das Kind zur besseren Überwachung im elterlichen Schlafzimmer schlafen lassen, stündlich wecken und auf Auffälligkeiten kontrollieren. War das Kind bewusstlos (auch nur kurz), sollte man immer einen Notarzt rufen. Zeigen sich innerhalb der 48 Stunden nach einem Unfall doch noch Auffälligkeiten, bitte in die nächste Klinik (mit MRT) fahren und abchecken lassen.

Bis zu 48 Stunden nach einer Kopfverletzung sollte jegliche Medikamentengabe (vor allem Schmerzmittel) nur in Rücksprache mit einem Arzt erfolgen, da sie die Symptome verfälschen und somit die Diagnose schwerer Kopfverletzungen verzögern können.

 

Kopfverletzungen, Symptome:

  • Schürfwunde:

Hierbei wird die oberste Schicht der Haut durch eine Abschürfung an einer rauen Oberfläche verletzt. Besonders häufig betroffen ist das Gesicht sowie Knie, Handflächen und die Ellenbogen. Meist handelt es sich um dabei um harmlose, oberflächliche Verletzung, deren Abheilung bisweilen jedoch etwas Geduld erfordert.

  • Platz,- Riss,-Quetschwunde:

Überall dort, wo die Haut und Unterhaut direkt über einem Knochen liegen, kann es durch ein stumpfes Trauma oder den Anprall eines kantigen Gegenstandes zu einer Platzwunde kommen. Gerade im Bereich des Kopfes (Stirn, Schädelkalotte) kommen sie bei Kindern häufig vor. Da diese Bereiche in der Regel gut durchblutet sind, neigen die Wunden dazu, stark und mitunter auch lange zu bluten, was in den allermeisten Fällen einen Arztbesuch zur Folge hat.

Bei der Riss-Quetschwunde kommt es zu einem Reißen der Haut über dem Ort der direkten Gewalteinwirkung und zu einer Verletzung der Unterhaut und der Muskulatur, oft mit starker Verunreinigung und der Ausbildung von Wundtaschen.

Da bei einer verunreinigten Wunde die Gefahr eine Tetanus Infektion sehr hoch ist, sollte in solchen Situationen immer auch der Tetanus Schutz überprüft werden. Mehr zum Thema Tetanus Schutz erfahrt ihr hier.

Was tun?

Erst einmal gilt: Ruhe bewahren! Im Falle eines Unfalls: Unfallstelle sichern! Hilfe anfordern.

Ich weiß, in einer Unfall-/Notfallsituation fällt es  sicher jedem von uns schwer, ruhig zu bleiben. Doch es ist wichtig, besonnen zu handeln. Denn Panik hilft weder euch noch eurem Kind!

Wenn das Kind gleich laut losschreit, ist das eigentlich ein gutes Zeichen, denn das heißt: es ist nicht bewusstlos. Schimpfen bringt jetzt auch gar nichts; nimm Dein Kind auf/in den Arm und beruhige es. Versuche, zu verhindern, dass es in die Wunde fasst. Lagere den Kopf immer leicht erhöht zum Herzniveau. Hast du ein Schleimhautdesinfektionsmittel (siehe z.B. hier) in der Handtasche: super! Nutze es, um die Wunde zu desinfizieren. Verbinde die Wunde (wenn möglich mit sterilen) Kompressen und leichtem Druck. Bitte eine andere Person, euch ins Krankenhaus zu fahren. Im Krankenhaus wird der Tetanus-Schutz überprüft, ggf. aufgefrischt und die Wunde fachgerecht versorgt (in einigen leichten Fällen der Platzwunde reicht z.B. die Versorgung mit einem speziellen Wundkleber).

  • Schädelprellung

Symptome:

Evtl. ist ein Bluterguss/sog. Prellmarke am Ort der Prellung sichtbar.

Kopfschmerzen sowie leichter Schwindel können auftreten.

Eine Schädelprellung geht OHNE Bewusstlosigkeit, Bewusstseinsstörungen oder Erinnerungslücken einher.

Was tun?

  1. Offene Wunde desinfizieren
  2. Beule vorsichtig kühlen
  3. Kind, wie in der Checkliste beschrieben: beobachten
  4. Körperliche Ruhe; kein TV/laute Musik
  5. Kopf leicht hochlagern

 

Schädel-Hirn-Trauma:

Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) bezeichnet jede Verletzung des Schädels (mit oder ohne Schädelbruch), die mit einer Schädigung/Funktionsstörung des Gehirns einhergeht. Die Einteilung erfolgt nach verschiedenen Kriterien und Schweregraden. Man unterscheidet z.B. das offene (offene Verbindung zum Hirngewebe) vom gedeckten SHT. Die Einteilung in Schweregrade (leicht / mittel / schwer) orientiert sich am Bewusstseinszustand des Patienten direkt nach dem Unfall und wird mit Hilfe einer international geltenden Skala (Glasgow Coma Scale, = GCS) eingeordnet. Dabei sagt der Grad der Verletzung i.d.R. auch etwas über die spätere Prognose aus.

  • Gehirnerschütterung (Commotio cerebri)

Symptome:

Hierbei handelt es sich um die leichte und häufigste Form eines Schädel-Hirn-Traumas. Typisch ist die Erinnerungslücke (direkt vor, während und/oder nach dem Unfall = sog. retrograde bzw. anterograde Amnesie) sowie in den meisten Fällen (nicht immer) eine Bewusstseinsstörung, die wenige Sekunden bis zu maximal 15 Minuten dauern kann. Dies erklärt, warum die Unfallopfer den Unfallhergang normalerweise nicht wiedergeben und erklären können.

Begleitend treten meist Symptome, wie Schwindel, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Zusätzlich kann es, als Ausdruck einer Fehlfunktion des Gehirns, zu einer veränderten Sinnes-Wahrnehmung (Licht-/Geräuschempfindlichkeit, veränderter Geruchs- bzw. Geschmackssinn) kommen. Bei Kleinkindern kann es zu längeren Schreiattacken kommen.

Was tun?

  1. Kopf hochlagern und die Checkliste abarbeiten
  2. Kein Essen oder Getränke anbieten; solange, bis im Krankenhaus Entwarnung gegeben wird
  3. Bei Bewusstlosigkeit: Kind in die stabile Seitenlage bringen und
  4. Notarzt rufen
  5. Bis zum Eintreffen des Notarztes: regelmäßig Puls und Atmung kontrollieren
  6. Im Falle eines Kreislaufstillstandes: mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen

 

  • Gehirnprellung und -Quetschung:

Symptome:

wie bei der Gehirnerschütterung, jedoch deutliche Bewusstseinsstörung und zusätzlich neurologische Ausfälle (Lähmungen, Taubheit, Reflexausfälle, Krampfanfall)

Was tun?

  1. Lässt sich das Kind nicht erwecken, da es z.B. tief bewusstlos ist, bitte unbedingt Ruhe bewahren.
  2. Sofort den Notarzt rufen!
  3. Auf keinen Fall panisch schütteln.
  4. Als erste Hilfe Maßnahme: wie bei der Gehirnerschütterung.
  5. Bei Kreislaufstillstand mit Wiederbelebung beginnen

 

  • Schädel-Fraktur:

Bei einer Schädel Fraktur kommt es durch die Gewalteinwirkung am Kopf zu einem offenen oder gedeckten Schädelbruch. Ist der Patient bewusstlos, zielen die ersten Maßnahmen am Unfallort darauf ab, die Vitalfunktionen (wie Kreislauf und Atmung) zu sichern (siehe oben).

 

Kopfverletzungen, Komplikationen / begleitende Verletzungen:

Hirnblutungen:

Dabei handelt es sich um Blutungen unterhalb der Schädeldecke/im Gehirn, die Druck auf bestimmte Hirnareale ausüben und daher lebensbedrohlich sein können. Da sie von außen nicht sichtbar sind und sich die Symptome (siehe oben) in einigen Fällen erst 1-2 Tage nach dem Unfall bemerkbar machen können, ist die Beobachtung des Kindes nach einem Unfall so wichtig. Dies gilt natürlich auch für Kopfverletzungen bei Erwachsenen!

Nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma und der meist neurochirurgischen Versorgung erfolgt die Weiterbehandlung meist in einer Spezialklinik oder einer Einrichtung für Früh-Rehabilitation. Durch ein spezialisiertes Team aus Fachärzten, Physio-/Ergotherapeuten und Logopäden ist eine umfassende Nachbehandlung erforderlich, um im besten Fall die Wiedererlangung verlorengegangener körperlicher, geistiger und sprachlicher Fähigkeiten zu ermöglichen.

Wirbelsäulen Verletzungen:

Bei 10% der schweren SHT liegt auch eine Verletzung der Wirbelsäule vor. Deshalb ist es wichtig, gerade bei Stürzen, Verkehrsunfällen und anderen Hochrasanztraumen (Unfallgeschehen bei hoher Geschwindigkeit) auf entsprechende Hinweise darauf zu achten.

Immer, wenn das Kind nach einem Unfall Nackenschmerzen angibt, sollte dies ernstgenommen werden. Sofern möglich, sollte der Hals in Neutralstellung immobilisiert werden. Im Zweifel sollte der Rettungsdienst hinzugezogen werden, um den Nacken professionell ruhig zu stellen. Sollte das Kind erst am Tag nach dem Unfall Schmerzen angeben, sollte eine Abklärung beim Orthopäden oder im Krankenhaus erfolgen.

 

Ab in`s Krankenhaus bzw. Hinzuziehen des Notarztes bei folgenden Symptomen:

Falls eines dieser Symptome (bis zu 48 Stunden) nach einer Kopfverletzung auftritt, solltet ihr mit eurem Kind in eine Notfallambulanz fahren bzw. den Notarzt rufen:

  • Bewusstlosigkeit
  • Erbrechen / erneut auftretendes Erbrechen nach scheinbar anfänglicher Besserung
  • Starke / zunehmende Kopfschmerzen
  • Äußerlich sichtbare Schädelverletzungen, die über einen kleinen Bluterguss/Prellmarke hinausgehen
  • Flüssigkeitsaustritt (blutig u/o wässrig) aus der Nase oder den Ohren
  • Schielen oder andere Auffälligkeiten der Augen (Differenz der Pupillengröße, verzögerte Reaktion der Pupillen auf Licht)
  • Auffällige Verhaltens- u/o Wesensveränderungen
  • Verwaschene oder lallende Sprache
  • Gefühlsstörungen oder Lähmungen
  • Krampfanfall (generalisiert oder fokal; mehr dazu siehe auch hier)
  • Kreislaufprobleme (Frieren, Blässe, beschleunigte Atmung und Puls) bis hin zum Kreislaufversagen

 

Helme #hirnschützer = gute Investition:

Gute Helme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssen nicht teuer sein. Wichtig ist jedoch, dass sie geprüft sind, der EU-Norm entsprechen und vor allem auch gut passen. Das heißt, der Helm kann seine Schutzfunktion nur dann erfüllen, wenn er weder zu klein, noch zu groß ist, nicht zu hoch sitzt und auch nicht wackelt. Auch sollte man beachten, dass die Befestigungsgurte vor und hinter dem Ohr verlaufen und am Kinn etwas Platz haben sollten. Ich persönlich würde übrigens, gerade für den Kauf eines Kinder-Helmes und die entsprechende Beratung, immer ein Fachgeschäft vor Ort bevorzugen.

 

Was man bei der Mitnahme von Säuglingen/Kleinkindern auf dem Fahrrad beachten sollte:

Wenn Säuglinge mit einem Fahrrad transportiert werden sollen, solltet ihr einiges beachten. Um im Kindersitz mitfahren zu können, sollte das Baby bereits selbstständig und sicher sitzen können. Auch dann sollten die Fahrten möglichst kurz sein, um die Muskulatur des Babys nicht zu sehr zu beanspruchen. Natürlich sollte auch hier der Helm nicht fehlen, allerdings gibt es diese erst ab einer bestimmten Kopfumfangsgröße, so dass die meisten Kinder um den ersten Geburtstag herum einigermaßen sicher auf dem Kindersitz des Fahrrads mitfahren können.

Bei Fahrradanhängern ist, je nach Herstellerangabe, auch die Mitnahme eines (jüngeren) Säuglings möglich. Allerdings sollte man sich auch hier gut beraten lassen und im Zweifel auch den Kinderarzt vor Ort befragen, denn nicht alle Modelle sind für eine sichere Mitfahrt von Babys geeignet.

 

WICHTIGE Anmerkung:

Alle medizinischen Beiträge und Gastbeiträge, die ich zu gesundheitlichen Themen auf meinem Blog veröffentliche, dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden. Sie erheben auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte beachtet daher auch immer den Disclaimer/Haftungsausschluß.

 

Vielen Dank liebe Elena für die Zusammenarbeit bei diesem wichtigen Thema. Ich hoffe, wir konnten euch mit dem Beitrag ein paar wichtige Infos und Tipps zum Thema Kopfverletzungen geben.

 

Bleibt gesund und munter und passt, ganz im Sinne von #ilovemybrain, stets gut auf euer Super-Hirn auf

eure

Snježi

 

 

 

 

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