Flamingo-Tour: mit dem Hausboot durch die Camargue, Teil 1 St. Gilles bis Aigues-Mortes

Werbung (unbeauftragt/unbezahlt)                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                Habt ihr Lust auf eine atemberaubende Natur, die man direkt vom eigenen Hausboot aus bewundern kann? Auf Flamingos und Wildpferde in freier Wildbahn? Auf französisches Flair, mediterrane Städtchen und gutes Essen? Dann kommt doch mit auf unser Hausboot, mit dem wir im Sommer diesen Jahres durch die Camargue geschippert sind. Auf eine Flamingo-Tour entlang des Canal-du-Rhône-à-Sète.

Hausboot-Tour:

Ein langgehegter Wunsch…

Mein Mann und ich hatten schon seit vielen Jahren den Wunsch, einmal mit einem Hausboot zu fahren. Allerdings waren uns die Kinder damals noch zu klein, als dass wir uns, zusammen mit ihnen, einen entspannten Urlaub auf einem Hausboot hätten vorstellen können. Zu groß war unsere Sorge, dass in einem unbeobachteten Moment einer über Bord hätte gehen können. Aber nun, da die Jungs schon fast Teenager sind und durch sämtliche Brandungen (nicht nur) an der Ostsee schwimmen können, haben wir es gewagt und eine Hausboot-Tour durch die Camargue in Südfrankreich gebucht. Flamingos und Wildpferde in freier Natur sehen zu können, hörte sich einfach so vielversprechend an, dass wir nicht länger widerstehen konnten.

… wird endlich umgesetzt:

Und im Juli war es dann endlich soweit. Das Auto wurde bis in den letzten Winkel vollgepackt und los ging die Fahrt nach Südfrankreich. Unterwegs hatte mein Mann einen Zwischenstopp in einem wunderschönen alten Anwesen in der kleinen Gemeinde Toulouse-le-Château eingeplant (siehe hier) und nach einer erholsamen Pause mit Übernachtung in gemütlichen Betten und leckerem Frühstück konnten wir gut gestärkt den Rest des Weges zum Hausboot zurücklegen.

Ankunft in St. Gilles:

Bei der Ankunft in St. Gilles bekamen wir beim check-in nicht nur viele hilfreiche Informationen zur Route und dem Fahrgebiet (auf Deutsch), sondern auch eine ausführliche Einweisung in die Technik an Bord (auf Englisch). Einen Bootsführerschein braucht man für das Hausboot übrigens nicht. Nach einer gemeinsamen Proberunde mit dem Skipper, wurde das Boot kurz geparkt, so dass wir uns im nahegelegenen Supermarkt noch mit reichlich frischen Lebensmitteln eindecken konnten, bevor es endlich losging. Unser Auto blieb während der Tour übrigens auf dem firmeneigenen Parkplatz und wurde uns am Ende der Tour mit einem Fahrer zugestellt.

 

 

Unser Hausboot:

Mit einer ordentlichen Portion Neugier und noch mehr Abenteuerlust im Gepäck ging es am späten Nachmittag endlich los. Wir erkundeten zunächst das Innere unseres neuen Zuhauses und verstauten möglichst effektiv unsere ganzen Habseligkeiten. Ein echtes Gefühl von Ordnung kam jedoch nie erst im Laufe der nächsten Tage auf, denn erst mit der Zeit merkten wir, welche Dinge wo benötigt wurden und welche eher im Weg rumstanden die meisten.

Unser Hausboot verfügte über zwei Schlafkabinen mit jeweils zwei Betten. Jedes der Zimmer hatte ein kleines Dusch-WC. Zwischen den Schlafzimmern gab es den “Wohnbereich” mit einer Essecke und eine kleine Küchenzeile mit einem Gasherd, kleinem Gasgrill, Backofen und einem Kühlschrank. Ausgestattet war die Küche mit allem, was man für den täglichen Bedarf benötigt: Kochutensilien, Geschirr, Besteck, einem kleinen “french-press” Kaffeebereiter uvm.. Auch Bettwäsche und Handtücher waren bereits an Bord. Einen kleinen Außengasgrill haben wir noch dazu gebucht, ebenso, wie eine Außen-Laterne (beides haben wir jedoch nicht wirklich benötigt) und Fahrräder (mit denen wir recht viel unterwegs waren).

Tipp:

Was ich euch unbedingt empfehlen würde, ist (vor allem im Hochsommer) ein Boot mit einem Sonnensegel zu buchen! Wir hatten lediglich einen kleinen klapprigen Sonnenschirm an Bord, den wir wegen des (Fahrt-)Windes kaum aufspannen konnten. Ein weiterer Tipp ist, dass ihr euch unbedingt Fahrräder dazu buchen solltet. Wir haben sie täglich mehrfach benutzt, allerdings waren bei uns -zumindest die Erwachsenen-Räder- in keinem sehr guten Zustand (kein Licht, sehr harter Sattel), so dass ihr euch die Räder bei der Übergabe des Hausbootes unbedingt anschauen bzw. eventuell sogar Probe fahren solltet.

 

 

Die Route

Unsere Route startete in St. Gilles und wir hatten bis zum Ziel der Reise in Port Cassafières eine Strecke von etwas mehr als 100 km vor uns, so dass wir mit einer Tagesstrecke von ca. 20 km entspannt von einem Ort zum nächsten schippern konnten. Wichtig war, dass wir die Füllung unseres Wassertanks und den Ladezustand unserer Batterie stets gut im Blick hatten und in den Städtchen entlang unserer Route immer wieder rechtzeitig auffüllten.

Da wir am ersten Tag erst spät nachmittags gestartet waren und sämtliche Wasser-Strom- und Proviant-Vorräte aufgefüllt waren, beschlossen wir, die erste Nacht nicht in einem Hafen, sondern in freier Natur zu verbringen und unterwegs einfach irgendwo am Kanal anzulegen. Wir ankerten also an einer weitläufigen Stelle am Kanal, genossen die unberührte Natur, angelten, kochten, aßen und schliefen.

Zum Angeln wird übrigens ein Angelschein benötigt, den man im Internet buchen kann.

 

 

Anlegen in der Natur:

Allerdings war schon das Anlegen ein echtes Abenteuer, denn mal “eben so” ein 10 m langes Boot in eine (wenn auch große) Natur-Parklücke zu manövrieren war gar nicht so einfach. Zumindest nicht, wenn man das Boot dabei nicht beschädigen und es auch noch sicher vertäuen wollte. Nachdem wir diese erste Hürde hinter uns gebracht hatten, konnten wir uns voll und ganz der Zubereitung des Essens (ich) bzw. der Jagd nach dem Essen (=angeln, die Jungs) widmen. Mitten in der untergehenden Sonne an Deck zu sitzen, zu essen oder zu angeln, während um einen herum nur die Geräusche der Natur zu hören waren, war schon ein ganz besonderes Erlebnis. Und auch das Schlafen in einem seicht dahin schaukelnden Boot war wirklich schön.

Seekrank? Nein!

Und das, obwohl gerade unser Jüngster und ich sehr schnell dazu neigen, seekrank zu werden. Wir hatten uns natürlich dagegen gewappnet und unsere “sea bands” für den Fall der Fälle mitgenommen. Allerdings haben wir sie nicht einmal anlegen müssen. Vermutlich lag es daran, dass das Boot ziemlich ruhig im Wasser lag und somit kaum gewackelt hat. Während der ganzen Fahrt hat mein Magen nur ein einziges Mal kurz “gemuckt”, als ich nämlich bei über 30 Grad Außentemperatur in der kleinen Küche unter Deck stand und ein anderes Boot (kein Hausboot) sehr schnell an uns vorbei gezogen ist. Die damit verbundene Wackelei war jedoch so schnell wieder vorüber, dass mein Magen gar keine Zeit hatte, sich länger darüber aufzuregen. Somit war das Thema Seekrankheit zum Glück überhaupt kein Thema für uns.

 

 

Verpflegung:

Gutes Essen macht mir nicht nur zu Hause Spaß, sondern auch im Urlaub. Allerdings kam ich auf dem Hausboot aufgrund der z.T. recht hohen Temperaturen, die in der kleinen Kombüse gerade zur Mittagszeit herrschten, bisweilen an meine Grenzen. Natürlich halfen meine Männer so gut es ging beim Schnippeln und vor allem beim Abwaschen mit, allerdings war in der Küche gerade einmal Platz für mich und meine Utensilien. Das Kochen auf so kleinem Raum erforderte gerade am Anfang der Tour ein bisschen Übung; für erfahrene Camper dürfte es jedoch keine große Herausforderung sein, denn grundsätzlich erinnerte dieses Zuhause sehr an einen Wohnwagen; mit dem großen Unterschied, dass man bei dieser Fahrt nie im Stau stand und an den schönsten Plätzen von der Wasserseite aus “parken” konnte.

Unser Frühstück bestand meist aus Baguette, Müsli mit frischen Früchten, Gemüse, Eierspeisen, Käse und einer ordentlichen Tasse Kaffee. Natürlich gab es auch Croissants, entweder gekaufte, wenn wir in der Nähe einer Bäckerei ankerten, oder wie am ersten Tag selbst gemachte Croissants aus dem mitgebrachten Blätterteig. Auf jeden Fall waren die Mahlzeiten an Bord immer ein Hochgenuss, zumal wir immer und ausnahmslos an Deck essen konnten. Und da schmeckte einfach alles gleich doppelt so gut.

 

 

Nach dem Frühstück wurde noch ein wenig geangelt und dann ging es auch schon weiter. Vorbei an Salzseen und einer flachen Ebene, auf der uns auch schon die ersten Wildpferde, für die die Camargue bekannt ist, begegneten. Was für ein Genuss.

 

 

 

 

 

Parklücke XXL:

Nach vielen “ahhhhs” und “ohhhhs” stand auch schon die nächste Herausforderung an: parken in einem Hafen. Während mein Mann schon tief ein und ausatmete, hielten die Jungs und ich Ausschau nach einer geeigneten XXL-Parklücke. Ihr ahnt ja gar nicht, wie klein einem selbst riesige Parklücken erscheinen, wenn man sie für solch einen Koloss wie das Hausboot sucht. Stellt es euch ungefähr so vor, als ob ihr einen Bus in der Parklücke für einen Mini parken müsstet. Und das alles vor den Augen der anderen Hausboot-Besitzer, die bereits eingeparkt hatten und nun gemütlich und womöglich etwas gelangweilt an Bord saßen und auf ein wenig Entertainment warteten.

Gut, wir haben vielleicht die ein oder andere Ehrenrunde gedreht, aber schlussendlich haben wir stets mehr oder weniger souverän eingeparkt. Und freundlich gewunken haben wir auch immer. Und sind das ein oder andere Mal mit einem spontanen Lachanfall fast von Bord gekippt also primär ich. Ich weiß auch nicht, warum mich gerade in solchen Situationen die wildesten Lachanfälle ereilen. Kurzum: die Parkmanöver hatten es in sich und waren in der Regel sehr amüsant. Und nachdem wir uns von der “Anstrengung” erholt hatten, registrierten wir erst, wo wir uns befanden: direkt vor dem Geschichts-trächtigen Tour de Constance in Aigues Mortes, ein wahrlich schöner Ort. Rückblickend sogar einer meiner liebsten und wenn ich könnte, würde ich mich genau jetzt an diesen Ort zurück beamen:

 

 

Aigues mortes:

Tote Gewässer, wie der Name bedeutungsschwer sagt, findet man hier eigentlich nicht. Ganz im Gegenteil. Die umgebenden Lagunen und Salzseen sind voller Leben und von außerordentlicher Schönheit. Der Ort, der ursprünglich als Hafenstadt von Ludwig dem Heiligen erbaut worden war, liegt mittlerweile durch die Verlandung des Wasser fast 6 km vom Meer entfernt, war bis zum 16. Jahrhundert jedoch ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt der französischen Mittelmeerküste.

Der imposante Tour de Constance und die umlaufende Festungsmauer dienten in Zeiten der Kreuzzüge und des Hugenottenkrieges zum Teil als Gefängnisse für Protestanten. Wir legten direkt vor dem Turm an und hatten am nächsten Morgen einen wunderschönen Sonnenaufgang, der der Spitze des Turmes einen kleinen Heiligenschein aufsetzte.

Wunderschöne Altstadt:

Beim Anblick des Turmes ahnte ich noch nicht, was für eine wunderschöne Altstadt wir hinter den Mauern vorfinden würden. Viele kleine Gassen, ein kleiner Marktplatz mit bunten Cafes und regem Treiben, etliche kleine Souvenirläden, Boutiquen, Restaurants: einfach alles, was mein französisches Urlauberherz begehrte. Wir schlenderten durch die Gassen, aßen Eis und am nächsten Tag zu Frühstück auf dem Marktplatz. Anschließend schnappte ich mir meinen Fotoapparat und erfreute mich an den vielen kleinen Schönheiten dieser Stadt. Nebenbei kaufte ich in einem entzückenden kleinen Laden für wenig Geld eines meiner heute liebsten Sommerkleider und dazu passende Espadrilles. Und jedes Mal, wenn ich sie anhabe, träume ich mich kurz zurück an diesen schönen Ort zurück.

 

 

 

 

 

Am Nachmittag des ersten Tages schnappten wir uns unsere unbequemen Fahrräder und fuhren mit ihnen zum 6 km entfernten Strand und dabei flogen sie uns das erste Mal entgegen: die Flamingos, die wir auf der nach ihnen benannten Tour noch einige Male bewundern durften. Ein wirklich unfassbar schönes Naturspektakel, sie in unberührter Natur beobachten zu können.

 

 

So, das war der erste Teil unserer Strecke mit dem Hausboot. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick verschaffen und euch für diese traumhafte Natur begeistern.

 

Sollte ihr nun an Fernweh leiden, dann stelle ich euch ein Attest zur Reisetauglichkeit aus und verordne euch eine ordentliche Dosis unberührter Natur in der wunderschönen Camargue. Nächste Woche geht es weiter mit Teil 2 unserer Strecke. Und so viel kann ich euch jetzt schon verraten; auch die war sehr schön.

Wenn ihr bis dahin virtuell noch ein bisschen verreisen möchtet, dann hätte ich hier einen Tipp im Norden Kroatiens für euch, der mir besonders am Herzen liegt, da ich dort die ersten Jahre meiner Kindheit verbracht habe. Weiter im Süden Kroatiens findet ihr hier einen Bericht. Ein tolles Berghotel in Österreich findet ihr hier und einen Tipp für das wunderschöne Slowenien hier. Und wer etwas weiter in die Ferne reisen möchte, kann hier meinen Reisebericht über Dubai lesen.

 

Fröhliches Fernweh und viel Spaß beim Planen des nächsten Urlaubs

Eure

Snježi

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