Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit bei Kindern: häufig und nervig

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Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Hand-Fuß-Mund hört sich ein bisschen so an, wie die Schnell-Antwort “Hund-Katze-Maus” beim lustigen Ratespiel der ehemaligen Montagsmaler (na, wer kennt`s?). Und während die Montagsmaler ein längst ausgestorbenes TV-Format sind, ist die Hand-Fuß-Mund-Krankheit aktueller denn je. Denn sie ist nicht nur ein “Dauerbrenner” in Kinderarztpraxen, sondern auch ein häufiger, wenn auch nicht gerade gern gesehener, Gast in Kindertagesstätten und in Haushalten, in denen Kinder leben. Ich vermute daher, dass viele von euch schon in irgendeiner Form von dieser Erkrankung gehört haben.

Grundsätzlich ist die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) zwar harmlos ist und heilt meist auch folgenlos ab, allerdings ist sie eines auf jeden Fall auch, nämlich nervig. Und ansteckend ist sie noch dazu, so dass relativ schnell auch “alle was davon” haben. Somit also doppelt nervig…

Im praktischen Alltag stellt sich derzeit, grob geschätzt, mindestens einmal pro Woche eine Familie mit einem betroffenen Kind in der Praxis vor. Da der Name bereits viel über die Krankheit verrät und es quasi eine Blickdiagnose ist (da waren die Montagsmaler meist schwieriger zu erraten), haben die Eltern, die schon Erfahrung mit dieser Erkrankung haben, bei der Vorstellung meist auch schon die richtige Verdachtsdiagnose parat.

Und für alle anderen, die die Erkrankung noch nicht kennen und sich fragen, was die HFMK ist und was sie tun können, wenn ihr Kind betroffen ist, gibt es im folgenden Text (hoffentlich) die entsprechenden Antworten. Doch bevor es losgeht, möchte ich mich bei einer Person bedanken. Und zwar bei der lieben Metta Helena, die mir die Fotos ihres kleinen Sohnemannes, der kürzlich an der HFMK erkrankt war, freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Tausend Dank dafür. Mit den Bildern hilfst Du nicht nur mir und meiner Blog-Arbeit, sondern auch den Leserinnen und Lesern.

Definition Hand-Fuß-Mund-Krankheit:

Die HFMK ist eine für das Kindesalter typische und sehr ansteckende Viruserkrankung, die sich meist durch Bläschen an den Handflächen und Fußsohlen sowie schmerzhaften Aphthen im Mundbereich äußert.

Häufigkeit der Hand-Fuß-Mund-Krankheit:

Die HFMK tritt am häufigsten bei Kindern unter zehn Jahren auf, kann jedoch auch Erwachsene und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem betreffen. Sie kommt zu jeder Jahreszeit vor, zeigt jedoch einen Häufigkeitsgipfel im Spätsommer und im Herbst.

Ursache der Hand-Fuß-Mund-Krankheit:

Die HFMK ist eine Virus-Erkrankung, die durch sogenannte Enteroviren verursacht wird. Die Enteroviren sind eine bunt gemischte Gruppe von Viren, die zur Groß-Familie der Picornaviren gehören und sich wiederum in zahlreiche verschiedene Untergruppen unterteilen lassen. Enteroviren kommen weltweit vor, vermehren sich im Magen-Darm-Trakt des Menschen und werden über den Stuhl ausgeschieden. Sie sind zwar sehr kleine, jedoch ziemlich zähe Gegner des Immunsystems, die sich weder durch die körpereigene “Security”-Abwehr noch durch äußerlich angewandte Reinigungsmittel beeindrucken lassen. Dadurch erklärt sich auch schon ihre hohe Infektiösität und Ansteckungsfreudigkeit.

Coxsackie-A-Viren:

Am häufigsten wird die HFMK in unseren Breitengraden durch Coxsackie A-Viren, verursacht. Eine Übertragung der Erreger erfolgt dabei von Mensch zu Mensch entweder über

– direkten Kontakt mit:

  • Körperflüssigkeiten, z.B. Sekret aus den Bläschen, Speichel beim beliebten “Schnuller-Tausch”,
  • Kot, der zwar ekelige, aber leider gar nicht so seltene “Klassiker”, nämlich dann, wenn man sich nach dem Toilettengang mit ungewaschenen Händen ins Gesicht / an den Mund fasst. In der “eleganten” Variante heißt dieser Übertragungsweg übrigens fäkal-oral,
  • über kleinste Speichel-Tröpfchen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen übertragen werden = Tröpfchen-Infektion,

-oder indirekt über:

  • mit Viren behaftete Oberflächen (z.B. Spielzeug, Türklinken).

Die Übertragung über die Hände spielt somit eine wesentliche Rolle. Gerade in den ersten Tagen nach einer Infektion ist jedoch auch die Übertragung über Tröpfchen sehr häufig, da sich die Viren zu Beginn der Erkrankung in der Schleimhaut des Mund-Rachen-Raumes vermehren. Die Viren können übrigens auch noch Wochen nach der Infektion über den Stuhl ausgeschieden werden. Das Händewaschen nach dem Toilettengang lohnt sich also immer 😉

Wichtig: Für den Menschen sind lediglich die humanen Enteroviren relevant. Die bei Nutztieren auftretende Maul- und Klauenseuche hat also nichts mit der Erkrankung des Menschen zu tun.

Inkubationszeit der Hand-Fuß-Mund-Krankheit:

Die Inkubationszeit bezeichnet den Zeitraum zwischen der Infektion mit dem Erreger und dem Auftreten der ersten Symptome. Tückisch bei der HFMK (wie auch bei vielen anderen Erkrankungen) ist, dass die Betroffenen schon in den ersten Tagen nach der Infektion und somit VOR dem Auftreten der ersten Symptome ansteckend sind. In der Regel treten die ersten Symptome ca. 3-7 Tage (gelegentlich bis zu 2 Wochen) nach der Infektion mit dem Erreger auf.

Hand-Fuß-Mund-Krankheit: betroffenes Kind mit Bläschen um den Mund herum und an der Hand

Symptome der Hand-Fuß-Mund-Krankheit:

Allgemeinsymptome:

Die HFMK beginnt meist mit Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Hals- und Gliederschmerzen.

Ausschlag im Bereich der Mundschleimhaut:

Typisch ist zudem ein Ausschlag im Bereich der Mundschleimhaut (=Enanthem), der sich zunächst in Form von kleinen roten Punkten oder Bläschen und später in Form von Aphthen (kleine, schmerzhafte Schleimhautläsionen) äußert. Die schmerzhaften Aphthen können dazu führen, dass die betroffenen Kinder das Trinken verweigern. Wie auf dem oberen Bild erkennbar ist, können sich die Bläschen auch um den Mund herum bilden.

Ausschlag an den Handflächen und Fußsohlen:

In den meisten Fällen kommt es kurze Zeit später zum Auftreten eines Hautausschlages an den Handflächen und Fußsohlen. Meist sind es zunächst rote Punkte bzw. Flecken, die später in Bläschen übergehen. Während die anfänglichen Punkte meist noch keinen Juckreiz oder Schmerzen erzeugen, können die Bläschen sowohl schmerzhaft, als auch juckend sein. Durch ein Aufkratzen der Bläschen und den Kontakt mit dem infektiösen Blaseninhalt, kann sich der Ausschlag ausbreiten und z.B. auch den Windelbereich, die Arme oder Beine betreffen.

Atypische (= nicht-typisch) Verläufe:

Selten kann es auch zu einem sehr stark juckenden Ausschlag kommen (atypische Verläufe).

Asymptomatisch (= ohne Symptome):

In vielen Fällen verläuft die Infektion sogar ganz ohne Symptome.

Warum gibt es unterschiedliche Verläufe?

Die unterschiedlichen Verläufe erklären sich durch die unterschiedlichen Untergruppen der Viren. Die Vielzahl der auslösenden Viren ist außerdem ein Grund dafür, dass man mehrmals an einer HFMK erkranken kann. Zwar hinterlassen die einzelnen Viren eine typspezifische Immunität (=Schutz), allerdings kann man sich bei einem Kontakt mit einem anderen Virustyp erneut anstecken.

 

Hand-Fuß-Mund-Krankheit: betroffenes Kind mit Ausschlag an den Händen

Therapie der Hand-Fuß-Mund-Krankheit:

Symptomatisch:

Eine spezielle Therapie gegen die Viren gibt es leider nicht, so dass man die HFMK lediglich “symptomatisch” behandeln kann. Das heißt, man lindert bei Bedarf die Symptome z.B. mit fiebersenkenden oder schmerzlindernden Mitteln. Wichtig ist, dass die betroffenen kleinen Patienten ausreichend trinken. Dafür eignen sich Wasser oder Tees (Salbei, Kamille) am besten.

Aphthen:

Die schmerzhaften Aphthen im Mundbereich kann man mit einem betäubenden Gel behandeln, das auch bei Zahnungsbeschwerden verordnet wird (zB. dieses hier Anzeige). Der darin enthaltene Wirkstoff betäubt kurzfristig die Mundschleimhaut und lindert dadurch die Schmerzen. Größere Kinder, die schon mit einer Flüssigkeit gurgeln können, können zum Spülen der Mundschleimhaut eine Lösung mit Dexpanthenol verwenden (z.B. diese hier Anzeige). Unser jüngster Sohn, der (unabhängig von einer HFMK) leider recht häufig zur Aphthen-Bildung neigt, favorisiert übrigens Kokosöl (z.B. dieses Anzeige), das er langsam im Mund zergehen lässt und anschließend ausspuckt. Eine weitere, von ihm favorisierte “Therapie” besteht übrigens im Lutschen von Wasser-Eis. Er gibt jedoch an, dass auch das Eis gelegentlich einen anfänglichen Schmerz an der Aphthe verursacht, der durch die wohltuende Kühlung und den leckeren Geschmack meist jedoch schnell wieder nachlässt.

Ihr seht schon, die “Therapie” ist nicht ganz einfach. Was ich persönlich ungünstig finde, ist, dass viele der Mundgele auch Minzöl enthalten. Das mag vielleicht einen guten Atem bewirken und die Mitmenschen des Erkrankten erfreuen. Für den Patienten selbst finde ich es jedoch eher ungünstig, da es beim Auftragen durchaus auch brennen kann. Vielleicht habt ihr ja noch ein paar heilsame Tipps, die ihr gerne in den Kommentaren teilen könnt.

Wie bei allen Erkrankungen und bei Kindern ganz besonders, sind ganz viele Liebe und Zuwendung, mit die beste Medizin 🙂

 

 

Verlauf:

In der Regel verläuft die HFMK mild und heilt meist folgenlos ab.

Komplikationen:

Trinkverweigerung:

Durch die schmerzhaften Aphthen im Mundbereich kann es zu einer Trinkverweigerung und in deren Folge zu einer möglichen Austrocknung (=Dehydratation) des kleinen Patienten kommen. Achtet also darauf, dass euer Kind ausreichend trinkt. Wenn es dies nicht tut oder das Trinken verweigert, solltet ihr unbedingt euren Kinderarzt aufsuchen.

Schwerwiegende Komplikationen:

Sehr selten können Enteroviren auch das Zentrale Nervensystem betreffen.

Bei atypischen Verläufen kann es gelegentlich zum Verlust von Fingernägeln und Zehnägeln kommen (meist innerhalb von vier Wochen nach der Infektion).

HFMK in der Schwangerschaft:

Da Enteroviren sehr verbreitet sind, können sich auch Schwangere mit ihnen infizieren. Allerdings verursachen die meisten Enterovirusinfektionen auch in der Schwangerschaft keine oder nur milde Symptome. Bei einer Infektion der Schwangeren um den Geburtstermin herum, kann es zu einer Übertragung auf das Baby kommen. Und auch wenn die meisten Neugeborenen ebenfalls eine milde Symptomatik aufweisen, so ist die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufes bei Neugeborenen in den ersten beiden Lebenswochen am höchsten. Diese Kinder sollten somit dem Kinderarzt vorgestellt und engmaschig überwacht werden.

Fazit:

Die HFMK eine häufige Erkrankung des Kindesalters. Sie beginnt meist mit Allgemeinsymptomen, wie Fieber, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit. Kurze Zeit später kommt es zu einem:

  • Ausschlag im Bereich der Mundschleimhaut mit zunächst roten Punkten, die später in Bläschen und Aphthen übergehen
  • punktförmiger Hautausschlag an den Handflächen und Fußsohlen, aus dem sich im Verlauf Bläschen bilden. Diese können schmerzhaft sein, einen Juckreiz hervorrufen und sich am Körper ausbreiten.
  • In vielen Fällen verläuft die Erkrankung mild und heilt in der Regel folgenlos ab.
  • Eine Ansteckungsgefahr besteht so lange, bis die Symptome abgeklungen sind.
  • Zur Sicherung der Diagnose und Klärung der Ansteckungsgefahr (KiTa-Besuch) sowie bei
  • hohem Fieber, Trinkverweigerung oder sonstigen Problemen sollte das Kind ärztlich untersucht werden.

Vorsorge:

Gesunde Abwehrkräfte, die ihr durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und genügend Bewegung an der frischen Luft erreichen könnt, sind die beste Vorsorge gegen Infekte im Allgemeinen. Auch regelmäßiges Händewaschen und das Durchlüften von beheizten Räumen sollte v.a. in der Infektzeit selbstverständlich sein. Eurem Kind solltet ihr so früh wie möglich beibringen, dass es sich nach dem Toilettengang die Hände waschen und beim Husten oder Niesen nicht in die Hand, sondern am besten in die Armbeuge husten oder niesen sollte.

Wie sind eure Erfahrungen und vielleicht auch Tipps?

Kennt ihr die HFMK? Und wenn ja: was sind eure Erfahrungen damit? Habt ihr Tipps, die ich nicht aufgeführt habe und die euch bzw. eurem Kind geholfen haben? Dann schreibt mir doch darüber in den Kommentaren. Ich freue mich darüber und vielleicht hilft es auch anderen betroffenen Familien weiter.

Unter der Rubrik “Sprechstunde / Medizinisches” findet ihr Beiträge zu folgenden Themen:

-obstruktive Bronchitis beim Kind

-Infekte bei Kindern

-Fieber bei Kindern

-Husten bei Kindern

-Ohrenschmerzen bei Kindern

-Pseudokrupp

 

Anmerkung:

Alle medizinischen Beiträge, die ich zu gesundheitlichen Themen auf meinem Blog verfasse, dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden.

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Bleibt gesund und munter,

Eure

Snježi

 

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