Wurmerkrankung (Oxyuriasis) beim Kind

Da ist der doch Wurm drin: Wurmerkrankung (Oxyuriasis) beim Kind

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Kürzlich startete ich zeitgleich mit dem Beginn eines bekannten “Dschungel”-TV-Formates eine Krabbeltier-Trilogie. Und nachdem in den letzten beiden Folgen die Läuse (siehe hier) und die Krätzmilben (siehe hier) die Krabbeltier-“Promis” mit Ekelfaktor waren, habe ich heute einen Star, der sich, wie auch seine Vorgänger, keiner großen Beliebtheit erfreut und dennoch sehr “berühmt” ist; zumindest in Haushalten mit Kindern (und/oder Hunden): Der Wurm bzw. die Würmer; denn er kommt selten allein und macht es sich als Parasit des Menschen in unserem Verdauungstrakt gemütlich.

 

Krabbeltier-Trilogie, Teil 3: Da ist doch der Wurm drin!

Wer kennt es nicht: Immer dann, wenn etwas nicht rund läuft, ist er sprichwörtlich drin, der Wurm! Und gelegentlich auch in unserem Obst oder Gemüse, wo ihn die meisten von uns auch nicht so gerne sehen. Zwar sind Würmer im Garten durchaus nützliche Helfer für uns Menschen, doch sobald sie die Türschwelle zu unserem Haus bzw. unseren Körper überschreiten, hört es auf mit der Sympathie für die kleinen unliebsamen Gäste. Weltweit gesehen sind nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation etwa 1,8 Milliarden Menschen mit Würmern infiziert. In unseren Breitengraden stellt die sogenannte Oxyuriasis, eine Infektion mit Madenwürmern (= Oxyuren), die häufigste Wurmerkrankung des Menschen dar.

 

Wurmerkrankung: Was sind Oxyuren?

Madenwürmer gehören zur Familie der sog. Fadenwürmer. Der “heimische Fadenwurm” wird auch als Enterobius vermicularis bzw. Oxyuris vermicularis (in der Mehrzahl Oxyuren) bezeichnet. Diese Würmer werden nur ca. 0,5- 1,3 cm groß und sind in infiziertem Kot und Kotresten zu finden. Sowohl die Eier, als auch die Würmer sind ansteckend (=infektiös) und können zu einem Wurmbefall des Körpers führen. Gelangen bei einer Infektion Wurmeier in unseren Körper, dann reifen im Darm die Wurmeier zu geschlechtsreifen Würmern heran. Während die Wurm-Männchen nach der Befruchtung absterben, wandern die Weibchen -vor allem abends und in der Nacht- aktiv zum Enddarm und legen ihre Eier am Anus des Menschen und in den sogenannten Analfalten (=Falten um den Anus herum) ab. Dies führt zu einem meist starken (nächtlichen) Juckreiz am Po.

 

Illustration Wurmerkrankung Darm

 

Wurmerkrankung, Ansteckung:

Die Ansteckung erfolgt durch die Aufnahme der Eier oder Würmer über infizierten Kot oder Kotreste. Man spricht medizinisch von einer fäkal-oralen Infektion, bei der also Fäkalien über den Mund in unseren Körper gelangen. Typischerweise kann dies über infizierte Erde oder Sand (Sandkasten z.B. auf dem Spielplatz), gemeinsam genutzte Toiletten oder Spielzeug geschehen. Kleine Kinder sind besonders häufig betroffen, da sie sowohl ihre Hände als auch Gegenstände oder Erde bzw. Sand oft in den Mund nehmen. Vor allem bei kleineren Kindern kann es auch durch das Kratzen am Po und dem anschließenden Benutzen von gemeinsamen Gegenständen zu einer Ausbreitung der Infektion kommen. Wurmeier sind übrigens sehr robust und können bis zu mehreren Wochen außerhalb des Körpers überleben.

 

Symptome:

Das häufigste und oft auch einzige Symptom eines Wurmbefalls ist ein ausgeprägter Juckreiz am Po, der durch die dort abgelegten Eier hervorgerufen wird. Durch das Kratzen kommt es gelegentlich auch zu entzündlichen Veränderungen an der Haut und der Schleimhaut. Auch Symptome, wie Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Blähungen oder Übelkeit können vorkommen. Einige Kinder weisen aufgrund des nächtlichen Juckreizes Schlafprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten auf. Mitunter stellen die Eltern oder Kinder die Diagnose selbst, nämlich dann, wenn sie die Würmer im Stuhl sehen.

 

Wurmerkrankung (Oxyuriasis) beim Kind: Kind mit Bauchschmerzen

 

Diagnose:

Besteht der Verdacht auf eine Infektion, wird ein sogenannter Abklatschtest durchgeführt und beim Kinderarzt untersucht. Dabei werden die Eltern gebeten, die klebrige Seite eines handelsüblichen Klebestreifens morgens auf den Po ihres Kindes zu drücken und den Klebestreifen dann auf eine spezielle Glasscheibe, den sogenannten Objektträger, zu kleben.

WICHTIG: wichtig ist, dass die Eltern dabei einen durchsichtigen und keinen matten Klebestreifen benutzen, da man ihn ansonsten nicht auswerten kann. Auch sollten möglichst keine Kotreste am Klebestreifen haften, da auch diese eine Auswertung behindern.

 

 

Beim Kinderarzt wird der Objektträger dann mit Hilfe eines Mikroskops untersucht. Im Falle einer Infektion kann man die Wurmeier, die am Klebestreifen haften geblieben sind, gut erkennen und die Diagnose stellen. Gelingt der Nachweis auf diese Weise nicht, kann man den Stuhl in einem Labor auf Wurmeier untersuchen lassen.

 

Photocredit: @johaanna_hrt. Vielen Dank

 

Wurmerkrankung, Therapie:

Was kann ich tun, wenn ich mich angesteckt habe?

Medikamentös:

Glücklicherweise ist ein Befall mit Oxyuren, trotz aller Unannehmlichkeiten, gut zu behandeln. Mittel der Wahl sind sog. Wurmmittel (Antihelminthika), die es in Tablettenform oder als Saftf gibt. Es ist wichtig zu wissen, dass die Medikamente nur die Würmer und nicht die Wurm-Eier abtöten. Daher sollte nach der ersten Behandlung unbedingt eine Wiederholungsbehandlung erfolgen (bitte die Vorgaben eures Kinderarztes und die Packungsbeilage beachten). Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr, ist es sehr wichtig (ebenso, wie bei Läusen und der Krätze), einen Wurmbefall offen zu kommunizieren, um alle angesteckten Personen behandeln zu können. Nur so kann verhindert werden, dass es zu erneuten Ansteckungen kommt.

Allgemeine Hygienemaßnahmen:

Neben der medikamentösen Therapie sind auch hygienische Maßnahmen unerlässlich. Hierzu gehören an erster Stelle:

  • regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife (vor allem auch Fingerkuppen/Nagelbereich)! Insbesondere vor den Mahlzeiten, nach jedem Toilettengang und nach dem Spielen im Freien
  • tägliches Wechseln der Unterwäsche
  • regelmäßiges und sorgfältiges Waschen im Anogenitalbereich
  • Kurzschneiden der Fingernägel
  • Am Tag nach der Einnahme des Medikaments sollte auch die Bettwäsche gewaschen werden
  • Sowohl die Bettwäsche als auch Unterwäsche sollten bei 60 °C gewaschen werden.

 

Fazit Wurmerkrankung:

Da ist doch der Wurm drin: wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihre Kinder (oder sie selbst) einen Wurmbefall haben, so ist es wichtig, dass sie diesen ärztlich abklären lassen. Denn wenn der Wurm drin ist, sollte er auch behandelt werden. Ansonsten riskiert man, aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr, eine schnelle Ausbreitung der Infektion. Denn auch wenn die Infektion in unseren Breitengraden harmlos verläuft, so ist sie doch lästig und führt mitunter zu unliebsamen Re-Infektionen. Daher ist neben einer medikamentösen Therapie und der Beachtung der entsprechenden Hygienemaßnahmen, auch die Information und Mitbehandlung der Kontaktpersonen wichtig.

 

Anmerkung: Alle medizinischen Beiträge, die ich zu gesundheitlichen Themen auf meinem Blog verfasse, dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden.

 

War bei eurem Kind schon mal der Wurm drin? Und wenn ja, wie seid ihr den ungebetenen Gast wieder losgeworden?

 

Bleibt gesund und munter und hoffentlich ohne ungebetene Untermieter im Darm

Eure

Snježi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

– Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzgA)

– Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (siehe hier)

– Madenwurminfektion: Eine häufige, aber wenig beachtete Parasitose, Dtsch Arztebl 2003; 100(43): A-2771 / B-2311 / C-2167

 

 

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