Weltkrebstag

Heute ist WELTKREBSTAG und auch wenn das neuartige Corona-Virus seit einem Jahr nicht nur die Schlagzeilen, sondern auch maßgeblich unser Leben bestimmt, sollten wir Krebserkrankungen nicht außer Acht lassen!

Und weil ich nicht nur beruflich, sondern auch privat als Angehörige, in viele Gesichter von Krebspatienten geschaut habe, ist es mir eine Herzensangelegenheit, darüber aufzuklären und zu berichten.

Jährlich erkranken allein in Deutschland über 500.000 Menschen an Krebs; Tendenz steigend! Schätzungen zufolge werden 2030 im Jahr über 600.000 Menschen neu an Krebs erkranken.

 

Krebs ist eine Erkrankung, die durch die Entartung und die unkontrollierte Vermehrung einer Körperzelle entsteht. Während sich normale Körperzellen regelmäßig und kontrolliert erneuern (sog. Zellzyklus), unterliegen Krebszellen dieser Steuerung nicht mehr. Sie vermehren sich unkontrolliert, wachsen in umliegendes Gewebe und zerstören am Ende nicht nur den Körper, in dem sie sich vermehren, sondern letztendlich auch sich selbst.

Theoretisch kann jede Zelle des menschlichen Körpers auf diese Weise entarten. Dementsprechend groß ist die Vielzahl der unterschiedlichen Krebserkrankungen.

 

Krebserkrankungen: Krebs hat viele Gesichter:

Krebs hat also viele Gesichter. Manche kommen im Kindesalter vor; andere wiederum betreffen vor allem Menschen in höherem Alter. Einige Krebsarten sind geschlechtsgebunden, andere treffen Männer und Frauen gleichermaßen. Einige entstehen durch schädliche Einflüsse (Nikotin, Alkohol, Drogen, Strahlung etc), andere ohne erkennbare Ursache. Manche sind genetisch bedingt und können an die nächste Generation weitergegeben werden, andere entstehen durch spontane Mutationen.

Doch egal, wie sie entstehen und welche Krebserkrankung sie hervorrufen, eines ist sicher: jeder einzelne Fall ist ein Fall zu viel. Hinter jedem Fall steht ein Schicksal. Steht ein Mensch, der genau die Diagnose erhalten hat, vor der wir uns alle (mehr oder weniger) fürchten. Eine Diagnose, die von jetzt auf gleich das Leben der Betroffenen verändert. Eine Diagnose, die mit Sorgen, Ängsten und Schmerzen einhergeht. Die Narben hinterlässt. Körperlich und seelisch. Die die ganze Familie betrifft, denn auch die Angehörigen leiden mit. Wenn das eigene Kind betroffen ist, ganz besonders. Aber auch im Falle eines betroffenen Lebenspartners, den Geschwistern, Freunden oder den Eltern sind die Belastungen nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen, immens.

 

Persönliche Erfahrungen:

Ich kenne das bösartige und abstoßende Gesicht des Krebses ziemlich gut. Es begegnete mir in vielen beruflichen Schicksalen. Und es begegnete mir bei beiden meiner Elternteile. Die Krankengeschichte meiner Mutter, die mit 48 Jahren an Magenkrebs erkrankte und deren Geschichte ich immer noch nicht zu Ende schreiben konnte, findet ihr hier und hier. Die Erkrankung meines Vaters verlief deutlich kürzer und endete im September letzten Jahres. Nach Monaten des (Mit-)Leidens, Bangens, Hoffens und Begleitens verlor er schließlich seinen Kampf gegen den Krebs und wurde damit einer von vielen: Einer von vielen Verlierern der Krebsstatistiken. Und für mich dennoch genau DER eine: mein Vater.

Und auch wenn wir in Bezug auf Krebserkrankungen Vieles nicht beeinflussen können (z.T. zufallsbedingte Erkrankungen), so haben wir doch Einiges in der Hand. Durch eine gesunde Lebensweise z.B. können wir das Risiko einiger Krebserkrankungen deutlich reduzieren. Vor allem bei den Krebserkrankungen, die durch schädliche Substanzen entstehen.

Tabak:

Mein Vater z.B. war über viele Jahrzehnte ein sehr starker Raucher und auch wenn man nicht sicher sagen könnte, wie sein Leben ohne die Nikotinsucht verlaufen wäre, ist doch eines ziemlich sicher: wird ein Organ, eine Zelle immer und immer wieder mit einem Zellgift konfrontiert, wird sie es schwer(er) haben, die normalen Zellerneuerungsmechanismen aufrecht zu erhalten. Und somit bin ich mir ziemlich sicher und mein Vater war es letztendlich auch (leider zu spät), dass er ohne die Zigaretten noch einige kostbare Jahre hätte haben können. Und so “egal” ihm die möglichen Konsequenzen in der Vergangenheit auch waren, als es soweit war, hätte er nur zu gern alles ungeschehen gemacht. Hätte seinem jüngeren Ich nur einen Rat mit auf den Weg gegeben: lass die Finger davon.

Aber es war zu spät. Die Lunge so vorgeschädigt, dass eine Operation nicht in Frage kam. Die Luft am Ende so knapp, dass keine Sauerstoffflasche mehr Erleichterung brachte. Und am Ende seines Lebens musste ich genau das miterleben, wovor ich mich all die Jahre zuvor so gefürchtet hatte. Mein Vater: ein großer, stattlicher und starker Mann, der immer eine Lösung hatte, war plötzlich schwach, gebrechlich und auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Keine Lösung in Sicht. Nur ein Weg, der noch blieb und dieser war der letzte! Mein Herz könnte auch jetzt noch zerspringen, wenn ich daran denke. Vor allem, wenn ich daran denke, dass er dafür nicht nur mit seinem Leben, sondern im Vorfeld auch noch mit viel Geld bezahlt hat.

Mitschuld, Industrie/Politik:

Aber genau das ist das Problem an einer Sucht. Egal, um welche es sich handelt: der Verstand weiß um das Problem, aber der Körper verlangt danach. Unerbittlich. Und weil mit dieser Sucht so unglaublich viel Geld verdient wird, sehe ich eine ganz klare Mitschuld der Tabakindustrie. Schließlich resultiert deren (immenser) Gewinn aus genau dieser Sucht. Und sie wissen es und nehmen es in Kauf. Denn der schädigende Einfluss des Rauchens ist bereits seit über 50 Jahren bekannt und der kausale Zusammenhang (=Ursache und Wirkung) seitdem in zahlreichen Studien bewiesen. Heute gilt das Rauchen als der größte vermeidbare Krebsrisikofaktor, der mit zwölf (!) verschiedenen Krebserkrankungen kausal assoziiert ist.

Und wenn die Politik zulässt, dass dies in einem solchen Umfang möglich ist, trägt sie aus meiner Sicht ebenfalls eine Mitschuld. Eine Mitschuld an vielen Tausend Toten im Jahr. Für das Jahr 2018 wurde die Zahl der durch Tabakkonsum bedingten Krebsfälle auf über 85.000 geschätzt. 85 Tausend mal eine Mitschuld am Leid der Betroffenen und am Leid der Angehörigen. Und wenn die Tabakkonzerne nur einen winzigen Teil der durch sie (mit-)verursachten Kosten im Gesundheitssystem tragen müssten, hätten wir dort, wo wir gerade jetzt so viele Ressourcen benötigen, aus meiner Sicht deutlich weniger finanzielle Probleme!

Alkohol:

Schätzungen zufolge waren 2018 etwa 10.000 Krebsfälle auf einen hohen Alkoholkonsum zurückzuführen. Die krebserzeugende Wirkung von Alkohol ist seit 1988 bekannt (International Agency for Research on Cancer) und wird laut Evidenzbewertungen des World Cancer Research Fund als kausaler Risikofaktor für sechs Krebsarten bewertet. Auch hier sehe ich die gleiche Mitschuld der Industrie und Politik.

Auf die negative Wirkung von anderen, ebenfalls schädigenden Substanzen möchte nicht eingehen. Aber ich möchte euch noch etwas zum Nachdenken mitgeben: Rauchen ist tödlich! Essen auch? Weltweit gibt es jährlich ca. 7 Millionen Tote, die auf das Rauchen zurückzuführen sind. Doch eine neue Zahl schaffte es 2016 auf die Titelseiten deutscher Zeitschriften: 10 Millionen Tote durch falsche Ernährung. Das Ergebnis der weltweit größten Gesundheitsstudie, der „Global Burden of Disease Study“ aus 188 Ländern, sollte uns ebenfalls zu Denken geben. Mehr zu dem Thema findet ihr hier und hier.

 

Unsere Chancen gegen Krebserkrankungen:

Neben einer gesunden Lebensführung: gesunde und abwechslungsreiche Kost, ausreichend Wasser trinken, gesunder Schlaf und regelmäßige körperliche Bewegung (15 Minuten täglich bringen bereits einen deutlichen Benefit), können wir dem Krebsrisiko noch etwas entgegensetzen: die entsprechenden VORSORGE-Untersuchungen. Die Früherkennungsuntersuchungen sind zwar nicht für alle Tumorformen sinnvoll; in vielen Fällen erhöhen sie jedoch die Chancen auf eine frühzeitige Erkennung und somit auch erfolgreiche Behandlung deutlich! Mehr dazu findet ihr z.B. hier.

Im Kindesalter z.B. sind die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt nicht nur wichtig, um die körperliche und psychosoziale Entwicklung sowie den Impfstatus zu kontrollieren, sondern auch, um im Rahmen einer vollständigen körperlichen Untersuchung Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und im Zweifel eine weitere Abklärung zu veranlassen. Warum die HPV-Impfung in Bezug auf die Prävention von Gebärmutterhalskrebs bei Kindern und Jugendlichen so wichtig ist, erfahrt ihr hier.

Denn je früher eine Krebsart erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Egal, in welchem Alter. Egal, bei welcher Krebsart!

 

Krebsvorsorge auch in Zeiten der Pandemie nicht vernachlässigen!

Corona fordert derzeit sehr viel Aufmerksamkeit. Doch Krebserkrankungen machen in Zeiten einer Pandemie keine Pause, leider. Daher sind regelmäßigen Untersuchungen und Vorsorgetermine auch in Corona-Zeiten wichtig!

Auffällige Symptome frühzeitig abklären lassen. Es kann Leben retten!

Abhängig von der betroffenen Zellart und dem Gewebe, das von der Krebserkrankung betroffen ist, äußern sich Krebs-Erkrankungen in unterschiedlichen Krankheitszeichen.

Bitte geht zum Arzt, wenn ihr auffällige Symptome bemerkt: egal, ob es der Knoten in der Brust ist, vergrößerte Lymphknoten, Blutauflagerungen auf dem Stuhl, neu aufgetretene oder anhaltende Kopf-/Magen-/Bauch-/Gelenkschmerzen sind. Eine ungewollte Gewichtsabnahme, Nachtschweiß, unklares Fieber, ein allgemeiner Leistungsknick, können ebenso wie unklarer Husten, Nüchternerbrechen oder ein auffälliges Muttermal Symptome sein, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen!

Natürlich bedeuten diese Symptome nicht, dass eine bösartige Erkrankung vorliegt! Doch man sollte sie ernst nehmen und ärztlich abklären lassen.

 

Aktuell bedroht ein Virus weltweit die Gesundheit vieler Menschen. Würden wir die Anzahl der an Krebs erkrankten Menschen weltweit zusammenzählen, wäre die daraus resultierende Pandemie nicht minder bedrohlich.

Daher achtet auf euch. Auf euren Körper. Er ist ein Wunderwerk der Natur. Und wir können ein bisschen dazu beitragen, dass er uns möglichst lange gesund durch`s Leben (auch nach Corona) trägt.

 

Bleibt gesund

eure

Snjezi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellenangabe: Deutsches Ärzteblatt 2018, siehe hier

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