Läusebefall beim Kind: was tun, wenn`s juckt?

Werbung wegen Quellenangabe (unbeauftragt / unbezahlt)                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

Wenn euch die aktuelle Version eines bekannten TV-Formates, das ursprünglich mal im australischen Dschungel stattfand, langweilen sollte, habe ich alternativ eine kleine Krabbeltier-Trilogie inclusive Ekel-Faktor-Garantie für euch. Im Gegensatz zu den “Promis” der Sendung ist dieses Krabbeltier vom Berühmtheitsgrad ein echter Mega-Star, denn kennen tun ihn sicher die meisten von euch; zumindest vom Namen her. Mögen tun ihn allerdings die Wenigsten und mit ihm zu tun haben möchte auch keiner.

Hinzu kommt, dass die derzeitigen Kontaktbeschränkungen es förmlich in die soziale Isolation treiben und womöglich sogar seine Existenz bedrohen. Denn auch dieses Promi-Krabbeltier braucht den Menschen und kann ohne ihn sein juckendes Unwesen nur sehr eingeschränkt bis gar nicht treiben. Doch sobald sich die Beschränkungen lockern, wird es ziemich sicher wieder da sein: die Promi-Laus.

 

Krabbeltier-Trilogie Teil 1:

Läuse:

Und damit ihr dann bestens gerüstet seid, gibt es heute ein paar Infos dazu. In den nächsten Tagen folgt dann Teil 2 und 3 der Trilogie, denn ein bisschen Ekel-Faktor habe ich noch für euch.

Na, juckt es schon? Viele Menschen verspüren nämlich einen sofortigen Juckreiz, sobald sie den Begriff Läuse hören. Ich gehöre definitiv auch dazu und bin froh, dass meine Hände beim Schreiben dieses Beitrags vorrangig mit der Tastatur beschäftigt sind 😉 Was es mit den nervigen Plagegeistern auf sich hat und was ihr bei der Behandlung derselbigen beachten solltet, erfahrt ihr im folgenden Text.  

 

Läuse  

Läuse:

So klein sie auch sind, Potenzial zum Nerven haben sie und zwar reichlich! Läuse erfreuen sich gemeinhin keiner großen Beliebtheit. Egal ob uns eine Laus über die Leber läuft oder uns am Kopf juckt- der Besuch einer Laus fühlt sich einfach lausig an.  

Wer ist nun diese Laus?

Die Laus, um die es hier gehen soll, ist die Kopflaus, oder lateinisch Pediculus humanus capitis. Sie ist ein kleines (zwischen 2 und 3 mm groß) flügelloses und blutsaugendes Insekt. Sie verfügt über 6 Beine, die jeweils mit klauenartigen Fortsätzen versehen sind und ein Mundwerkzeug, mit dem sie stechen und Blut saugen kann. Zum Überleben sind Kopfläuse auf uns Menschen, besser gesagt unser Blut und die gleichbleibende Körpertemperatur, angewiesen. Außerhalb des Körpers, bei Raumtemperatur, überleben sie nur 2 bis maximal 3 Tage.

Bei einem Kopflausbefall (=Pedikulose oder Pediculosis capitis) legen bzw. kleben die Weibchen ihre Eier an die Haare nahe der Kopfhaut an. Beliebt sind dabei die Bereiche hinter den Ohren oder im Nacken. Etwa eine Woche später schlüpfen aus den Eiern Larven, die wiederum nach 9- 11 Tagen geschlechtsreif werden. Nach weiteren 3 Wochen legt diese neue Generation erneut ihre Eier ab. Läuse leben ca. 4 Wochen. Weibchen können im Laufe ihres Lebens bis zu 140 Eier legen. Kopfläuse kommen überall auf der Welt vor, in unseren Breitengraden übertragen sie keine weiteren Krankheitserreger.  

 

Läuse; Größenverhältnis einer Laus

 

Läuse: Wie stecke ich mich an?

Zunächst einmal hat der Befall mit Kopfläusen nichts mit mangelnder Sauberkeit oder Hygiene zu tun!

Die Eier der Läuse sind nicht wasserlöslich und können deshalb auch nicht durch das normale Haare waschen beseitigt werden. Läuse werden in der Regel von Haar zu Haar und deshalb bei engem Körperkontakt übertragen. Das ist der Grund warum ein Ausbruch in Kitas und Schulen häufig ist, da beim gemeinsamen Pläne schmieden, spielen und kuscheln natürlich die Köpfe zusammen gesteckt werden. Theoretisch kann es auch zu einer Übertragung durch Gegenstände kommen, wenn beispielsweise die Mütze, das Kopfkissen oder die Bürste einer erkrankten Person geteilt werden. Da die Kopflaus aber nur sehr ungern den Kopf verlässt, spielt dieser Übertragungsweg eine eher untergeordnete Rolle.  

 

Läuse: Wie merke ich, dass ich mich angesteckt habe?

Das wohl am besten bekannte Symptom beim Kopflausbefall ist der Juckreiz. Der Juckreiz ist, ähnlich wie bei einem Mückenstich, die Reaktion des Körpers auf den Speichel der Kopflaus, den sie beim Blutsaugen in der Einstichstelle zurück lässt. Dadurch kommt es gelegentlich auch zu einem Hautausschlag, der als Läuseekzem bezeichnet wird. Ein Läuseekzem macht sich durch kleine rote Punkte, medizinisch Papeln, auf der Kopfhaut und im Nacken bemerkbar. Manchmal kann sich dieser Ausschlag durch das Kratzen der Haut entzünden.

Wichtig zu wissen:

Es gibt auch Menschen, die nicht auf den Speichel der Laus reagieren und deshalb keinen oder nur wenig Juckreiz verspüren. Gibt es im näheren Umfeld einen Kopfläusebefall sollte man deshalb immer genau nachschauen; egal, ob es juckt oder nicht!

Kopf/Haare nach Läusen absuchen:

Zunächst einmal sollte man den Kopf und die Haare Strähne für Strähne nach Läusen und deren Eiern, den sogenannten Nissen, absuchen. Gerne verstecken sich die Läuse hinter den Ohren oder im Nackenbereich. Mitunter ist es nicht einfach, die normale Kopfschuppen optisch von den ebenfalls kleinen, hellen Nissen zu unterscheiden. In diesem Fall kann es hilfreich sein, mit dem Finger über das jeweilige Haar zu streifen. Während sich Schuppen leicht abstreifen lassen, kleben die Nissen hartnäckig an den Haaren. Wenn man das verdächtige Haar einzeln zwischen Zeigefinger und Daumen nimmt und nach unten abstreift, kann man die Nissen mitunter als kleine Knoten am Harar ertasten. Gerade bei längeren und dichten Haaren ist dies jedoch nicht immer leicht.

Ein Trick für zu Hause ist, die Haare mit einer handelsüblichen Pflegespülung anzufeuchten und anschließend mit einem Läusekamm Strähne für Strähne, vom Ansatz bis in die Spitzen, feucht durchzukämmen. Nach jeder Strähne sollte der Kamm abgestrichen werden, um zu prüfen, ob sich Läuse, Larven oder Nissen finden lassen. Läusekämme sind Spezialkämme, die in der Apotheke oder im Sanitätshaus frei verkäuflich sind. Ihre Zinken stehen maximal 0,2 mm weit auseinander und sind elastisch, somit können sie Läuse und Nissen sehr gut erfassen. Die Pflegespülung macht die Läuse bewegungsunfähig und zudem lassen sich die Haare leichter kämmen.  

 

Läuse: wie werde ich sie wieder los?

Ein Befall mit Kopfläusen wird durch die zweimalige (!) Anwendung eines Spezialshampoos und dem regelmäßigen nassen Auskämmen der Haare therapiert. Im Wesentlichen gibt es zwei verschiedene Arten von Shampoos, die die Kopfläuse abtöten. Eine Wirkstoffgruppe zielt auf das Nervensystem der Läuse und tötet sie dadurch ab. Darüber hinaus gibt es Mittel, die die Läuse einhüllen und ersticken. Beide Wirkstoffgruppen sind geeignet, die kleinen Plagegeister loszuwerden. Allerdings gibt es bei einigen Präparaten eine zunehmende Resistenzbildung, wodurch die Läuse gegen das Mittel unempfindlich werden können und die Wirkung behindern. Euer Kinderarzt vor Ort wird euch bei der Wahl eines geeigneten Mittels beraten.

Bei sämtlichen Präparaten ist es wichtig, die Gebrauchsanweisung genau zu beachten!

Die häufigsten Fehler, die ein ungewolltes Überleben der Läuse zur Folge haben, sind:

  • Einwirkzeit des Shampoos zu kurz u/o
  • Menge des Shampoos zu gering u/o
  • Verdünnung des Mittels bei zu nassen Haaren zu stark u/o
  • unzureichende Verteilung des Mittels!

Anwendung:

Die Anwendung des Shampoos erfolgt an Tag 1 und Tag 9.

Die Wiederholungsbehandlung an Tag 9 ist unbedingt notwendig, um auch die Larven zu erwischen, die in der Zeit seit der ersten Behandlung geschlüpft sein könnten!

Neben der Behandlung mit einem Anti-Läuseshampoo ist das regelmässige nasse Auskämmen der Haare mit einem Läusekamm wichtig, um die Läuse/Nissen sicher zu entfernen. Dabei sollte man die Haare Strähne für Strähne, von oben nach unten, auskämmen (Tag 1, 5, 9,13 und 17; oder häufiger). Das nasse Auskämmen an Tag 17 ist mehr von diagnostischem Wert, um sicher zu gehen, dass sich keine Nissen, Larven oder Eier mehr auf dem Kopf befinden. Gelegentlich lassen sich noch einige Zeit nach erfolgreicher Behandlung leere Hüllen der Nissen an den Haaren finden. Im Gegensatz zu noch “lebenden” Nissen knacken diese Hüllen nicht, wenn man sie zwischen den Nägeln zerdrückt (spätestens jetzt sollte der Ekelfaktor aufkommen, oder ;)) Wenn ihr euch nicht sicher seid, solltet ihr im Zweifel euren Kinderarzt befragen.

Wichtig ist außerdem, dass alle betroffenen Personen so schnell wie möglich behandelt werden! Nur so kann die weitere Verbreitung und das immer wiederkehrende gegenseitige Anstecken verhindert werden. Die Anti-Läuseshampoos sind in der Apotheke frei verkäuflich, können aber bei Kindern bis 12 Jahren auf Rezept verordnet werden.  

 

Läuse; Behandlung mit Shampoos und Nissenkamm  

Läuse: Muss jetzt das ganze Haus auf den Kopf gestellt werden?

Da die Laus außerhalb des menschlichen Kopfes kaum überlebensfähig ist und auch den Kopf freiwillig nicht verlassen will, muss keine ausgedehnte Putzaktion gestartet werden.

Folgende Maßnahmen sind jedoch sinnvoll und sollten durchgeführt werden:

  • Einmaliges Waschen der Bettwäsche sowie der bei der Behandlung verwendete Handtücher und getragenen Kleidung, Lieblingskuscheltiere sowie kopfnahe Kleidung wie Mützen, Schals etc. bei 60 °C
  • Was nicht bei 60 °C waschbar ist, kann für drei Tage in einem Plastiksack verwahrt werden 

 

Läuse: Noch ein paar wichtige Hinweise zum Schluss

Der Befall mit Kopfläusen ist in Deutschland benachrichtigungspflichtig. Das heißt, dass bei der Erkrankung eines Kindes die Kita oder die Schule informiert werden muss. Von dort erfolgt die Meldung an das Gesundheitsamt. Erst nach erfolgreicher Behandlung ist der Besuch von Kita oder Schule wieder erlaubt. Je nach Richtlinien der jeweiligen Einrichtung wird die erfolgte Behandlung von den Eltern oder dem Kinderarzt bestätigt.

 

Fazit:

Auch wenn die derzeitigen Kontaktbeschränkungen dazu führen, dass es in dieser Wintersaison weniger Fälle mit Kopfläusen gibt als zuvor, so sollte man bei einem anhaltenden oder starken Juckreiz am Kopf stets an die Kopflaus denken. Und sollte es im näheren Umfeld einen Kopflausbefall geben, so sollte man die Haare gründlich nach Läusen und Nissen absuchen, denn gelegentlich gibt es auch Fälle, die ohne den typischen Juckreiz einhergehen.

Und? Kennt ihr sie, die sozial sehr kontaktfreudige Kopflaus? Und wenn ja: wie “kündigt ihr den ungewollten Mietvertrag” auf eurem Kopf oder dem eures Kindes?

In den nächsten beiden Teilen meiner Krabbeltier-Trilogie wird um zwei weitere Krabbeltierchen mit Ekelfaktor gehen. Bis dahin hätte ich noch die Zecke “im Angebot”. Den entsprechenden Beitrag findet ihr hier; und auch wenn die Zecke aktuell kein Thema ist, sie wird es wieder werden. Spätestens dann, wenn die Temperaturen wieder steigen und wir uns endlich wieder mehr im Freien aufhalten werden.

 

Anmerkung:

Alle medizinischen Beiträge, die ich zu gesundheitlichen Themen auf meinem Blog verfasse, dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden.

 

Bleibt gesund und munter und haltet Abstand. Damit schützt ihr euch nicht nur vor Covid-19, sondern auch vor ungewollten Mitbewohnern auf dem Kopf.

Bis bald

Eure

Snjezi

 

 

Quellen:

– Robert-Koch-Institut (RKI)

– Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzgA)

– Deutsche Pediculosis Gesellschaft e.V. (hier)

– Duale Reihe Pädiatrie, Sitzmann, 3. Auflage

Share Tweet Pin It +1

You may also like

Ich krieg die Krätze!

Posted on 24. Januar 2021

Kopfverletzungen bei Kindern

Posted on 7. Oktober 2020

Previous PostKomm mit ins Winterwunderland
Next PostIch krieg die Krätze!

No Comments

Schreibe einen Kommentar