Ich krieg die Krätze!

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Letzte Woche startete ich, quasi als kleines Begleitprogramm eines TV-“Dschungel”-Formates, eine Krabbeltier-Trilogie. Und nachdem im letzten Beitrag die Läuse im Rampenlicht standen (mehr dazu findet ihr hier), geht es heute weiter mit anderen Krabbeltier-“Promis”, die nicht nur die menschliche Haut, sondern auch enge Unterkünfte, wie z.B. tiny houses, besonders gerne mögen.

“Ich krieg die Krätze!” könnte also eine durchaus denkbare Alternative zum “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” werden 😉

Denn ebenso schnell, wie man den Satz dahersagt, kann man die Krätze tatsächlich auch bekommen. Die Annahme, dass es sich um eine Erkrankung aus längst vergangenen Zeiten handelt, oder sie nur Menschen mit mangelnder Körperhygiene betrifft, stimmt nämlich nicht.

Denn die Krätze kommt weltweit vor und kann alle Personen -und zwar unabhängig von Herkunft, Alter oder Geschlecht- betreffen. Ein noch unausgereiftes Immunsystem, wie es z.B. bei Kindern der Fall ist (siehe hier oder hier), kann das Auftreten von Krätze begünstigen. In Gemeinschaftseinrichtungen breitet sie sich schnell aus und ist durch die hohe Ansteckungsgefahr gelegentlich schwer zu behandeln.

Doch was oder wer ist diese Krätze überhaupt?

Vorweg vielleicht noch kurz der medizinische Fachbegriff, denn damit hört sich das Ganze gleich schon etwas “eleganter” an und führt vielleicht nicht gleich beim Lesen des Wortes Krätze zum Juckreiz am ganzen Körper. Nennen wir die Krätze also einfach Scabies; klingt doch schon viel besser, oder?

 

Krabbeltier-Trilogie, Teil 2:

Definition Krätze (Scabies):

Bei der Scabies handelt es sich um eine ansteckende und stark juckende Erkrankung der Haut, die durch die sogenannte Krätzmilbe (Sarcoptes scabei var. hominis) verursacht wird. Typische Zeichen für den Befall mit der Krätzmilbe ist ein starker Juckreiz, der insbesondere nachts (durch die Bettwärme) sehr ausgeprägt und quälend ist. Der typische Hautausschlag äußert sich durch kleine rote Punkte, Papeln und z.T. auch Bläschen. Schaut man genauer hin, erkennt man mitunter kleine Gänge unter der Haut, an deren Ende sich ein kleiner Punkt befindet. Bei den Gängen handelt es sich um das Zuhause der Krätzmilbe und beim Punkt um niemand Geringeren, als die Krätzmilbe selbst. Mit bloßem Auge ist die Milbe allerdings nur schwer erkennbar, da sie in der Regel kleiner als 1 mm ist.

 

 

Ursache Krätze:

Die Krätzmilbe gehört, wie z.B. auch die Hausstaubmilbe, zu den Spinnentieren und ist als Parasit auf den Kontakt zum Menschen und seiner Haut angewiesen. Am wohlsten fühlt sich die Krätzmilbe in der obersten Hautschicht, der sog. Hornschicht. Während die männlichen Milben nur auf der Hautoberfläche zu finden sind und nach der Befruchtung der Weibchen sterben, dringen die befruchteten Weibchen in die Haut ein und graben in der oberen Hornschicht mehrere Zentimeter lange Gänge. Dort legen sie täglich ihre Eier ab, scheiden Exkremente aus und sterben nach einer Lebenszeit von 4-6 Wochen.

Aus den gelegten Eiern schlüpfen nach 2-3 Tagen kleine Larven, die den Weg zurück an die Hautoberfläche suchen. Dort wachsen sie, vorzugsweise an gut geschützten Stellen der Haut, wie z.B. in Hautfalten oder an den Härchen der Haut, in 2- 3 Wochen zu geschlechtsreifen Milben heran, die sich nun ihrerseits vermehren und über die Haut verteilen können. Ohne entsprechende Therapie geht dieser Zyklus fröhlich weiter und führt zu einer stetigen Vermehrung der lästigen kleinen Untermieter.

 

Übertragung Krätze:

Die Milben breiten sich besonders gut und gerne dort aus, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben und viel direkten Hautkontakt haben.

Denn die Krätzmilben sind zwingend auf ihren Wirt, also uns Menschen angewiesen. Auf unserer Haut bekommen sie sowohl freie Kost als auch Logis und fühlen sich somit pudelwohl. Ohne diesen All-inclusive Service jedoch, d.h. ohne den Kontakt zur menschlichen Haut (z.B. in getragener Kleidung, benutzter Bettwäsche) sterben die Milben nach spätestens zwei Tagen ab. Auch bei hohen Temperaturen, beispielsweise in der Waschmaschine oder im Trockner, fühlen sie sich nicht wohl und sind nur etwa 10 Minuten überlebensfähig. Bei Temperaturen unter 16 °C können sich die Milben nicht mehr so gut bewegen, so dass ihnen auch Kälte nicht sehr behagt. Und das eisige TK-Fach bedeutet für sie spätestens nach einem Tag den ziemlich sicheren Tod.

 

Ansteckung Krätze:

Der Übertragungsweg für die Krätze ist der direkte Hautkontakt. Da die Milben jedoch eher gemütliche Tierchen sind, ist ein intensiver Haut-zu-Haut-Kontakt von mindestens 5- 10 Minuten notwendig. Situationen, wie z.B. Händeschütteln oder eine kurze Umarmung sind daher in der Regel unproblematisch (aktuell wegen der Pandemie jedoch eh kein Thema). Generell kommt die Krätze in jedem Alter vor, ist aber aufgrund des Übertragungsweges bei Kindern und pflegebedürftigen Personen besonders häufig. Typische Ansteckungswege sind das gemeinsame Spielen, Kuscheln oder die Körperpflege.

Da die Milben außerhalb des Körpers kaum überlebensfähig sind, ist eine Ansteckung durch Gegenstände und Textilien theoretisch zwar möglich, praktisch jedoch sehr selten.

 

Symptome Krätze:

Typische Zeichen für eine Infektion sind ein starker Juckreiz und ein Ausschlag auf der Haut. Der Juckreiz ist nachts besonders ausgeprägt und quälend. Am liebsten mögen es die Krätzmilben an warmen Körperstellen mit eher dünner Hornschicht. Deshalb tritt der oben bereits erwähnte Hautausschlag mit Gängen, Papeln und Bläschen vor allem in Hautfalten, z.B. zwischen den Fingern- und Zehen, in den Achseln, dem Nabel sowie unterhalb der Gürtellinie auf. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann er jedoch am ganzen Körper auftreten. Auch die Handflächen und Fußsohlen können bei ihnen betroffen sein und mitunter mit der sog. Hand-Fuß-Mund-Erkrankung verwechselt werden (mehr dazu siehe hier).

Bei einer Infektion mit Krätzmilben versucht das Immunsystem unseres Körpers alles, um die lästigen kleinen Besucher loszuwerden. Und genau diese Immunantwort ist es, die den starken Juckreiz verursacht. Der Juckreiz tritt in aller Regel am ganzen Körper und nicht nur an den unmittelbar infizierten Hautstellen auf. Durch das Kratzen können sich zusätzlich entzündliche Veränderungen/Ekzeme ausbilden.

Bei einer Erstinfektion treten die ersten Symptome meist erst nach 2- 5 Wochen auf. Ansteckend sind die Betroffenen jedoch schon zu Beginn der Erkrankung! Also bereits dann, wenn sie selbst von der Erkrankung nichts wissen oder spüren. Gab es im Vorfeld bereits eine Scabies-Infektion, dann “kennt” das Immunsystem die Krätzmilben bereits und kann schon nach 1- 4 Tagen mit den entsprechenden Gegenmaßnahmen reagieren, welche die typischen Symptome hervorrufen.

Hat man den Verdacht, erkrankt zu sein, ist ein Arztbesuch unbedingt notwendig! Ein Arzt schaut sich die Haut ganz genau an und entscheidet dann über die weitere Therapie. Es gibt auch seltene Sonderformen der Krätze, deren genaue Beschreibung und Ausführung an dieser Stelle zu weit führen würde. Ein Arzt ist jedoch in der Lage diese zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

 

 

Therapie Krätze:

Oh nein, ich habe die Krätze- und jetzt?

Glücklicherweise ist die Krätze, trotz aller Unannehmlichkeiten, gut zu behandeln! Ziel der Therapie ist es natürlich, alle Milben, Eier und Larven zu beseitigen. Die Behandlung kann, außer in besonderen Ausnahmefällen, zu Hause erfolgen.

Da sich die Krätzmilben nur in den obersten Schichten der Haut aufhalten, ist die Behandlung mit einer speziellen Creme (=sogenannte topische Antiscabiosa) die Therapie der ersten Wahl. In der Regel wird die Behandlung mit einer Creme (Wirkstoff Permethrin) in 5 %-tiger Konzentration durchgeführt. Die Creme wirkt gegen Milben und Eier und ist gut verträglich. Bei Kindern unter 2 Monaten wird, je nach Abwägung der Risiken, die Therapie angepasst. Die Creme muss 8- 12 Stunden einwirken und wird deshalb typischerweise über Nacht angewandt.

Lokale Therapie:

Für die Behandlung ist es wichtig, dass der gesamte Körper des Betroffenen -vom Kinn abwärts, einschließlich der Hautfalten hinter den Ohren- für den kompletten Behandlungszeitraum mit einer Cremeschicht bedeckt ist. Die Packungsgröße der Cremetube sollte der Größe bzw. der Körperoberfläche des Kindes/Jugendlichen angepasst sein (mitunter ist die verordnete Packungsgröße zu klein; dann bitte Rückmeldung an den behandelnden Arzt). Bei Kindern unter 3 Jahren (und älteren Menschen) sollte der Kopf mitbehandelt werden (Aussparung der Augen-und Mundregion!).

Vor der Behandlung empfiehlt sich das Kürzen der Fingernägel und ein Ganzkörperbad (bzw. Duschen). Das Baden/Duschen vor dem Auftragen der Creme ist zwar nicht zwingend erforderlich, kann jedoch, insbesondere bei einem ausgedehnten Befall und/oder schuppenden Hautveränderungen, hilfreich sein. In diesen Fällen sollte das Antiscabiosum etwa 1 Stunde nach dem Baden (d.h. wenn die Haut gut getrocknet und die normale Körpertemperatur wieder erreicht ist) aufgetragen werden. Dabei sollten die Personen, die die Creme beim Kind auftragen, Handschuhe tragen. Sollte z.B. nach einem nächtlichen Toilettengang ein Händewaschen beim Kind erforderlich sein, muss der Cremefilm entsprechend erneuert werden. Nach dem Behandlungszeitraum wird die Creme abgeduscht und man gilt als nicht mehr ansteckend oder medizinisch infektiös. In den meisten Fällen reicht die einmalige Therapie. Es sollte jedoch nach 2- 6 Wochen (Lebenszyklus der Milben) noch einmal von einem Arzt überprüft werden, ob ggf. eine erneute Behandlung notwendig ist!

Orale Therapie:

Manchmal ist auch eine sog. orale Therapie erforderlich, bei der die Einnahme des entsprechenden Wirkstoffes in Tabletten-Form erfolgt. Auch hier reicht normalerweise eine einmalige Anwendung. 24 Stunden nach der Therapie gilt man als nicht mehr ansteckend.

WICHTIG für den Therapieerfolg ist, dass sich ALLE KONTAKTPERSONEN MITBEHANDELN lassen, damit man sich nicht immer wieder gegenseitig ansteckt!

Begleitende Therapie:

Oft reicht es nicht aus, nur gegen die Krätzmilben zu behandeln. Denn durch den starken Juckreiz entstehen häufig auch ausgeprägte Begleit-Ekzeme. Diese müssen, je nach Ausprägung, gesondert gepflegt und behandelt werden. Der Ausschlag ist in vielen Fällen auch dann noch vorhanden, wenn die eigentliche Krätzmilbeninfektion längst erfolgreich behandelt worden ist.

 

Hygienemaßnahmen

Auch wenn die Ansteckungsgefahr durch Gegenstände und Textilien sehr gering ist, gilt es einige Umgebungsmaßnahmen zu beachten:

– Bettwäsche, Kleidung und Handtücher bei 60 °C für mindestens 10 Minuten waschen

– Gegenstände, die nicht so heiß gewaschen werden dürfen (z. B. Kuscheltiere, Hausschuhe u.a.), in Plastiksäcke verpacken oder in Folie einschweißen und für 72 Stunden bei 21 °C möglichst konstanter Temperatur lagern

– Nach Möglichkeit Polstermöbel für 48 h nicht nutzen; ist bei geringem Ansteckungsrisiko aber nicht unbedingt notwendig

 

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss:

Wie auch bei den Läusen, ist die Krätze in Deutschland benachrichtigungspflichtig. Das heißt, dass bei der Erkrankung eines Kindes die Kita oder die Schule informiert werden muss. Von dort erfolgt die Meldung an das Gesundheitsamt. Erst nach erfolgreicher Behandlung ist der Besuch von Kita oder Schule wieder erlaubt. Je nach Richtlinien der jeweiligen Einrichtung wird die erfolgte Behandlung von den Eltern oder dem Kinderarzt bestätigt.

Fazit:

Eine Infektion mit Krätzmilben ist nicht gefährlich, jedoch äußerst lästig und unangenehm. Bei einer Erstinfektion treten die typischen Symptome meist erst nach einigen Wochen auf. Die Symptome sind ein Ausdruck der Abwehrreaktion des Körpers auf die Exkremente der Milben und den Milbennachwuchs. Ansteckend sind die Betroffenen jedoch schon zu Beginn der Erkrankung, also bereits dann, wenn sie selbst noch gar nicht wissen/spüren, dass sie erkrankt sind. Auch nach einer erfolgreichen Therapie können die Symptome noch für eine Weile fortbestehen und müssen ggf. gesondert behandelt werden. Unter Berücksichtigung bestimmter Richtlinien und Hygienemaßnahmen sind Krätzmilben i.d.R. gut behandelbar.

Eine Mitbehandlung der Kontaktpersonen und eine zeitnahe medizinische Verlaufskontrolle sind wichtig, um zu überprüfen, ob die Therapie erfolgreich war oder eine Wiederholungsbehandlung erforderlich ist.

 

Ich hoffe, ihr bleibt von den Plagegeistern verschont. Zumindest sind die Bedingungen für die Krätzmilbe unter den aktuellen Kontaktbeschränkungen ebenso doof, wie für uns alle. Das vielleicht als “kleiner Trost” am Rande.

 

Anmerkung: Alle medizinischen Beiträge, die ich zu gesundheitlichen Themen auf meinem Blog verfasse, dienen ausschließlich der Information. Sie ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch bei gesundheitlichen Beschwerden.

 

Bleibt gesund und munter und hoffentlich ohne lästige Haut-Untermieter

Eure

Snježi

 

die-kinderherztin zum Thema Drei-Tage-Fieber

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

– Robert-Koch-Institut (RKI)

– Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzgA)

AWMF S1-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Skabies

 

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