Trommefellperforation beim Kind

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Trommelfellperforation:

Das Trommelfell: eine kleine, scheinbar unscheinbare Membran, von deren Existenz die meisten von uns erst dann eine Ahnung bekommen, wenn sie sich bemerkbar macht. Denn so klein sie auch ist, auf sich aufmerksam machen kann sie “wie eine Große”: Durch fiese Ohrenschmerzen zum Beispiel oder eine Trommelfellperforation.

Aus eigener Erfahrung:

Ich selbst hatte als Kind ziemlich oft Ohrenschmerzen und erinnere mich nur ungerne daran.

Und auch bei meinen eigenen Kindern war und ist das Thema Ohr immer mal wieder aktuell. Während beim Jüngeren eine sog. chronische Otitis media im Kleinkindalter die Einlage von Paukenröhrchen erforderlich machte, hatte unser Großer letztes Jahr eine Grippe-Otitis mit  beidseitiger Trommelfellperforation und Ohrenschmerzen des Todes (mehr zum Thema Grippe hier). Auch an diese Zeit möchte sich keiner von uns mehr erinnern, weil sie einfach fürchterlich war.

Auf Instagram konnte ich euch damals sehr anschaulich die Verbindung von Nase und Ohr (die sog. Ohrtrompete) zeigen, denn unser Sohn konnte damals quasi durch die Ohren pfeifen. Sobald er sich die Nase zuhielt und versuchte, einen Druckausgleich im Ohr zu machen, pfiff und blubberte es aus beiden Ohren heraus; das blanke Grauen, ich sag`s euch! Zum Glück ist das Loch in beiden Trommelfellen gut abgeheilt und hielt auch im Urlaub ausgiebigen Schwimm- und Tauchmanövern stand.

Leben mit Kindern = irgendwas ist immer:

Doch kaum waren die Ohren des Großen wieder fit, klaffte im Trommelfell unserer Jüngsten nach einem Schwimmbadbesuch plötzlich ein deutliches Loch. Bei einem nicht so coolen Sprung vom Sprungbrett ins Wasser kam er mit dem Kopf schräg auf die Wasseroberfläche auf und zog sich dabei eine Trommelfellperforation zu.

Anmerkung der Redaktion: der Sprung wird im jugendlichen Fachjargon übrigens “zappelnder Fisch” genannt. Das heißt, man zappelt beim Sprung wild vor sich hin. Keine allzu gute Idee. Denn wenn man Pech hat, dann zappelt man auch im Anschluss an den Sprung wild vor sich hin: vor Schmerzen nämlich! Frage der Redaktion: muss das sein? Antwort der Redaktion: NEIN! Denn wer darf es am Ende mit “ausbaden”? Dreimal dürft ihr raten… grrrrrr 😉 Und was lernt der “zappelnde Fisch” hoffentlich daraus? Schone die Nerven deiner Mutter, denn “Lernen durch Schmerzen” ist für beide Seiten unangenehm!

 

 

Tja, ihr seht, einige der Themen, über die wir hier schreiben, werden mitunter persönlich “getestet” 😉

 

Gastbeitrag einer HNO-Ärztin:

Was es mit dem Trommelfell nun genau auf sich hat; warum es so wichtig ist und wie sich Verletzungen äußern können, beschreibt euch heute die liebe Susanne. Einige von euch kennen sie bereits, denn sie hat als Ärztin für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde schon zwei sehr informative Gastbeiträge auf meinem Blog geschrieben. Beim ersten ging es um ein sehr häufiges Thema im Kindesalter: Nasenbluten beim Kind. Den Beitrag findet ihr hier. Im zweiten Artikel ging es um das Thema Mandelentzündungen. Näheres dazu findet ihr hier.

Susanne ist aktuell mit dem dritten Kind schwanger und nutzt (zu meiner großen Freude) einen Teil ihrer Elternzeit dafür, sich durch das Schreiben medizinischer Beiträge beruflich auf dem Laufenden zu halten. Ich freue mich darüber sehr. Nicht nur weil ich ihre Beiträge so mag, sondern weil es zwischen der Kinderheilkunde und dem HNO-Bereich sehr viele Überschneidungspunkte gibt. Ich danke Dir daher sehr für den erneuten Beitrag und wünsche euch viel Spaß beim Lesen und Informieren. Und Dir, liebe Susanne wünsche ich alles erdenklich Gute für den weiteren Verlauf der Schwangerschaft und die anstehende Geburt. Mehr von der lieben Susanne erfahrt ihr hier.

 

Allgemeines zum Trommelfell

Das Trommelfell ist ein Teil des Ohres und bildet die Grenze zwischen äußerem Gehörgang und dem Mittelohr. Es besteht aus einer dünnen, elastischen Membran, die nur 0,1 mm dick ist und einen Durchmesser von ca. 10 mm hat. Das Trommelfell ist trichterartig nach innen gewölbt. Am tiefsten Punkt dieses „Trichters“ ist das Trommelfell mit dem ersten Gehörknöchelchen des Mittelohres, dem sog. Hammer, verbunden. Feine Blutgefäße versorgen das Trommelfell und ein sensibles Nervengeflecht macht es sehr berührungsempfindlich.

Durch seine abgrenzende Funktion schützt es das Mittelohr und Innenohr vor dem Eindringen von Fremdkörpern, Flüssigkeiten oder Krankheitserregern.

 

 

Die zweite wichtige Rolle spielt das Trommelfell beim Hören. Genauer gesagt bei der Schallübertragung vom äußeren Ohr zu den innen liegenden Teilen der Hörkette. Die Schallwellen, die in das Ohr eindringen versetzen das Trommelfell in Schwingung. Diese Schwingung wird an die Gehörknöchelchenkette weitergegeben, die am Trommelfell befestigt ist. Von dort gelangt sie weiter ins Innenohr, wo sie verarbeitet und ans Gehirn weitergeleitet wird. Bei großer Lautstärke kommt es übrigens zu einer reflektorischen Anspannung des Trommelfells, sodass weniger Schallenergie aufgenommen und das Innenohr somit vor zu hohem Schall geschützt wird.

 

Ursachen der Trommelfellperforation:

Die Ursachen für eine Trommelfellperforation sind vielfältig. Trotz seiner relativ geschützten Lage am Ende des äußeren Gehörgangs, ist es durch seinen filigranen Aufbau anfällig für Verletzungen.

  • Traumatisch:

Traumatisch bedingte Verletzungen betreffen sowohl Kinder als auch Erwachsene. Zu einer direkten mechanischen Verletzung des Trommelfells können z.B. Fremdkörper (häufig Wattestäbchen) führen, die zu weit in das Ohr eingeführt werden. Auch im Rahmen einer Ohrspülung oder Fremdkörperentfernung durch den Arzt kann es zu Verletzungen am Trommelfell kommen. Weitere mögliche Ursachen sind Verbrennungen (Schweißarbeiten über Kopf) oder Verätzungen. Auch im Rahmen eines Schädelbasisbruches kann es zu einer Mitverletzung des Trommelfells kommen. Bei einer Kopfverletzung sollten daher immer auch die Ohren mituntersucht werden.

  • Druckbedingt:

Durch einen Druckanstieg im äußeren Gehörgang kann es zu einer indirekten Verletzungen und einem Einreißen des Trommelfells kommen. Dies kann beispielsweise beim Tauchen (Abstiegsphase) oder während einer Flugreise (Landephase) geschehen, wenn es Probleme mit dem Druckausgleich gibt. Ebenso kann das Trommelfell im Rahmen eines Explosionstraumas (Silvesterböller), bei Schlägen auf das Ohr mit der flachen Hand (Ohrfeige) oder beim Kopfsprung ins Wasser beschädigt werden. Anm. der Redaktion: Der “zappelnde Fisch”; ihr erinnert euch.

  • Entzündlich:

Entzündungen des Mittelohres sind insbesondere bei Kindern eine häufige Ursache für Trommelfelldefekte. Aufgrund der anatomischen Besonderheiten bei Kindern sind akute Mittelohrentzündung im Kindesalter häufig. Meist werden sie durch Viren verursacht. In der Folge kann es auch zur einer sog. bakteriellen Superinfektion und zur Perforation des Trommelfells kommen, meist am zweiten oder dritten Krankheitstag. Mehr zum Thema Mittelohrentzündung findet ihr hier.

Die chronische Mittelohrentzündung ist meist Folge einer anhaltenden Belüftungsstörung im Kindesalter. Wiederkehrende Infektionen oder Verletzungen führen hier zu einem dauerhaften Trommelfelldefekt mit häufigen Infektionen und einer chronischen Eiterung des Mittelohres. Gelegentlich kommt es hierbei auch zu einer Beschädigung der Gehörknöchelchen.

 

Symptome einer Trommelfellperforation:

  • Schmerzen:

Den Trommelfellriss im Rahmen einer direkten oder indirekten Verletzung spürt man oft durch einen kurzen, stechenden Schmerz im betroffenen Ohr. Begleitend kann es zu einer leichten Blutung aus dem Gehörgang kommen.

Auch bei Mittelohrentzündungen sind Schmerzen (pulsierend und stechend) das Hauptsymptom, weiterhin meist Fieber und ein schlechtes Allgemeinbefinden. Bei einer Perforation des Trommelfells kommt es meist zur schlagartigen Besserung der Schmerzen, da der Druck auf das Trommelfell abnimmt und das aufgestaute Sekret aus dem Mittelohr abfließen kann. Die chronische Mittelohrentzündung ist durch eine immer wiederkehrende Sekretion aus dem betroffenen Ohr („laufendes Ohr“) und einen zunehmenden Hörverlust gekennzeichnet

  • Hörminderung:

Je nach Größe des Trommelfellrisses kommt es zu einer Hörminderung. Bei kleinen Rissen kann dies jedoch so gering sein, dass der Betroffene es selbst gar nicht wahrnimmt.

  • Mitverletzung der Gehörknöchelchen oder des Mittelohres:

Komplikationen können die Mitverletzung der Gehörknöchelchen oder deren Verlagerung sein. Insbesondere größere Defekte bergen darüber hinaus die Gefahr einer Mittelohrentzündung mit Schmerzen, Hörminderung und Sekretaustritt aus dem betroffenen Ohr.

  • Verletzung des Innenohres:

Bei Reizung oder Mitverletzung des Innenohrs zählen Schwindel, Übelkeit und Tinnitus zu den weiteren Symptomen. Bei ausgedehnten Verletzungen, die auch die knöcherne Wand des Innenohres betreffen, kann es zu Lähmungen der Gesichtsnerven kommen und eine Hirnhautentzündung drohen.

 

 

Diagnose einer Trommelfellperforation:

  • Anamnese (Krankengeschichte):

Beim Verdacht auf eine Trommelfellruptur wird der Arzt zunächst nach dem Unfallhergang (Tauchen, Flugreise, Knall, etc.) bzw. der Krankheitsgeschichte (bei Mittelohrentzündung) fragen, um die Ursache der Ruptur zu klären.

  • Stimmgabeltest:

Stimmgabeltests geben weiteren Aufschluss über das Vorliegen einer Störung der Schallübertragung, wie sie im Rahmen einer Trommelfellruptur vorkommen.

  • Otoskopische Untersuchung (Ohrenspiegelung):

Im Anschluss ist die otoskopische oder mikroskopische Untersuchung des Ohres entscheidend. Hier wird der Riss im Trommelfell deutlich sichtbar und kann bezüglich Lage, Größe und Beschaffenheit beurteilt werden. Dies ist für die weitere Behandlungsplanung wichtig. Die Ränder des Trommelfells können blutig tingiert und/oder zum Mittelohr hin eingerollt sein.

Im Rahmen einer Mittelohrentzündung erscheint das Trommelfell meist diffus gerötet und vorgewölbt, wenig beweglich und matt. Bei bereits erfolgter Perforation des Trommelfells, tritt eitriges (bakterieller Infekt) oder blutiges (viraler Infekt) Sekret aus dem Mittelohr in den äußeren Gehörgang aus.

Der Defekt bei der chronischen Mittelohrentzündung befindet sich zentral und die Schleimhaut im dahinterliegenden Mittelohr ist im entzündungsfreien Intervall blass, grau und trocken. Bei einer akuten Infektion hingegen ist sie rot, feucht und verdickt.

  • Hörtest:

Ein Hörtest gibt weitere Auskunft über Art und Umfang der Verletzung. Bei Verletzungen durch Gegenstände oder im Rahmen einer Schädelfraktur erfolgt noch eine Bildgebung (Röntgen oder CT), um weitere Verletzungen von Mittel- oder Innenohr auszuschließen.

 

Therapie der Trommelfellperforation:

Die Therapie einer Trommelfellruptur ist abhängig von der Größe und von der Art bzw. der Ursache des Defektes. Eventuell vorhandene Fremdkörper werden bei der Ohrmikroskopie entfernt.

  • Kleinere Verletzungen heilen meist von alleine ab:

Kleinere Verletzungen oder Risse des Trommelfells heilen in der Regel innerhalb weniger Wochen von allein ab. Eingerollte Ränder des Trommelfells können bei der Ohrmikroskopie geglättet werden und somit den Heilungsprozess fördern. Bei etwas größeren oder stärker eingerollten Defekten wird das Trommelfell mit kleinen Silikonstreifen geschient, was das Zusammenwachsen unterstützt. Dies kann in der Regel unter lokaler Betäubung ambulant erfolgen. Gerade bei kleineren Kindern kann jedoch auch eine kurze Narkose erforderlich sein.

  • Antibiotische Therapie:

Wenn Fremdkörper oder Flüssigkeiten ins Ohr eingedrungen sind, wird in der Regel ein Antibiotikum verordnet. Dies ist erforderlich, um einer bakteriellen Infektionen vorzubeugen. Das Gleiche gilt für Trommelfellperforationen, die im Rahmen einer akuten Mittelohrentzündung auftreten. Insbesondere bei Fieber, schlechtem Allgemeinzustand und eitrigem Ausfluss aus dem Ohr ist eine antibiotische Therapie notwendig, da sich der Entzündungsprozess schnell auf benachbarte Strukturen ausbreiten kann.

  • Abschwellende Nasentropfen:

Sie verbessern die Belüftung des Mittelohrs und fördern somit den Heilungsprozess.

  • Schmerz- oder Fiebermittel:

Bei Bedarf werden Schmerz- oder Fiebermittel verabreicht.

  • Parazentese:

Gelegentlich ist bei einer akuten Mittelohrentzündung eine sog. Parazentese notwendig. Nämlich dann, wenn die Entzündung das Trommelfell vorwölbt (ohne Riss) und starke Schmerzen verursacht. In diesen Fällen wird in örtlicher Betäubung das Trommelfell mit einem kleinen Schnitt eröffnet, was zu einem Sekretabfluss und zu einer Linderung der Schmerzen führt.

  • Allgemeine Maßnahmen:

Körperliche Schonung und Wärme können den Heilungsprozess unterstützen. Ferner ist es wichtig, das Ohr während des Heilungsprozesses sauber und trocken zu halten. Beim Duschen oder Schwimmen können spezielle Ohrstöpsel hilfreich sein

  • Kontrolle, ggf. operativer Verschluss:

Nach maximal sechs Wochen sollte der Heilungsprozess kontrolliert werden. Ein operativer Verschluss ist erforderlich, falls in dieser Zeit noch keine Spontanheilung eingetreten ist. Dies gilt auch für sehr ausgedehnte Rupturen, bei denen ein Spontanverschluss des Trommelfells ausgeschlossen ist. In lokaler Betäubung oder Narkose wird das Trommelfell hierbei mit körpereigenem Gewebe rekonstruiert (=Tympanoplastik). Eine Schienung des rekonstruierten Trommelfells mit Silikonfolie und ein antiseptischer Mullstreifen unterstützen die weitere Heilung und schützen vor Infektionen.

Auch bei der chronischen Mittelohrentzündung ist die operative Rekonstruktion des Trommelfells mit körpereigenem Material im entzündungsfreien Intervall die Therapie der Wahl.

 

Vorbeugung einer Trommelfellperforation:

Bei einigen Ursachen einer Trommelfellruptur kann man im Vorfeld Vorsorge treffen. Vor dem Tauchen sollten die Ohren ärztlich untersucht werden. Ein Druckausgleich sollte bei geplanten Flugreisen funktionieren und kann mit Nasensprays, Kaugummi kauen oder dem sog. Valsalva-Manöver (Nase zuhalten und Luft in die Ohren drücken) unterstützt werden. Bei lauten Geräuschen ist ein Hörschutz erforderlich. Manipulationen am Gehörgang zur „Reinigung“ sollten unterlassen werden. Immer wiederkehrende Mittelohrentzündungen im Kindesalter sollten HNO-ärztlich abgeklärt werden. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um einem chronischen Entzündungsgeschehen vorzubeugen.

 

Fazit

Das Trommelfell dient nicht nur dem Schutz des Mittelohres vor Fremdkörpern und Erregern, sondern hat auch eine wichtige Funktion für das Hörvermögen. Durch seinen filigranen Aufbau ist es sehr empfindlich und kann durch unterschiedliche Mechanismen geschädigt werden. Die meisten Verletzungen, die zu einer Perforation des Trommelfells führen, heilen nach einigen Wochen von alleine ab. Eine ärztliche Untersuchung ist jedoch in jedem Fall erforderlich, um das Ausmaß der Verletzung einzuschätzen und bei Bedarf weitere Maßnahmen einleiten zu können. Hörtests sind wichtig, um eine Beeinträchtigung des Hörvermögens auszuschließen.

 

Vielen Dank liebe Susanne für den informativen Beitrag.

 

Ich hoffe, ihr und eure Kinder seid in Bezug auf Trommelfellperforationen bisher verschont geblieben. Falls ihr Fragen oder Anregungen zum Thema habt, dann lasst es mich und Susanne-Janina in den Kommentaren gerne wissen.

Bleibt gesund und munter,

Eure

Snjezi

 

 

 

 

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